Prozess in Lübeck : Axtmord in Reinbek: Angeklagter fühlte sich vom Geheimdienst verfolgt

Ein psychisch Kranker soll seinen Stiefvater mit einer Axt erschlagen haben. Vor Gericht schweigt er.

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16. Februar 2018, 21:09 Uhr

Lübeck | Mit einer Axt soll ein heute 32 Jahre alter Mann im August 2017 in Reinbek im Kreis Stormarn seinen Stiefvater getötet haben. Am Freitag begann in Lübeck das Sicherungsverfahren gegen den 32-Jährigen, der an paranoider Schizophrenie leidet und deshalb nicht schuldfähig ist. In dem Verfahren geht es deshalb nicht um eine Haftstrafe, sondern um eine Unterbringung in der forensischen Psychiatrie, einer Klinik für psychisch kranke Straftäter.

Begleitet von mehreren Pflegern und Justizwachtmeistern wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Er trägt Anstaltskleidung, ein grünes Sweatshirt, sein dunkelblondes Haar wirkt strähnig und ungepflegt, die Handschellen werden ihm nicht ab genommen. Als ihn der Richter nach Verlesung der Anklage fragt, ob er aussagen will, antwortet er knapp: „Nein.“ Dann sagt er nichts mehr, starrt nahezu regungslos vor sich hin.  Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 17. August 2017 den 65 Jahre alten Ehemann seiner Mutter im Garten seines Hauses getötet zu haben.

Mit der scharfen Seite einer Axt habe er mehrmals hinterrücks auf den Kopf des ahnungslosen Mannes eingeschlagen und ihm den Schädel zertrümmert, heißt es in der Anklage.  Als erster Zeuge wird ein Kriminalbeamter gehört. Er hatte den Beschuldigten am Tag nach seiner Festnahme vernommen. „Er berichtete mir, dass er am 15. August von Berlin nach Hamburg gefahren sei, um Freunde zu treffen. Als er die nicht angetroffen habe, habe er sich mehrere Tage am Allermöher See aufgehalten, wo er auch übernachtete und seinen Anzug gewaschen habe“, zitierte der Zeuge Aussagen des Angeklagten.

„Er bestritt, seinen Stiefvater getötet zu haben. Auch als wir ihn mit Videoaufnahmen aus dem S-Bahnhof Reinbek konfrontierten, die ihm am Tattag gegen 15.11 Uhr beim Besteigen eines Zuges zeigen, blieb er dabei, an dem Tag nicht in Reinbek gewesen zu sein“, sagte der Kriminalhauptkommissar vor Gericht.  Zu diesem Zeitpunkt war das Opfer nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bereits tot. Seine Ehefrau fand die Leiche im Garten, als sie gegen 19.30 Uhr nach Hause kam. Im Prozess sitzt die Ehefrau als Nebenklägerin ihrem Sohn gegenüber. Sie und ihre Tochter hatten nach eigenen Angaben bereits 2015 bemerkt, dass ihr Sohn und Bruder krank ist und in einer Parallelwelt lebt. Er berichtete davon, dass Geheimdienste ihn verfolgten und dass seine Familie „sein Gehirn verkauft habe“.

Auch in seinen Aussagen bei der Polizei nach seiner Festnahme berichtete er von angeblicher Verfolgung durch die Scientology-Sekte.„Auch seinen Stiefvater bezeichnete er als Scientologen“, sagte der Kriminalhauptkommissar am Freitag vor Gericht.  Ein Zielfahnder der Hamburger Polizei, der an der Festnahme beteiligt war, wurde am Freitag ebenfalls vor Gericht befragt. „Auf unsere Mitteilung, ihm werde ein Tötungsdelikt vorgeworfen, hat der Gesuchte sofort geantwortet, er habe niemanden totgeschlagen. Das ist mir

aufgefallen. Wir hatten nämlich noch gar nicht gesagt, wie das Opfer zu Tode gekommen ist“, sagte der Beamte.  Nach seiner Festnahme saß der 32-Jährige zunächst fast vier Monate lang in Lübeck in Untersuchungshaft. Seit dem 8. Dezember 2017 befindet er sich in einer psychiatrischen Klinik. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass von dem Angeklagten wegen seiner Krankheit weitere schwere Straftaten zu erwarten sind. Sollten die Gutachter im Prozess diese Einschätzung bestätigen, würde das Gericht ihn in den Maßregelvollzug einweisen. Der Prozess wird am 1. März fortgesetzt. Ein Urteil wird Ende März erwartet. 

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