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Lübecker Musik- und kongresshalle : Die MuK, ein Millionengrab: Sanierung viermal so teuer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübeck geht nach Kostenschätzung von mehr als 22 Millionen Euro aus / Saxe: Pfusch am Bau

Teurer als erwartet, langwieriger als geglaubt: Fachgutachter schätzen die Kosten von Sanierung und Modernisierung der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) auf 22,3 Millionen Euro, rund sechs Millionen Euro davon fließen in die Sanierung des großen Konzertsaals, der, wie berichtet, seit Ende September wegen Einsturzgefahr geschlossen ist. Für die verschuldete Hansestadt ist das ein schwerer Schlag. Bürgermeister Bernd Saxe sprach angesichts der Summe von einer „Hiobsbotschaft“. Die Arbeiten sollen bis Ende 2018 dauern.

Mit dieser Summe habe er nicht gerechnet, sagte Saxe. Und wie ihm stand auch Bausenator Franz-Peter Boden, MuK-Geschäftsführerin Ilona Jarabek und Dennis Blunk vom Gebäudemanagement der Hansestadt der Schrecken ins Gesicht geschrieben über das, was sie erst kurz zuvor selbst erfahren hatten: Zu den 6,1 Millionen Euro für die einsturzgefährdete Decke des großen Konzertsaals läppern sich 3 Millionen Euro für die Fassade, 1,5 Millionen für das Dach, 3,5 Millionen für die Haustechnik, 2,5 Millionen für Arbeiten im Foyer und Nebenkosten für Honorare, Gebühren, Gutachten, Einrüstungen etc. Noch nicht dabei ist die Höhe des Schadens, der durch den Ausfall von Veranstaltungen entsteht.

Als einen Grund für die hohen Kosten nannte Boden den Sanierungsstau: Der Eigentümer sei seiner Pflicht, sein Haus in Ordnung zu halten, nicht nachgekommen. Gummidichtungen an den Scheiben zum Beispiel hätten eine Lebensdauer von 15 Jahren. „Jetzt sind wir bei 21 Jahren“, rechnete Boden vor. „Die jährliche Instandsetzung eines solchen Gebäudes liegt zwischen einer und 1,5 Millionen Euro. Die hat es bekanntlich nicht gegeben.“ Eigentümerin der MuK ist die Stadt selbst. Trotz der klammen finanziellen Situation der Hansestadt ergebe es dennoch Sinn, nach der Sanierung des Konzertsaales andere Reparaturen und Modernisierungen wie das Nachrüsten bei Brandschutz, Lüftung und Fluchtwegen gleich mit in Angriff zu nehmen, so Boden. In fünf Bauphasen sind die Arbeiten bis Ende 2018 eingeteilt. Die Arbeiten am Konzertsaal gehören zur ersten Phase und sollen im Frühjahr 2017 abgeschlossen sein.

Beim Versuch, einen Schuldigen dingfest zu machen, gibt es bislang keine Erfolge zu vermelden. „Die rechtliche Prüfung läuft“, sagte Saxe, der zuvor vom „Pfusch am Bau“ gesprochen hatte. Abriss und Neubau als Alternative zur MuK-Sanierung wischte Boden mit dem Hinweis vom Tisch, dass ein neuer Musik- und Kongressbau mindestens 100 Millionen Euro kosten würde. Auf der Suche nach „Entlastung auf der Geldschiene“ sei man derweil im Gespräch mit dem Land, sagte Saxe. „Wir haben brieflich um Förderung gebeten.“ Eine Entscheidung gibt es noch nicht.


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