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„Der brachliegende Hafenschuppen soll ein Kulturschuppen werden“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Interessengemeinschaft Popkultur will in Lübeck den Schuppen A in ein Zentrum für die freie Kunstszene verwandeln

Es geht um die Nutzung des brachliegenden Areals alter Hafenschuppen auf der Wallhalbinsel: Noch während das Verfahren zwischen der Projektgruppe Initiative Hafenschuppen und der Stadt Lübeck in vollem Gange ist (wir berichteten), plant ein kulturbegeistertes Kollektiv bereits einen zukünftigen Verwendungszweck für das Objekt der Begierde: Der Schuppen A soll ein Kulturschuppen für die freie Kunstszene werden.

Nachdem Katja Mentz (Grüne) vergeblich einen Vorstoß zur Förderung von städtischer Rockmusik in der Bürgerschaft versuchte, setzt sich nun eine Interessengemeinschaft für die Förderung der freien Kulturszene in der Hansestadt ein. Geplant ist im Verbund zweier Vereine und einer Agentur ein Übungs- und Veranstaltungszentrum im Hafenschuppen A auf der nördlichen Wallhalbinsel zu gestalten.

Die Interessengemeinschaft Popkultur setzt sich aus dem „Verein für die Förderung angewandter Popkultur“, der Rockmusik Stiftung und der Agentur Neue Impulse zusammen. Es sollen Proben- und Produktionsräume sowie ein Veranstaltungsraum mit Bühne für Musik, Spokenword-Formate, Film, Tanztheater und anderen interdisziplinären Ausdrucksformen der Popkunst entstehen dazu soll es Bistro geben. Das Ganze ist gedacht als Ergänzung zur etablierten Lübecker Bühnenkultur. „Anspruchsvolle, vielfältige, innovative, bereichernde und risikofreudige Popkunst findet der interessierte Lübecker in der Regel eher in Hamburg. Wir möchten ihn in seiner Stadt halten“, sagen die Initiatoren Hagen Goldbeck (Geschäftsführer der Agentur Neue Impulse), Thilo Strauß (Verein zur Förderung angewandter Popkultur), und Holger Maack (Rockmusik Stiftung).

Realisiert werden soll diese Spielstätte auf der nördlichen Wallhalbinsel, dessen südliche Halle in eine technisch moderne, multifunktionale Spielstätte mit Bühnen, Kulturkontor und Gastronomie umfunktioniert werden soll. Modernste Bühnentechnik wird mit den Erfordernissen des Publikums zusammengeführt: eine Bühne, die dem jeweiligen Bühnengeschehen in Größe, Funktion und Charakter angepasst werden kann, sowie ein mobiles Bestuhlungssystem und Beleuchtung, mit deren Hilfe unterschiedlichste Veranstaltungen im selben Raum adäquat generiert werden können. Ein ganzjähriger, professioneller Spielbetrieb inklusiver optionaler, anderweitiger Nutzung tagsüber sind geplant.

Der Verein zur Förderung angewandter Popkultur ist seit einigen Jahren in der Lübecker Kulturszene aktiv vor allem mit der Organisation von Slam-Veranstaltungen. Die Veranstaltungsreihen seien extrem gut nachgefragt und stets ausgelastet, so Thilo Strauß, Vorsitzender des Popkultur Vereins. Da sich die populäre Kultur derzeit stetig weiterentwickele und sich immer neue Publikumsschichten erschlössen, hätte sich die Idee einer festen Spielstätte und einer Bündelung der Kulturarbeit aufgetan.

Hagen Goldbeck, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Neue Impulse, arbeitet seit einigen Jahren mit Strauß zusammen. Es handele sich um eine Spielstätte, die dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit folgen solle, so Goldbeck, ein Subventionsprojekt strebe man nicht an.

Der dritte im Bunde ist Holger Maack, Vorstand der deutschen Rockmusik Stiftung. Diese setzt sich deutschlandweit für ausreichende Übungs- und Produktionsräume für die freie Kunstszene ein. Gerade in Lübeck sei der Mangel an Übungsräumen besonders massiv. „Wir möchten gerne Künstler präsentieren, die aktuelle urbane Entwicklungen aufnehmen und in ihrer Kunst verarbeiten“, erklärt Thilo Strauß.

Für den Umbau des Hafenschuppens zum Kulturschuppen kalkuliert Hagen Goldbeck einen mittleren einstelligen Millionenbetrag ein. Während der Spielbetrieb kostendeckend werden soll und ein Bistro zusätzlich zum Umsatz des Betriebes beitragen wird, könnte die Vermietung des Probenräume nur mit Zuschüssen zu finanzieren sein, um die Kosten für die Künstler gering und den Zugang für alle offen zu halten.

Sollte das Konzept realisiert werden, könnten laut der Interessengemeinschaft Popkultur im ersten Jahr nach Eröffnung rund 80 Veranstaltungen im Kulturschuppen stattfinden. Zunächst ist aber die Politik am Zug: Sie muss entscheiden, wie die Wallhalbinsel entwickelt werden soll.

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