Drogentreff: Hilferuf der Anlieger

Die offene Drogenszene am Krähenteich bereitet Anliegern und der Polizei seit Jahren Probleme.
Die offene Drogenszene am Krähenteich bereitet Anliegern und der Polizei seit Jahren Probleme.

Bürgerinitiative Krähenteich schickt 36-seitige kritische Lagebeurteilung an die Entscheidungsträger und stellt Forderungen

shz.de von
17. Mai 2019, 15:01 Uhr

Lübeck | Der Spielplatz an der Ecke Krähenstraße / „An der Mauer “ gilt in Lübeck seit vielen Jahren als der zentrale Aufenthaltsort von Drogenabhängigen jedweder Art. Und seit ebenso vielen Jahren gibt es Diskussionen über die Probleme, die eine offene Drogenszene mit sich bringt.

So baute die Stadt beispielsweise dort eine Toilette auf, um für hygienische Verhältnisse zu sorgen, ließ den Container aber wieder entfernen, weil der gewünschte Effekt sich ins Gegenteil verkehrt hatte. Lübecks Innensenator Ludger Hinsen (CDU) machte Ankündigungen, wie dem Ausufern der Drogenszene Einhalt geboten werden solle.

Die Situation habe sich nicht verbessert, stellt die „Bürgerinitiative Krähenteich“ öffentlich heraus in einem „Notruf an die Mitglieder der Bürgerschaft“.

Die Bürgerinitiative hat am Donnerstag eine 36-seitige Lagebewertung an die Repräsentanten der Lokalpolitik geschickt. Die Lage habe sich trotz vieler Ankündigungen in den letzten Monaten nicht verbessert. Anwohner würden provoziert und angepöbelt. Viele hätten Angst und würden auch nicht mehr die Polizei rufen, da sich ohnehin nichts ändern würde.

Die Bürgerinitiative Krähenteich ist vor allem auf die Stadtverwaltung sauer. Den letzten Kontakt mit Innensenator Ludger Hinsen habe es im Dezember 2018 gegeben. Nicht einmal das Versprechen, die Hecken rund um den ehemaligen Spielplatz zu stutzen, sei eingehalten worden. Es gebe im gesamten Umkreis Drogenverstecke, benutzte Spritzen und Diebstähle. Unverständlich ist für die Bürgerinitiative Krähenteich auch, dass der Platz täglich von der Stadt gereinigt werde. Das zahle der Bürger.

Verärgert sind die Anwohner auch über den Umgang der Stadt mit den zahlreich eingegangenen Beschwerden. So stellte am 28. Februar eine Anwohnerin in der Bürgerschaftssitzung eine Frage zu der Entwicklung. Im Protokoll der Sitzung steht: „Frau V. verliest ihre Frage. Herr Senator Hinsen beantwortet die Frage. Frau V. stellt eine Nachfrage. Frau Senatorin Hagen beantwortet die Nachfrage.“

Die Vertreter der Anwohner stellen jetzt klare Forderungen an die Entscheidungsträger: Verstecke und den Sichtschutz durch Sträucher entfernen, Beleuchtung und eine Kameraüberwachung, Abbau der Umzäunung und langfristig eine Verlagerung der offenen Drogenszene auf die andere Seite der Rehderbrücke.

Eine erste Resonanz gibt es bereits. Lothar Möller, Bürgerschaftsmitglied und Vorsitzender der BfL (Bürger für Lübeck): „So wie es ist, kann es auf gar keinen Fall weitergehen. Vorbereitende Maßnahmen reichen da nicht mehr aus. Und auch ein paar Streetworker zusätzlich werden die mehr als bedenkliche Entwicklung nicht regeln. Hier muss der Rechtsstaat ein Zeichen setzen und energisch durchgreifen. Die organisierte Kriminalität kann und darf nicht toleriert werden.“

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