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Gestaltung der Wallhalbinsel : Der Kampf um Lübecks Kailine

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Die Kailine ist Lübecks umstrittenstes Bauprojekt. Manche meinen gar, es sei eine Art Lübecker "Stuttgart 21". Die Gruppe "Lübeck 13" prescht mit der Gründung einer Genossenschaft voran. Die Stadt ist gespalten - diskutieren Sie mit auf shz.de. Das Diskussionsforum wurde von der Wochenzeitung Hanse Markt ins Leben gerufen.

Lübeck | Das Bauprojekt "Kailine" sollte zum Schmuckstück vor der Lübecker Altstadtinsel werden. 425 Wohnungen mit Blick auf Lübecks weltberühmte und durch die Unesco unter Schutz gestellte Silhouette. Die Bürgerschaft der Hansestadt hat das vor der Kommunalwahl beschlossene Bauprojekt wieder gekippt - obwohl bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt und ein Investor bereitsteht. 26 der 48 Bürgerschaftsmitglieder stimmten nach vierstündiger Sitzung für das vorläufige Aus des 150-Millionen-Euro-Projektes.

Nach dem Stopp des Projekts Kailine herrscht weiterhin eine zwiegespaltene Stimmung in Lübeck. Die Wirtschaft zeigt sich empört über den Bürgerschaftsbeschluss, die Bürgerinitiativen hingegen feiern weiter „ihren Sieg“. Die Politik wiederum rangiert zwischen Resignation und kämpferischen Vorausblicken. Denn am 26. September steht das Projekt erneut zur Abstimmung in der Bürgerschaft an. Bürgermeister Bernd Saxe setzte das Thema auf die Tagesordnung, denn weiterhin steht der Kaufvertrag von den Investoren Volker Schlüschen und Jürgen Wernekinck zur Diskussion. „Ich hoffe sehr, dass die politischen Kräfte die dazwischen liegende Zeit nutzen, um noch einmal darüber nachzudenken und zur Einsicht zu kommen“, sagt Saxe.

Hinter den Kulissen wird jedoch davon ausgegangen, dass es zu einer Ablehnung der Verkaufsvorlage kommen wird.

Parallel zur politischen Diskussion steht bereits der Ruf nach Bürgerbeteiligung im Raum. Alle Bürgerschaftsfraktionen sehen einer Einbindung der Lübecker eine Chance. Der Haken dabei: Auf der Wallhalbinsel besteht bereits Baurecht – dazu kann es keinen Bürgerentscheid geben. Lediglich der Verkauf der Grundstücke könnte Gegenstand einer solchen Befragung sein. Wie diese genau aussehen würde, wäre Aufgabe der Stadt.

In Sachen Bürgerbeteiligung macht die „Gruppe Lübeck 13“ inzwischen Nägel mit Köpfen. Gabriele Ullrich, Initiatorin der Bürgerinitiative, plant eine eigene Genossenschaft. „Wir müssen nur noch ein paar Pöstchen verteilen“, sagt die studierte Betriebs- und Volkswirtin sowie Inhaberin des Schuppen 9. Insgesamt sechs Aufsichtsräte müssen es sein, damit die Genossenschaft „lebensfähig“ ist. Und kaum ist die Idee der Genossenschaft geboren, gibt es schon erste Unterstützer. „Aus dem Stand“, so Ullrich, „haben wir bereits 150.000 Euro eingenommen.“ Ab einem Betrag von zehn Euro könne man „Genosse“ werden, so Ullrich weiter. Insgesamt rechnet sie damit, dass über die Anteilsscheine bis zu zehn Millionen Euro zusammenkommen könnten. Ziel sei es, „die Schuppen zu regenerieren“ und so das Alternativkonzept des Vereins Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) umzusetzen.

Standpunkt der CDU - Fraktionschef Andreas Zander

„Wir fordern den Bürgermeister auf, den Stopp des Projekts zu respektieren. Die CDU-Fraktion hat sich im Rahmen der Kailine-Diskussion von Anfang an für die Entwicklung einer lebendigen und maritim geprägten Nördlichen Wallhalbinsel und für einen behutsamen Umgang mit dem vorhandenen historischen Erbe eingesetzt. Auch eine breite Bürgerbeteiligung haben wir stets eingefordert – sie ist leider nie umgesetzt worden.“

 

Standpunkt der SPD - Fraktionschef Jan Lindenau

„Wir begrüßen die Ankündigung des Bürgermeisters Saxe, die Verkaufsvorlage zu dem Projekt „Kailine“ unabhängig von den Bürgerschaftsbeschlüssen vorzulegen. Wir werden weiter nach Kompromissen mit allen Fraktionen suchen, die Lübeck voranbringen wollen. Sollten die übrigen Fraktionen in der Bürgerschaft nicht zu Kompromissen fähig sein, werben wir für einen Bürgerentscheid."

 

Standpunkt der Grünen - Fraktionschef Thorsten Fürter:

„Die Nördliche Wallhalbinsel soll zu einem spannenden innerstädtischen Viertel werden. Das Luxus-Bau-Projekt Kailine hat in der Stadt keine Zustimmung erfahren und ist passé. Wir wollen diesmal eine breite öffentliche Beteiligung an den neuen Planungen der Stadt. Diesen Prozess sollten wir binnen eines Jahres abschließen. Am Schluss wünsche ich mir eine Abstimmung der Bürger über dieses wichtige Baufeld.“

 

Standpunkt der BfL - Fraktionschef Marcel Niewöhner

„Nach dem Stopp des Projekts Kailine muss es jetzt darum gehen, die Wallhalbinsel zu entwickeln. Und zwar so, dass es zu keinem langem Streit kommt. Es sollte ein Forum oder ein Workshop gebildet werden, an dem jeder sich beteiligen kann. Entscheiden sollte aber letztendlich die Bürgerschaft, denn die ist dazu gewählt worden. Wichtig ist jedoch insgesamt, dass die Finanzierung des Projekts gesicht ist.“

 

Standpunkt der FDP - Fraktionschef Thomas Rathcke

„Die jüngsten Entwicklungen in dem Projekt Kailine sind für die FDP unverständlich und gefährden den Investitionsstandort Lübeck. Die FDP befürwortet grundsätzlich die Bürgerbeteiligungen im Vorfeld von Entscheidungen in der Bürgerschaft. Die FDP unterstützt weiter die Investoren von Kailine und hofft, dass sich die Bürgerschaft doch noch zu einem Verkauf des Grundstückes entschließt.“

 

Standpunkt der FW - Bruno Böhm (Freie Wähler)

„Das Thema Nördliche Wallhalbinsel beschäftigt seit Jahren die Politik und die Bevölkerung. Sowohl in der Politik, als auch in der Bevölkerung spiegeln sich die Meinungen kontrovers, wie bei den Freien Wähler, wider. So war es für uns schon Anfang des Jahres naheliegend die Bevölkerung zu befragen. Deshalb haben wir den Prüfauftrag zum Bürgerentscheid eingereicht, der einstimmig angenommen wurde.“

Standpunkt der Linken - Vorsitzender Sascha Luetkens

„Nach dem Stopp der ,Kailine' müssen jetzt Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger an der Zukunft der Nördlichen Wallhalbinsel geprüft werden. Der Widerstand der Bürgerinitiative (BIRL) und 20 000 Unterschriften gegen das Prestigeprojekt haben gezeigt, dass viele Bürger mit der Entscheidung der Lübecker Politik nicht einverstanden waren. Letztendlich könnte ein Bürgerentscheid die Lösung herbeiführen.“

 

 

Die Kailine

Das Projekt Kailine auf der nördlichen Wallhalbinsel sollte 150 Millionen Euro an Investitionen nach Lübeck bringen. 425 Wohnungen waren projektiert, etwa 780 Menschen hätten auf dem Areal ein neues Zuhause gefunden. Insgesamt waren 70.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche geplant: Sowohl Wohnraum (60 Prozent) als auch Flächen für Dienstleistungen und Gewerbe (40 Prozent). Los gehen sollte der Bau ab 2014; vier Jahre später hätte das Projekt abgeschlossen sein sollen.

Es ist bereits der vierte Anlauf der Hansestadt, um die Halbinsel direkt vor der Altstadt zu vermarkten. Der erste war vor fast 15 Jahren gescheitert. Ende 1997 stieg eine schwedisch-deutsche Gesellschaft aus dem Projekt aus, da sie Zweifel bekam, ob sich das damals mit 500 Millionen-Mark bezifferte Investment rentieren würde. Danach versuchte die Stadt, einen neuen Geldgeber zu finden. Die Suche scheiterte aber wegen eines ,,zu engen städtebaulichen Konzeptes“ wie es damals hieß. 2007 dann der neue Anlauf: Eine

Investorengruppe aus Island erhielt den Zuschlag. 200 Millionen Euro sollten auf der nördlichen Wallhalbinsel verbaut werden. Zwei Jahre später scheiterte das Projekt, weil im Zuge der Finanzkrise Island die Finanzierung nicht mehr gewährleisten konnten.

2012 entwickelte die „Initiative Hafenschuppen“ der Bürgerinitiative Rettet Lübeck, kurz: BIRL, ein Alternativkonzept. Es sieht vor, die Schuppen zu erhalten und Wohn- und Arbeitsflächen miteinander zu verbinden.

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erstellt am 08.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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Umstrittene Kailine in Lübeck: Diskutieren Sie mit!

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