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Lübeck

22. September 2017 | 21:04 Uhr

„Das ist nicht ungewöhnlich“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Hansestadt Lübeck zahlt im Monat über 200 000 Euro für Anmietung von Notunterkünften

Kurios: Die Hansestadt Lübeck hat ein Problem mit der Unterbringung der ihr zugewiesenen Flüchtlinge. Unterdessen stehen einige Container der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes auf dem Volksfestplatz an der Travemünder Allee leer.

Am Donnerstag sorgte ein NDR-Bericht für Aufsehen, in dem es hieß, dass die Stadt für eine Notunterkunft rund 11  000 Euro im Monat Miete zahle. „Das ist nicht ungewöhnlich“, entgegnet Nicole Dorel, Sprecherin der Hansesadt Lübeck. Aktuell zahle die Stadt für 418 Notunterbringungen zwischen 18 und 20 Euro am Tag – für jeweils acht Quadratmeter. Die Stadtverwaltung weist die geäußerte Kritik zurück. „Es besteht nämlich gar kein Wohnungsmietvertrag im herkömmlichen Sinne, der einen festen monatlichen Betrag (Mietzins) garantiert“, so Stadtsprecherin Nicole Dorel. Bezahlt werde nur die tatsächliche Belegung. Sobald in einer Flüchtlingsgemeinschaftsunterkunft ein Platz frei werde, müsse der Betroffene sofort dorthin umziehen. Das wirtschaftliche Risiko für die Auslastung der Notunterkünfte trage daher der Gewerbetreibende.

Die Stadt erwartet bei Akquise einer Notunterbringung acht Quadratmeter pro Person sowie das Vorhandensein von sanitären Einrichtungen und Kochmöglichkeiten. „Durch diese klaren Regelungen konnte die Stadt erfolgreich unseriöse Forderungen unterbinden“, so Dorel.

Lübeck hat immer noch einen Engpass bei der Unterbringung. 1774 Flüchtlinge sind aktuell in rund 50 fest angemieteten Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Es fehlen aktuell noch über 600 Plätze. Deshalb hat die Hansestadt tagesaktuell 418 Hotelplätze gebucht und muss auf rund 180 Plätzen in Turnhallen und einen leer stehenden ehemaligen Baumarkt zurückgreifen, erläutert die Stadtverwaltung. Aktuell würden der Stadt immer noch 150 Flüchtlinge pro Monat vom Land zugewiesen.

Eine Unterbringung in dem weit gehend leeren Containerdorf, das das Land Schleswig-Holstein auf dem Volksfestplatz eingerichtet hat und zu Jahresende aufgeben will, lehnt Lübeck ab. „Die kommunalen Gemeinschaftsunterkünfte haben die Aufgabe, einen Übergang zum selbstständigen Wohnen in der Aufnahmegesellschaft zu ermöglichen“, so Nicole Dorel. „Flüchtlinge sollen daher in diesen Gemeinschaftsunterkünften lernen, zum Beispiel wo man einkauft oder wie Mülltrennung in Deutschland funktioniert.“ Das sei bei der Erstaufnahme mit der dortigen Vollversorgung nicht möglich.

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