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Dauerbaustelle A1 : Der Weg nach Lübeck droht zu verstopfen – mal wieder

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Dauerbaustelle an der Autobahn könnte Lübeck in ein monatelanges Verkehrschaos stürzen – und Urlauber abschrecken. Die Region kennt das schon. Eine Geschichte von Pleiten, Pannen und Blasen.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2015 | 12:22 Uhr

Lübeck | Die Sanierung der Autobahn zwischen Lübeck-Zentrum und dem Autobahnkreuz Lübeck beginnt am Montag – und fertig wird die Gesamtbaustelle an der A1 erst am 22. November. Wer im Sommer die Hansestadt oder einen der Badeorte in der Region erreichen möchte, muss sich auf eine wesentlich längere Fahrzeit gefasst machen.

Das Problem: Bis zum 20. Juli ist auch die Ausfahrt Lübeck-Zentrum betroffen. Eine Auffahrt in Richtung Hamburg und die Abfahrt von Bad Schwartau kommend ist dann nicht möglich. Wer von Norden in Richtung Lübeck-Zentrum möchte, muss bereits in Bad Schwartau von der A1 abfahren. Die Umleitung über die Schwartauer Landstraße, Schwartauer Allee und Lohmühle werden ausgeschildert sein. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen werden bis zum Kreuz Lübeck geführt, um von dort aus wieder in Richtung Norden zu fahren. Die Abfahrt Lübeck-Zentrum aus dieser Richtung ist von den Bauarbeiten nicht betroffen.

Noch wesentlich folgenreicher ist diese Sperrung: Wer über Lübeck-Zentrum auf die Autobahn in Richtung Hamburg auffahren will, muss über Stockelsdorf und die neue Kreisstraße 13 zur Auffahrt Lübeck-Moisling. Diese Ausweichstrecke gilt für Pkw und Lkw. Erfahrungsgemäß dürfte es aber im gesamten Bereich eng werden, da Autofahrer sich eigene Wege suchen.

Eine gute Nachricht für Autofahrer gibt es aber auch: Ab kommenden Montag stehen auf der A1 wieder in beide Richtungen drei Fahrstreifen zur Verfügung – wenn auch nicht in voller Breite, da der Verkehr vollständig über die Richtungsfahrbahn Norden geführt wird. Die Einrichtung der Baustelle erfolgt in den Nachtstunden.

Vom 21. Juli bis 24. August wird die Westseite der Ausfahrt Lübeck-Moisling gesperrt. Die Bauarbeiten sollen am 22. November abgeschlossen sein. Gearbeitet wird an sechs Tagen in der Woche, so lange es hell ist. Die Sanierung des 5,5 Kilometer langen Autobahnstücks kostet rund 15,8 Millionen Euro.

Brüllbeton und Teer-Blasen

Schlaglöcher, zum Teil zehn Zentimeter tief, schränkten vor den Bauarbeiten den Verkehr auf der A1 zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe ein. Foto: Wüst
Schlaglöcher, zum Teil zehn Zentimeter tief, schränkten vor den Bauarbeiten den Verkehr auf der A1 zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe ein. Foto: Wüst
 

Die Tourismus-Branche rechnet mit Einbußen – denn entnervte Urlauber könnten sich andere Regionen aussuchen. Zumal der Weg nach Lübeck bereits in den vergangenen Jahren stark eingeschränkt war. Grund waren die Problem-Autobahnen A1 und A20. Die einstigen Holperpisten werden schon seit Jahren Stück für Stück, Sommer für Sommer modernistiert. Ein Weg vom Brüllbeton zu Teer-Blasen.

Pleite bei der Baufirma

Der Abschnitt zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld musste neu ausgeschrieben werden.
Der Abschnitt zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld musste neu ausgeschrieben werden.

Zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld musste die A1 in den Jahren 2013 und 2014 saniert werden. Gleich zwei Sommer? Das erklärt sich durch die unglückliche Insolvenz der Baufirma Alpine Bau. Der erste Versuch der Baustelle musste zurückgebaut werden, da die Pleite der österreichischen Baufirma einen Weiterbau verhinderte. Zum Glück hatte Alpine Bau noch nicht damit begonnen, die Fahrbahn aufzureißen.

Beton zu weich

Streit um Beton: Ein Gutachten befand die Arbeiten bei Bad Oldesloe für mangelhaft. Foto: Peschke
Streit um Beton: Ein Gutachten befand die Arbeiten bei Bad Oldesloe für mangelhaft. Foto: Peschke
 

Südlich davon war zuvor mehr als ein Jahr lang Baustelle: Zwischen Frühjahr 2010 und Herbst 2011 kam es zu Behinderungen bei Bad Oldesloe. Grund für die lange Baustelle: Die Firma Reinhold Meister hatte einen Beton gegossen, der in den Augen der Straßenbauverwaltung zu weich war. Ein Gutachten sagte aus, dass die Fahrbahn mangelhaft ist und „nicht über die angestrebte Nutzungsdauer von 30 Jahren standhalten wird“. Die Fahrbahn durfte während der Winterpause nicht genutzt werden. Danach gingen die Bauarbeiten von vorne los. Laut einer Chronologie, die von der Baufirma erstellt wurde, hatte die Meister GmbH schon vor zuvor Bedenken angemeldet, dass der Unterbau zu inhomogen und stellenweise zu weich sei und damit die langfristige Tragfähigkeit nicht sichergestellt werden können. Die Bedenken seien vom Landesbetrieb zurückgewiesen worden.

Besonders ärgerlich: Der frühe Wintereinbruch sorgte zeitgleich zwischen Ahrensburg und Bargteheide dafür, dass die Baustelle erst mit Verspätung fertig wurde.

Blasen auf der A20

Keine Sanierung: Die aufgebrochenen Blasen im Asphalt sollen die Autos plattfahren. Foto: Ruff
Keine Sanierung: Die aufgebrochenen Blasen im Asphalt sollen die Autos plattfahren. Foto: Ruff
 

Auch die A20 kann mit Pannen glänzen. Feierlich sollte am 6. Juli 2009 das Teilstück zwischen Lübeck und Geschendorf von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eröffnet werden. Doch die Sonne knallte auf den Asphalt, der warf Blasen mit 20 bis 30 Zentimeter Durchmesser. Und die neue 16 Kilometer lange Fahrbahn blieb zunächst den Baufahrzeugen vorbehalten. Der Grund: Feuchtigkeit in der Fahrbahn versuchte zu entweichen. Bei der nachträglichen Asphaltierung des einst als „Brüllbeton“-Strecke berüchtigten A20-Teilstücks hatte es heftig geregnet. Starke Sonneneinstrahlung lässt das eingeschlossene Wasser verdampfen und Blasen entstehen. Im Sommer 2011 kam es zu einem Wiedersehen der unerwünschten Blasen. Diesmal wurde das Problem mit Tempolimits gelöst.

Aktuelle Verkehrsmeldungen finden Sie unter www.shz.de/verkehr.

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