Brot „retten“ und Leben in den Griff bekommen

Brotretter mit Erfolgsbilanz: Sozialarbeiter Björn Steinhauer, Johanne Hannemann und Tobias Schulz mit den jetzt fest angestellten Mitarbeitern Stefan Rüdiger und Patric Behncke.
Brotretter mit Erfolgsbilanz: Sozialarbeiter Björn Steinhauer, Johanne Hannemann und Tobias Schulz mit den jetzt fest angestellten Mitarbeitern Stefan Rüdiger und Patric Behncke.

Vorwerker Diakonie und Bäckerei Junge ziehen positives Fazit für das Projekt Brotretter in Lübeck

shz.de von
14. September 2018, 15:09 Uhr

Im September 2016 eröffneten „Junge Die Bäckerei“ und die Vorwerker Diakonie gemeinsam das Brotretter-Geschäft in der Lübecker Holstenstraße. Seitdem werden hier Backwaren vom Vortag zu einem reduzierten Preis verkauft. Gleichzeitig
bietet das Geschäft Menschen, die sich in sozialer Not befanden, Arbeit und Unterstützung. Das Projekt war zunächst befristet. Jetzt steht fest: Es ist ein Erfolg und wird fortgesetzt.

„Wir helfen in unseren Beratungsstellen Menschen, deren Leben aus dem Tritt geraten ist“, sagt Johanne Hannemann, Geschäftsführerin der Vorwerker Diakonie. „Sie haben beispielsweise Wohnungslosigkeit, eine Suchtproblematik, eine psychische Erkrankung oder Gewalt erfahren und möchten nun ihr Leben wieder in den Griff bekommen und zurück in einen normalen Alltag finden.“ Das Brotfretter-Projekt kann Betroffenen dafür einen sicheren, geschützten Rahmen bieten. Das in Lübeck beheimatete Untenehmen „Junge Die Bäckerei“ stellt Geschäft, Backwaren und Knowhow zur Verfügung, die
Vorwerker Diakonie begleitet die Teilnehmer durch soziale Arbeit. „Unsere Klientinnen und Klienten merken durch ihre Tätigkeit im Verkauf bei den BrotRettern, dass sie gebraucht werden und etwas Sinnvolles leisten können – und das auch schaffen“, so Hannemann. „Das
gibt ihnen Selbstbewusstsein und neuen Lebensmut.“ Bereits zwei Teilnehmer sind bei den Brotrettern durchgestartet und inzwischen fest bei Junge angestellt. Patric Behncke erlebte im Jahr 2016 viele Schicksalsschläge. Erst verlor er am Ende der Probezeit seine Ausbildungsstelle an einer Tankstelle, dann ging eine Beziehung zu Bruch und schließlich verlor auch noch seine Wohnung. Bei den Brotrettern wurde er aufgefangen. Erst brachte ihn die Vorwerker Diakonie in einem Hotel unter, inzwischen hat er wieder eine eigene Wohnung. Im vergangenen Jahr hat er eine Lehre bei Junge begonnen.

„Trotz der Schwierigkeiten, die bei solch ambitionierten Projekt unvermeidlich sind, können wir mit Stolz sagen: Es läuft, die Ziele sind erreicht“, sagt Tobias Schulz, Geschäftsführer von Junge. Ihm sei es wichtig, ein klares Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Deshalb werden Brote vom Vortag für wenig Geld verkauft. Wirtschaftlich lohnt sich das Geschäft allerdings nicht. „Jährlich schießen wir einen hohen fünfstelligen Betrag hinzu“, so der Geschäftsführer: „Wir betrachten diese Initiative als Teil unserer sozialen Verantwortung.“

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