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„Die im Schatten sieht man nicht“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Zahl der Wohnungslosen hat in Lübeck stark zugenommen / Besonders viele jungen Menschen sind betroffen

„Die Zahl der wohnungslosen Menschen insgesamt hat stark zugenommen. Insbesondere auch bei den jungen Erwachsenen und Frauen erleben wir drastische Steigerungen“, sagt Heike Raddatz-Kossak von den sozialen Hilfen der Vorwerker Diakonie: „Vor drei Jahren kamen etwa 300 Menschen pro Jahr in unsere Beratungsstelle für junge Erwachsene, jetzt sind es schon rund 500.“

Unter dem Tenor „Die im Schatten sieht man nicht“ hatte die Vorwerker Diakonie zu einem Sozialpolitischen Gesprächskreis eingeladen. Mit Vertretern aus der Kommunalpolitik und von sozialen Trägern aus Lübeck wurde das Thema Wohnungslosigkeit bei jungen Erwachsenen und Frauen in den Fokus gerückt. Die Zahl der Fälle ist stark gestiegen. Gesucht wird jetzt eine große Notunterkunft.

In den Beratungsstellen der Vorwerker Diakonie finden an drei Standorten junge Erwachsene, Frauen und Männer ab 25 Jahren Unterstützung bei der Suche nach einer Notunterkunft und langfristige Hilfe, um zurück in ein neues Leben zu finden.

„Die Belastungen der betroffenen Frauen sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Die Zahl derer, die notuntergebracht werden müssen, hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht“, sagt Ortrud Wulf, die seit mehr als 30 Jahren in der Beratungsstelle für Frauen der Vorwerker Diakonie arbeitet. „Günstiger Wohnraum ist ohnehin knapp und wer einen Schufa-Eintrag hat, wie viele unserer Klientinnen, hat kaum eine Chance auf einen Mietvertrag, ganz gleich, wie sehr man sich bemüht.“

Um für die Betroffenen den derzeit verschlossenen Weg hin zum normalen Wohnen wieder zu öffnen, will die Vorwerker Diakonie ein neues Konzept etablieren: Frauen und junge Erwachsene sollen nicht mehr wie bisher in privaten Pensionen oder Hotels im ganzen Stadtgebiet untergebracht werden, sondern in einer großen Notunterkunft einen sicheren Platz finden können. „In diese Notunterkunft wollen wir gleichzeitig Wohneinheiten integrieren, in denen die Bewohner wieder lernen können, wie man einen Haushalt führt und was zu einem Mietverhältnis alles dazu gehört“, beschreibt Heike Raddatz-Kossak das geplante Konzept. Bewohner, die in den Wohneinheiten gut mitarbeiten, sollen danach in Mietwohnungen umziehen können, die von der Vorwerker Diakonie angemietet wurden. „Das nimmt den Vermietern das Risiko und ist gleichzeitig eine Chance für Menschen ohne Wohnung“, so Raddatz-Kossak weiter, „wenn alles gut funktioniert, übergeben wir den Mietvertrag nach einer gewissen Zeit an den Bewohner.“

Derzeit wird nach passenden Immobilien gesucht, Um das Vorhaben verwirklichen zu können. Lübecks Sozial-Senator Sven Schindler (SPD) ist optimistisch: „Wir haben schon ein Gebäude im Auge, das perfekt passen würde. Wir arbeiten sehr eng mit der Vorwerker Diakonie zusammen, und ich hoffe, dass wir den folgenden Monaten zu einem Ergebnis kommen werden.“

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