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Containerdorf wird Flüchtlingsdorf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Projektgruppe der Landesregierung hat den Lübecker Volksfestplatz als vorläufige Erstaufnahmeeinrichtung ausgewählt

Eine Anfrage von Ragnar Lüttke (Linke) zur weiteren Nutzung des Containerdorfs auf dem Volksfestplatz brachte es im Hauptausschuss zutage: Die Container sollen übergangsweise als Unterbringung für Flüchtlinge genutzt werden, und in Lübeck wird eine dauerhafte Erstaufnahmestelle gebaut.

Um die Entscheidung der Landesregierung zu verkünden und zu begründen, war Dr. Thiemo Lüße, Leiter des Bereichs für Erstaufnahmeeinrichtungen des Innenministeriums, angereist. Die aktuelle Lage spiegele die akute Notsituation und die große Anzahl von Flüchtenden wider, die den Weg nach Deutschland fänden, so Lüße. Bereits im Jahr 2014 sei die prognostizierte Anzahl asylsuchender Personen weit überschritten worden und habe in Schleswig-Holstein zur Notwendigkeit neuer Unterbringungsmöglichkeiten geführt. In diesem Jahr prognostiziert die Landesregierung 20  000 Personen, die nach Schleswig-Holstein kämen. Auch in den Folgejahren wird nicht mit einer Entspannung der Lage gerechnet.

Die Kapazitäten der Erstaufnahmestelle Neumünster und der Außenstelle Boostedt reichen nicht mehr aus, um den Flüchtlingsströmen gerecht zu werden. Die 1050 Plätze in Neumünster und 500 Plätze in Boostedt stehen einem Flüchtlingsaufkommen von etwa 3000 bis 3100 Plätzen gegenüber. Konkret dürften ab dem Winter etwa 1800 Plätze fehlen.

Im März hatte die Landesregierung die Projektgruppe zur Planung weiterer Erstaufnahmeeinrichtungen gegründet. Auch wenn man eine Unterbringung von Flüchtlingen in Containerdörfern nicht als dauerhafte Lösung ansehe, müsse eine Lösung für den kommenden Winter gefunden werden.

Die Idee, das Containerdorf in Lübeck zu nutzen, sei noch nicht während der Planungen zum G  7-Gipfel aufgekommen, sondern erst während der Beratungen Anfang März. Man sei mit der Stadtverwaltung in den vergangenen Tagen zu der Übereinkunft gekommen, das Containerdorf auf dem Volksfestplatz als Übergangslösung zu nutzen und bis zum Herbst 2016 eine neue Erstaufnahmeeinrichtung in Lübeck zu bauen. Für die feste Einrichtung ist ein Gelände im Bornkamp im Gespräch, welches vormals für den Bau eines Sportplatzes vorgesehen war. Der Neubau soll adäquate Bedingungen für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtenden gewährleisten.

Bis zum Winter wird es auf dem Volksfestplatz Bauarbeiten geben, um die temporären Unterkünfte für 500 Menschen zu schaffen. Im Bornkamp sollen es bis zu 600 Plätze sein. Die Flüchtlinge werden der Aufnahmeleistung von Lübeck angerechnet, sodass die Stadt nicht mehr Personen aufnehmen muss. „Die Erstunterbringung funktioniert im Prinzip autark“, erklärte Thiemo Lüße, „aber es wäre noch besser, wenn zusätzlich das städtische Ehrenamt eingebracht werden könnte.“

Aus mehreren Fraktionen wurde angemahnt, dass auch das Land Verantwortung für die Neuerungen tragen müsse. Lübeck müsse sich auf die Finanzierung der Bauten und die Landesregierung als Partner bei der Umsetzung verlassen können.

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