„Bin kein Zauberkünstler“

Jan Lindenau (SPD) mit der  Ernennungsurkunde. Seit dem 1. Mai ist der gebürtige Lübecker Bürgermeister der Hansestadt.
Jan Lindenau (SPD) mit der Ernennungsurkunde. Seit dem 1. Mai ist der gebürtige Lübecker Bürgermeister der Hansestadt.

100 Tage Bürgermeister Jan Lindenau in Lübeck: „Man kann in 100 Tagen nicht die Fehler von 30 Jahren ausbügeln“

shz.de von
20. August 2018, 14:47 Uhr

Seit gut 100 Tagen ist Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) im Amt. In dieser Zeit habe sich das politische Klima im Rathaus bereits spürbar verändert, sagte er: „Ich spüre eine große Bereitschaft zum sachlichen Dialog bei den harten Themen, die die Stadt zu bearbeiten hat“, betont Lindenau, der seit dem 1. Mai Chef der Stadtverwaltung ist. Beim Thema Haushaltspolitik verweist Lindenau auf seine neue Strategie: „Bei der Aufstellung des Haushaltes für 2019 fordere ich nicht nur Streichvorschläge, sondern auch Vorschläge für Investitionen, durch die wir Prozesse optimieren und dadurch Kosten sparen können.“

Die Hansestadt erwirtschaftet seit 2013 Überschüsse in zweistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig sitzt die Stadt auf einem Schuldenberg von 1,5 Milliarden Euro. Bereits vor seinem Amtsantritt hatte Lindenau angekündigt, die Überschüsse jeweils zur Hälfte für den Schuldenabbau und für Investitionen verwenden zu wollen.

Als weitere Erfolge seiner ersten 100 Tage zählt der neue Bürgermeister die Verbesserung des Bürgerservice, eine bessere zeitliche Verteilung der Brückensanierungen und die Lösung für die Dauerbaustelle Possehl-Brücke auf. Die Sanierung der viel befahrenen Straßenbrücke sollte eigentlich Anfang 2017 abgeschlossen sein, doch technische Probleme und juristische Auseinandersetzungen haben die Arbeiten bis heute verzögert. „Wir haben uns jetzt mit dem Bauunternehmen auf eine Fertigstellung bis November 2019 geeinigt. Das kostet uns zwar 15 Millionen statt der ursprünglich geplanten neun Millionen Euro, aber dafür wird ein Dauerärgernis für Autofahrer und Gewerbetreibende beseitigt“, sagt Lindenau. Mit 39 Jahren ist er der jüngste Bürgermeister in der 875-jährigen Geschichte Lübecks. Er setzt auf den Ausbau der digitalen Kommunikation und auf die Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg.

Eines der wichtigsten Vorhaben ist für ihn derzeit die Digitalisierung, bei der die Stadt hinterherhinkt. „Es geht nicht nur um die Modernisierung der Verwaltung, sondern auch um Stadtentwicklung und Lebensqualität, um nachhaltige Energieversorgung, gesünderes Wohnen und intelligente Verkehrs- und Transportsysteme“, erläutert er.

In seine Amtszeit fielen auch der mehrstündige Stromausfall in der Stadt im Mai und die Messerattacke in einem Linienbus mit zehn Verletzten im Juli. „Das sind natürlich Ereignisse, die man sich als Bürgermeister nicht wünscht“, sagt Lindenau. „Aber man hat natürlich auch dann eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich zu helfen, wo es nötig ist“, sagt er. „Natürlich gibt es noch viel zu tun, man kann nicht in 100 Tagen die Fehler der letzten 30 Jahre ausbügeln“, sagt Lindenau. „Aber die Lübecker haben schließlich keinen Zauberkünstler, sondern einen Bürgermeister gewählt und mir bleiben ja noch 2090 Tage.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen