75. Todestag der vier Lübecker Märtyrer : Bistumswallfahrt nach Lübeck: Mehr als 3300 Pilger erwartet

Die Ausstellung in der Gedenkstätte der Katholischen Propstei Herz Jesu in Lübeck beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken der vier Lübecker Märtyrer.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte der Katholischen Propstei Herz Jesu in Lübeck beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken der vier Lübecker Märtyrer.

Die vier Geistlichen protestierten gegen die Verbrechen der Nazis und bezahlten den Widerstand mit ihrem Leben.

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20. Juni 2018, 15:40 Uhr

Lübeck | Lübeck erwartet am Sonnabend (23. Juni) mehr als 3300 Pilger aus ganz Norddeutschland zu einer Wallfahrt des Erzbistums Hamburg. Anlass ist der 75. Todestag der vier Lübecker Märtyrer am 10. November dieses Jahres. Zum Gedenkjahr wird am 11. Oktober 2018 die Briefmarke „Lübecker Märtyrer“ bundesweit ausgegeben.

Programmangebote für Pilger
  • Mit dem Fahrrad von Hamburg nach Lübeck (etwa 80 Kilometer). Treffpunkt am 23. Juni um 7.30 Uhr vor dem St. Marien Dom in Hamburg. 
  • Zu Fuß von Herrnburg nach Lübeck (etwa acht Kilometer). Treffpunkt am 23. Juni um 9.15 Uhr am Bahnhof in Herrenburg vor dem Edeka Café.
  • Zu Fuß von Hamburg nach Lübeck (zweitägiger Fußweg). Treffpunkt am 22. Juni um 5 Uhr am Kleinen Michel.
  • Zu Fuß vom Kloster Nütschau nach Lübeck (etwa 38 Kilometer). Treffpunkt am 23. Juni um 7 Uhr an der Klosterkirche.
  • Zu Fuß von Ratzeburg nach Lübeck (etwa 25 Kilometer). Treffpunkt am 23. Juni um 9.30 Uhr am Bahnhof Ratzeburg.
  • Mit dem Kanu von Reinfeld auf der Trave. Treffpunkt am 23. Juni um 10 Uhr an der Raststätte Trave (A1 bei Reinfeld).

Zur Anmeldung geht es hier. Es bestehen Alters- und Teilnehmerbeschränkungen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen unter freiem Himmel werden die Gläubigen auf verschiedenen Pilgerwegen auf den Spuren der vier von den Nationalsozialisten hingerichteten Geistlichen durch Lübeck ziehen. Als Höhepunkt der Wallfahrt ist nach Angaben des Erzbistums am Nachmittag ein Festgottesdienst mit Erzbischof Stefan Heße auf der Freilichtbühne geplant. Am Ende der Feier wird Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) ein Grußwort sprechen. Nach Angaben eines Sprechers ist das die dritte Wallfahrt des gesamten Erzbistums und die erste nach Lübeck.

Das komplette Programm des Pilgertages – von der Parade über Konzerte und geistliche Erkundungsreisen – können Sie hier herunterladen.

 

Die drei katholischen Lübecker Priester Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert. Sie wurden deshalb 1943 vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern zum Tode verurteilt. Sie wurden am 10. November desselben Jahres im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis mit dem Fallbeil hingerichtet.

Die katholischen Priester waren an der Probsteikirche Herz Jesu in Lübeck tätig. Johannes Prassek war Kaplan, Eduar Müller Adjunkt und Hermann Lange Vikar. Karl Friedrich Stellbrink war Pastor der Lutherkirche. Die vier Geistlichen widersetzten sich dem Allmachtsanspruch der „Gleichschaltung“. Sie erkannten den unauflösbaren Widerspruch zwischen dem christlichen Glauben und der rassistischen, atheistischen Ideologie der Nationalsozialisten. Seit 1941 waren sie freundschaftlich verbunden und hatten als Vorbild den Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen. Sie schrieben die mutigen Predigten des Bischofs ab und verbreiteten sie. Sie überwanden die Grenzen der Konfessionen und fanden zu einem gemeinsamen Urteil und zu einem gemeinsamen Handeln.

So sprachen sie sich gegen die Aktion zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ aus, der Ermordung von unschuldigen Geisteskranken. Stellbrink sprach in seiner Predigt am Palmsonntag 1942, am Morgen nach der Bombardierung Lübecks durch die Alliierten, Gott habe mit mächtiger Stimme geredet und die Lübecker würden wieder lernen zu beten. Er wurde am 7. April 1942 verhaftet, da fälschlich wiedergegeben wurde, er habe von einem „Gottesgericht“ gesprochen. Ein Wort, das in seiner Predigt nicht vorkam. Prassek wurde am 18. Mai, Lange am 15. Juni und Müller am 22. Juni verhaftet. Der Prozess wurde ihnen ein Jahr später im Juni 1943 gemacht.

Die Lübecker Märtyrer: Die Kapläne Johannes Prassek (oben links), Eduard Müller (oben rechts), Hermann Lange (unten links) und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink.
dpa
Die Lübecker Märtyrer: Die Kapläne Johannes Prassek (oben links), Eduard Müller (oben rechts), Hermann Lange (unten links) und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink.
 

Der Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, schrieb ein Gnadengesuch für die katholischen Priester, das abgelehnt wurde. Stellbrink erhielt von der Landeskirche keine Unterstützung. Er wurde nach seiner Verurteilung aus dem kirchlichen Dienst entlassen.

Die Lübecker Geistlichen haben ihren Widerstand mit dem Leben bezahlt. Das Erzbistum Hamburg zitiert sie als „Zeugen einer anderen, besseren Welt in einer Welt des Unheils.“ Sie seien „Zeugen der Wahrheit gegen die Lüge, Zeugen der Menschenwürde gegen die Menschenverachtung, Zeugen des Glaubens in einer Zeit, in der Menschen selbstherrlich den Thron Gottes beanspruchen“.

Die drei katholischen Geistlichen sind am 25. Juni 2011 in Lübeck seliggesprochen worden. In einem Festgottesdienst vor der Propsteikirche Herz Jesu verlas der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, das Apostolische Schreiben des damaligen Papstes Benedikt XVI. Pastor Stellbrink wurde durch ein ehrendes Gedenken in die Feier einbezogen.

(mit dpa)

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