Lübeck : Büsche um Drogentreff werden nicht gestutzt

Die Sträucher, die den Spielplatz am Krähenteich umgeben – Treffpunkt der Drogenabhängigen – werden nicht gestützt.
Die Sträucher, die den Spielplatz am Krähenteich umgeben – Treffpunkt der Drogenabhängigen – werden nicht gestützt.

Genervte Anlieger fordern Kahlschlag, Beleuchtungsanlage und Videoüberwachung am Krähenteich.

shz.de von
02. Juni 2019, 09:00 Uhr

Lübeck | Die Drogenszene auf dem ehemaligen Spielplatz am Krähenteich bereitet weiterhin Kopfzerbrechen. Erst vor zwei Wochen hatten Anlieger, die sich in der Bürgerinitiative Krähenteich zusammengefunden haben, einen Hilferuf an Stadtverwaltung und Bürgerschaftsmitglieder gerichtet (wir berichteten).

Gefordert wurden unter anderem ein radikaler Rückschnitt der Sträucher, die das Areal „An der Mauer“ / Ecke Krähenstraße einfassen, Beleuchtung und Videoüberwachung. Die Stadtverwaltung lehnt das aber ab.

„Die Grünanlage ist seit jeher mit Bäumen und Gehölzen eingefasst“, erläutert Nicole Dorel, Sprecherin der Lübecker Stadtverwaltung. Die Forderungen nach einem radikalen Rückschnitt der Büsche und einer Verlegung des Drogenplatzes hätten die zuständigen Bereichen der Stadtverwaltung und der Polizei intensiv geprüft, so Dorel weiter: „Mit dem Ergebnis, dass am jetzigen Standort zuerst festgehalten werden sollte, um den Szenentreff am Krähenteich durch die Polizei, den städtischen Ordnungsdienst und die Streetworker der Arbeiterwohlfahrt besser zu kontrollieren und bei Handlungsbedarf Gegenmaßnahmen einzuleiten. Daher wäre das radikale Rückschneiden der Gehölze kontraproduktiv.“

„Wir wissen von den Sorgen der Anwohner und nehmen diese auch Ernst", sagt Karin Mechnich, Leiterin der Awo-Drogenhilfe in Lübeck. Nach Beobachtung der Streetworker seien nur noch etwa 20 Personen auf dem Platz, die Situation habe sich nach dem Abbau der Toilette (wir berichteten) entspannt. Der Vorwurf der Anwohner, dass sich die Streetworker zeitweise nicht auf den Platz trauen würden, sei falsch. Die Mitarbeiter seinen montags bis freitags am Vor- und Nachmittag dort unterwegs.

Auch Lübecks Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach berichtet, dass die Zahl der Drogenabhängigen abgenommen habe. „Die Ausdehnung der Szene in die umliegenden Bereiche konnte durch den verstärkten Einsatz von Präsenzstreifen und intensiver Kontrolltätigkeit weitestgehend verhindert werden.“ Die Polizei führe weiterhin sichtbare und verdeckte Kontrollen durch. Der Platz behalte aber weiterhin den Status „gefährlicher Ort“.

Einer Kritik der Bürgerinitiative stimmt die Polizei zu: Viele Anwohner würden sich nicht mehr trauen, die Polizei zu rufen. Bei Zeugenhinweisen seien detaillierte Personenbeschreibungen wichtig, sagt der Polizeisprecher. „Sämtliche Daten, auch die der Zeugen, fließen in das Ermittlungsverfahren ein und sind Bestandteil der Akte. Diese kann bei Akteneinsichtsersuchen durch Rechtsanwälte angefordert und damit darin enthaltene, personenbezogene Daten eingesehen werden.“ Davor könnten sich die Zeugen nicht schützen.

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