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Brahms ohne Bart: Institut erwirbt unbekanntes Foto

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger: „Die Fotografie ist eine kleine Sensation.“

von
erstellt am 07.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck hat in einem New Yorker Antiquariat eine bislang unbekannte Brahms-Fotografie erworben. Das Portrait zeigt Johannes Brahms als Mitte 30-Jährigen am Beginn seiner internationalen Karriere. Das Bild wurde in einem Bremer Atelier aufgenommen und wird auf 1868 datiert, dem Jahr, in dem Brahms mit der Uraufführung des Deutschen Requiem im Bremer Dom der Durchbruch gelang.

Das Bild in Form einer „Carte de visite“ ist im Atelier des jungen Bremer Fotografen Jean Baptiste Feilner entstanden. „Die Fotografie ist eine kleine Sensation, da sie in der Forschung bislang unbekannt ist. Unser Bild von Brahms bestimmen die dominierenden Altersfotografien. Der Komponist schaut da meist versonnen-melancholisch in die Kamera. Die Fotografie zeigt ihn dagegen selbstbewusst, in stehender Pose am Beginn seiner internationalen Karriere – und ganz ohne Bart“, sagt Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger.

Das Bild ergänzt den umfangreichen ikonografischen Bestand der Lübecker Sammlung, die via Internet weltweit zugänglich ist. Dazu gehören rund 50 Fotografien, die zwischen 1853 und Brahms’ Todesjahr 1897 aufgenommen wurden und zum großen Teil aus dem Nachlass des Komponisten stammen.

Jean Baptiste Feilner gehörte zu den bedeutendsten Portrait-Fotografen seiner Zeit, besonders begehrt waren seine Aufnahmen im Visitkarten- oder dem etwas größeren Kabinett-Format. Nach zahlreichen, zum Teil internationalen Prämierungen wurde er vom Oldenburger Erbgroßherzog Peter II. mit dem Titel des Hof-Photographen“ausgezeichnet.

Johannes Brahms hat sich nachweislich häufiger in Bremen aufgehalten. Schon mit 22 Jahren konzertierte er im Konzertsaal der Union mit Beethovens 5. Klavierkonzert und der Klavierphantasie op. 77. Sandberger: „Brahms wusste, wo es in Bremen schön ist: Er logierte meist im renommierten Haus Hillmann und aß gerne im Ratskeller. Dort feierte eine große Gesellschaft am Karfreitag 1868, dem Jahr aus dem das Foto mutmaßlich stammt, die Uraufführung des Deutschen Requiem.“ In ihrem Tagebucheintrag schwärmte Clara Schumann: „Es war wie ein Musikfest“

. Im November 1868 trat Brahms erneut in Bremen auf. Diesmal spielte er im „Concertsaal“ der Neuen Börse sein Klavierquartett A-dur op. 26, dessen Autograf ebenfalls zur kostbaren Sammlung gehört. Aus dieser Zeit besitzt das Lübecker Institut noch eine weitere Fotografie, auf der Brahms gemeinsam mit dem Bremer Musikdirektor Carl Reinthaler abgebildet ist. Weitere Informationen und Zugang zur Ikonografie über die Website des Brahms-Instituts www.brahms-institut.de.

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