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IKEA-Shoppingcenter : Deutschland-Premiere: „Luv“ startet in Lübeck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit dem Ikea-Shoppingcenter in Lübeck eröffnen die Schweden eine in der Bundesrepublik einzigartige Einkaufswelt. Das Projekt ist immer noch umstritten.

Lübeck | Drei, zwei, eins – Eröffnung! Nach rund 13 Monaten Bauzeit geht in Lübeck-Dänischburg am kommenden Mittwoch gleich neben der neuen Ikea-Filiale ein Ikea-Einkaufszentrum an den Start. Es ist die erste Kombination dieser Art in Deutschland, die der schwedische Möbelgigant anbietet und soll drei Millionen Kunden im Jahr anlocken.

Gefeiert wird das Projekt auf der ehemaligen Industriebrache im Stadtteil Dänischburg als Hattrick: Nachdem am 14. März Ikea seine ersten Kunden auf seinen 19.500 Quadratmetern Verkaufsfläche (die auf 25.500 Quadratmeter erweitert werden können) empfing, setzte der Bau- und Gartenmarkt Hornbach (10.000 Quadratmeter) nach. Am 16. April folgt nun als dritter Schweden-Streich das Luv-Shoppingcenter. Auf 24.500 Quadratmetern findet sich von Apfel bis Zuckerdose alles, wofür man Geld ausgeben kann. Bäckerwaren, Bekleidung, Elektrogeräte, Marzipan, Nahrungsmittel, Parfüm, Schuhe, Spielsachen – lokale Einzelhändler haben sich hier neben internationalen Markenanbietern eingemietet. Edeka und Niederegger gehören dazu, die Bäckerei Junge, ein CB-Modemarkt, Saturn und C&A. 43 Unternehmen verzeichnet das Shoppingcenter aktuell.

Villeroy & Boch ist gleich dreimal dabei, nämlich mit dem „Café 1748“ (einem von insgesamt neun Restaurationsbetrieben im Shoppingcenter), einem „House of living“ und einer „Bad und Wellness Erlebniswelt“. Die Firma aus Mettlach im Saarland hatte auf dem heutigen Ikea-Areal seit 1906 Sanitärkeramik und Fliesen produziert, das Werk jedoch 2009 geschlossen und das Gelände an den Möbelkonzern verkauft. Für das damit zunehmend verödende Dänischburg stellen sich die Schweden als Retter dar. 150 Arbeitsplätze sind dort mit dem Shoppingcenter entstanden, 250 gibt es im Möbelhaus und im Stadtteil ist mehr Leben als vorher.

Einzelhändler in der Lübecker Innenstadt sowie die Nachbargemeinden fühlen sich indessen von dem geballten Angebot bedroht. Bad Schwartau und Neustadt hatten versucht, den Bau per einstweiliger Verfügung stoppen zu lassen, scheiterten jedoch vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig. Aktuell laufen noch Normenkontrollklagen vor dem Oberverwaltungsgericht.

Den Schwartauern stößt vor allem die Dänischburger Verkaufsfläche von insgesamt 60.000 Quadratmetern sauer auf, denn dies ist exakt soviel, wie die gesamte ostholsteinische Stadt an Verkaufsfläche zu bieten hat. Auch die Industrie- und Handelskammer, die die Ansiedlung eines Möbelhauses und die Villeroy & Boch-Pläne ausdrücklich als „von großer Bedeutung für die Hansestadt und die ganze Region“ begrüßt hat, sorgt sich nun um die Auswirkungen des Einkaufszentrums auf die Händler der Innenstadt.

Die jedenfalls können nicht mit dem Parkraum-Angebot konkurrieren, das sich den Kunden vor den Toren bietet. 2600 kostenlose Stellplätze kann Ikea dort anbieten, da haben selbst drei Millionen erwartete Kunden im Jahr beste Aussichten, einen Platz zu ergattern. Wer keine Lust auf Auto hat, lässt sich mit der Buslinie 33 auf das Gelände fahren – oder zum Jahresende auch von der Bahn. Drei Millionen Euro kostet der Bahnhaltepunkt Dänischburg, seinen Preis zahlt Ikea und will ihn zum Fahrplanwechsel im Dezember eröffnen lassen.

Überhaupt hat der schwedische Ableger mit technischer Innovation und fröhlicher Werbung von sich reden gemacht. Da ging es zum Beispiel um den Namen des Einkaufszentrums, der nicht angeordnet, sondern per Wettbewerb gesucht wurde. 5 000 Teilnehmer konkurrierten um einen 5.000 Euro-Einkaufsgutschein, Sieger wurde ein Lübecker mit „Luv“.

Allzeit günstige und saubere Winde sollen in 150 Metern Tiefe für Kühlung und Wärme in Möbelhaus und Shoppingcenter sorgen. In Dänischburg sei damit eine der größten Geothermie-Anlagen Deutschlands entstanden, heißt es bei Ikea. Und auch bei der Werbung ist das verrückte Möbelhaus immer etwas anders. Zur Eröffnung der Ikea-Filiale wurden mitten in der Stadt ein Giebel aus Ikea-Regalen nachgebaut, Alleebäume in blaue Einkaufssäcke verbackt, Segel aus Ikea-Stoffen für ein Oldtimerschiff gefertigt. Es durfte geschmunzelt werden.

An Spannungen, die vor drei Jahren wegen einer Streichliste für innenstadtrelevante Sortimente in Dänischburg entstanden waren, denkt heute kaum noch einer. Aktuell wartet Lübeck auf das „Go“ für Mittwoch. Service-Angebote wie Kinderbetreuung, Kinderspielplatz und Familienraum sind im Luv-Shoppingcenter dann so normal wie Post, Bank und E-Tankstelle.

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