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Lübeck

18. Dezember 2017 | 14:28 Uhr

Die Puppenbrücke rostet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fußgängerweg an der Kanaltrave wird gesperrt / ADAC-Brückentest fordert Lübeck zum Handeln auf

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Die beiden Gehwege unterhalb der Puppenbrücke werden bis auf weiteres gesperrt. Grund: Sie verlaufen entlang der Kanaltrave auf Stahlkonsolen, eine Konstruktion mit der der Gehweg an der eigentlichen Brücke befestigt ist. Auf diesem Stahlgerüst liegen die Gehwegplatten der Uferwege beiderseits des Stadtgrabens, die unter der Brücke hindurch führen. Die Sperrung ist nötig, da bei Überprüfungen erhebliche Abrostungen festgestellt wurden. Die Stabilität der Puppenbrücke selbst sei aber nicht betroffen, hat der Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt mitgeteilt.

Da die Sicherheit der Fußgänger unten am Wasser nicht mehr gewährleistet ist, werden die Treppeneingänge mit Zäunen abgesperrt. Ein Ersatzneubau der Konsolen ist kurzfristig nicht geplant, da dafür keine Haushaltsmittel vorhanden sind.

Damit nicht genug: Der ADAC-Brückentest hat jetzt Lübecks Zustandsberichte seiner maroden Brücken bestätigt. Die Hansestadt hat sich im November freiwillig diesem außerplanmäßigen Check unterzogen. Ausgewählt hat der ADAC die Betonbrücke am Sandberg (Travemünder Allee, Baujahr 1964) sowie zwei stählerne Querungen, nämlich die Hüxtertorbrücke (Baujahr 1899) und die Rehderbrücke aus dem Jahr 1935.

Bei der alle sechs Jahre stattfindenden Hauptprüfung im Jahr 2012 erhielt die Rehderbrücke eine Gesamtnote von 2,9. Die Hüxtertorbrücke wurde bei der jüngsten Einfachprüfung (Rhythmus alle drei Jahre) etwas schlechter, mit 3,0 bewertet. Die Skala reicht bis 4,0. Wird bei der Schadensbewertung des Kriteriums Verkehrssicherheit dieser Wert erreicht, dann muss eine Verwaltung zwingend handeln. Die Noten zeigen, dass sich beide Stahlbrücken in einem schlechten Zustand befinden und Schäden ausgebessert werden müssen.

Auch die Prüfungen des ADAC kommen nun zu dem Schluss, dass der Zustand der Brücken schlecht ist. Akuter Handlungsbedarf, etwa eine Sperrung der Brücken, sieht die Fachabteilung des Lübecker Baudezernats aber nicht. Obwohl der Abschlussbericht des ADAC erst im Frühjahr vorgelegt wird, fordert der ADAC für beide Stahlbrücken die Traglast deutlich einzuschränken. Da bei beiden Brücken die Schäden nicht zu einem Einsturz führen werden und die regelmäßigen Brückenprüfungen in Lübeck ebenfalls von einem unabhängigen, externen Ingenieurbüro vorgenommen werden, wird Lübecks Bausenator Franz- Peter Boden, nach Abstimmung mit seinen Fachabteilungen, der Forderung des ADAC nicht folgen. Boden: „Die Hinweise des ADAC sind dennoch hilfreich, denn sie zeigen, dass bundesweit zu wenig Geld in den Unterhalt der kommunalen Infrastruktur fließt. Wir sind jetzt gefordert, mittelfristig eine gesonderte Finanzplanung für die Altstadtbrücken auf den Weg zu bringen, um den Verfall dieser Brücken zu stoppen“.


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