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Christliche Kirchen sammeln für die Sanierung der Synagoge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sanierung wird erst Ende 2016 abgeschlossen sein, vorausgesetzt, es kommen ausreichend finanzielle Mittel zusammen

Gerüste vor der Fassade, und noch viel mehr Gerüste im Inneren: An und in der Lübecker Synagoge wird seit mehr als einem Jahr gearbeitet. Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Lübecker Kirchen kamen jetzt auf dieser besonderen Baustelle zusammen. Vladimir Gavrilovs vom Vorstand der jüdischen Gemeinde, Rabbiner Yakov Yosef Harety und Architekt Thomas Schröder-Berkentien erklärten die Arbeiten an der Synagoge. Hintergrund: In den Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) , war an einem Sonntag für die Sanierung des jüdischen Gotteshauses gesammelt worden. 5100 Euro kamen bei dieser Kollekte zusammen. Keine riesige Summe, wie Pröpstin Petra Kallies unterstrich. Dafür könne man sich einige Partien Backsteine und ein paar Säcke Mörtel kaufen. Wichtiger aber sei die Geste, „dass die Christen in der Stadt ein Zeichen der Verbundenheit setzen“.

Der katholische Dechant und ACK-Vorsitzende Joachim Kirchhoff sagte: „Die christlichen Kirchen sehen in den Juden ihre älteren Geschwister. Auch wenn wir uns in der Bewertung der Person Jesu unterscheiden, glauben wir gemeinsam an den einen Gott und Vater aller Menschen. Für die christlichen Kirchen ist es eine Freude, dass die jüdische Gemeinde Lübeck lebendig ist.“

Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde dankte Vladimir Gavrilovs: „Wenn die Sanierung fertig sein wird, ist das ein Höhepunkt in unserem Leben. Auf diesen Moment warten wir. Die Wiedergeburt der Synagoge wird ein Fest sein für ganz Lübeck.“

„Wir sind zufrieden mit dem, was bisher erreicht wurde. Der Bau ist vollständig trocken gelegt, das Mauerwerk saniert“, erläuterte Architekt Thomas Schröder-Berkenthien den Stand der Sanierungsarbeiten. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Sanierung der Synagoge noch nicht endfinanziert ist. Gut 1,6 Millionen Euro standen bisher zur Verfügung. Hiervon stammen eine Million vom Land Schleswig-Holstein, je 300  000 Euro vom Bund und von der Possehl-Stiftung.

Der 2013 aufgestellte Kostenplan beläuft sich auf 6,3 Millionen Euro. Abschnitt für Abschnitt muss nun um die Finanzierung gerungen werden. Lübecks früherer Bausenator Dr. Volker Zahn und Holger Walter bemühen sich um die Gelder, stellen entsprechende Anträge. Die 1880 eingeweihte Synagoge in der St. Annen-Straße war 1938 in der sogenannten Reichspogromnacht innen geschändet worden. Baurat Hans Pieper erhielt danach von der Politik den Auftrag, das Äußere so zu verändern, dass nichts mehr an ein jüdisches Gotteshaus erinnerte. Trotz solcher Änderungen ist die Lübecker Synagoge eine der wenigen, die über den Krieg gekommen ist. Insofern haben Land und Bund ihre nationale Bedeutung anerkannt. Durch Zuzug von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion hat die jüdische Gemeinde Lübeck inzwischen wieder rund 800 Mitglieder. Seit 2005 ist die Gemeinde rechtlich selbstständig und hat mit dem in Jerusalem geborenen Yakov Yosef Harety einen eigenen Rabbiner. Bis Ende 2016 sollen der Vorraum und auch der Gebetsraum so weit fertig sein, dass die Thora wieder in das Gotteshaus getragen werden kann. Für die Übergangszeit ist im Gemeindehaus eine Ersatzsynagoge eingerichtet worden.

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