Das neue Gründungsviertel

Die Privatisierung der städtischen Grundstücke im Herzen der Lübecker Altstadt ist für die Stadt unterm Strich kein einträgliches Geschäft.
Die Privatisierung der städtischen Grundstücke im Herzen der Lübecker Altstadt ist für die Stadt unterm Strich kein einträgliches Geschäft.

Lübecker Bauverwaltung zieht positive Zwischenbilanz / Das komplexe Entwicklungsprojekt in der Altstadt verläuft ohne Probleme

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25. Juni 2018, 15:31 Uhr

Es ist die städtebaulich bedeutendste Fläche im Gebiet des Unesco-Weltkulturerbes, die nach dem Abriss mehrerer Großgebäude kleinteilig neu entwickelt wird: Die Hansestadt hat im Gründungsviertel in der Altstadt rund 10 000 Quadratmeter Bauland verkauft. Es befindet sich zwischen St. Marien und dem Uferbereich der Trave – druchzogen von der Alfstraße, Braunstraße, Fischstraße und der Mengstraße.

Wer denkt, die Stadtkasse sei jetzt prall gefüllt, wird enttäuscht sein. Für die Privatisierung des städtischen Eigentums muss der Steuerzahler vermutlich noch 1,15 Millionen Euro drauf legen.

Den Anstoß für das Projekt gab der Bund vor rund zehn Jahren. Er stellte neun Millionen Euro bereit, damit Lübeck sein Gründungsviertel ausgraben kann. Die Berufsschulen – Neubauten der Nachkriegszeit – wurden abgerissen. 2009 legten die Archäologen los. Sie benötigten sechs Jahre und konnten tausende mittelalterlicher Schätze freilegen. Danach konnte der Prozess der baulichen Neugestaltung des Areals anlaufen. 2015 wurde mit dem Verkauf der neun parzellierten Grundstücke begonnen. Inzwischen gibt es für alle 38 Grundstücke Interessenten.

Die Bauverwaltung zieht in einem Zwischenbericht eine positive Bilanz: Das komplizierte Projekt laufe ohne Probleme. Außer in einem Punkt: Bisher wurde der Straßenbau zum größten Teil durch die Anlieger finanziert. Inzwischen hat sich die Rechtslage geändert, die Stadt entscheidet über Straßenausbaubeiträge. Und die werden vermutlich nicht mehr erhoben.

Eigentlich waren für das Projekt 3,7 Millionen Euro einkalkuliert, die bereits dort wohnende beziehungsweise Neu-Anwohner für die neuen Straßen zahlen sollten. Fallen die weg, werden aus geplanten 2,5 Millionen Euro Einnahmen ein Verlust von rund 1,15 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind die Kosten für die Verlegung der Berufsschulen, die sich dort befanden. So hat beispielsweise die Erweiterung der Emil-Possehl-Schule außerhalb der Innenstadt (Georg-Kerschensteiner-Straße) 14 Millionen Euro gekostet.

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