Die alte Schreibmaschine

Jan Lindenau (SPD).
Jan Lindenau (SPD).

In Büros der Lübecker Stadtverwaltung ist man noch auf Technik der 70er Jahre angewiesen

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02. Mai 2019, 15:41 Uhr

Lübeck | Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, ist aber dennoch Wirklichkeit: In der Hansestadt klappern in den Amtsstuben noch mechanische Schreibmaschinen. „Und das sogar in mehreren Bereichen“, hat Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) festgestellt. Das soll sich zügig ändern.

Ältere Menschen werden sich an diese Maschinen noch erinnern können: Durch Betätigen der Tastatur wurde jeweils ein durch Farbband geschwärzter Hammer auf das Papier gebracht, um einen Buchstaben zu erzeugen. Pech nur, wenn’s der falsche Buchstabe war, so dass mit weißer Farbe korrigiert werden musste, jedoch alle mit Kohlepapier erzeugten Kopien davon unberührt blieben. Mit dem Aufkommen des Computers verschwand die mechanische, später elektrische Schreibmaschine aus den Büros und wanderte in den Antiquitätenhandel. Nicht so bei der Lübecker Stadtverwaltung. „Es gibt sie noch“, wie Jan Lindenau auf erneute Nachfrage bestätigt.

Als Jan Lindenau vor einem Jahr das Bürgermeisteramt antrat, hatte er mit Problemen dieser Art gerechnet und gab sogleich die Losung aus: „Es gibt kein Abwicklungskonzept, sondern ein Zukunftskonzept!“

Die Bedingungen, unter denen Verwaltungsmitarbeiter noch tätig sind, überraschen: So entdeckte Lindenau mechanische Schreibmaschinen, die für das Ausfüllen von Formularen mit Durchschlägen zum Einsatz kommen. Erklärung: „Die Formulare gibt es noch nicht in elektronischer Form!“ Auch alte Rechenmaschinen werden genutz, weil in die Eingabemaske von Programmen nur Endsummen eingetragen werden können.

Und es gibt weiteren Handlungsbedarf in der Lübecker Stadtverwaltung. So hatte Bürgermeister Lindenau jüngst Gelegenheit, eine Toilette im Verwaltungsgebäude Fischstraße in der Altstadt besichtigen. „Ich kenne stinkende Schulklos“, berichtet Lindenau, „aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“. Die Damentoilette beispielsweise befinde sich neben einem stinkenden Schacht: „Das Abflussrohr führt durch den halben Raum. Da kann man zugucken, wie das in der Wand verschwindet.“ Damit nicht genug: Wenn eine Frau die Toilette nutzt, muss sie gleichzeitig die Tür zuhalten, denn die Damentoilette zugleich der Durchgang zur Herrentoilette

Noch ein Beispiel aus dem Stadtverwaltungsalltag in Lübeck: „Wenn die Mitarbeiter eines Fachbereichs die Teeküche nutzen wollen, müssen sie von zu Hause regelmäßig Essig mitbringen. Der Wasserhahn ist so verkalkt, dass kaum noch Wasser durchkommt.“

Bürgermeister Jan Lindenau verspricht schnelle Abhilfe, denn „viele Mitarbeiter würden gerne mehr leisten, die Umstände hindern sie aber daran.“

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