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Autokauf per Visitenkarte – für viele ein Ärgernis

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Werbung auf der Scheibe: Die weit verbreitete Praxis ist gerichtlich verboten. Die Stadt Lübeck steht dem Treiben allerdings machtlos gegenüber, weil der Aufwand in keinem Verhältnis zum Erfolg stehe.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 18:00 Uhr

Das Auto ist neu, nagelneu um genau zu sein. Und trotzdem steckt eine kleine Karte an der Seitenscheibe. „Ankauf von Gebraucht-Fahrzeugen aller Art“, rund um die Uhr können die angegebenen Handynummern angerufen werden. Doch was als Info meist fehlt, ist ein Name oder eine Adresse des Absenders. Wer in und um Lübeck sein Auto parkt, erhält regelmäßig derartige Werbekärtchen im Visitenkartenformat. Die Ankäufer scheinen nicht wählerisch, nehmen auch Unfallwagen, Fahrzeuge mit hohem Kilometerständen oder solche mit Schäden.

Was viele – insbesondere diese Gebrauchtwagen-Händler – anscheinend nicht wissen: Das Ganze ist strafbar, denn im Jahr 2010 hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden, dass das Anbringen der bunten Visitenkarten eine „genehmigungspflichtige Sondernutzung“ öffentlicher Straßen darstellt. Während das Ganze beispielsweise in Hamburg ein Verstoß gegen das Wegegesetz darstellt und mit Bußgeldern bis zu 650 Euro geahndet werden kann, zieht Lübeck keinen für die Kärtchen-Flut zur Verantwortung. „Das bekommt man nicht in den Griff, die Aufdrucke der Kärtchen ändern sich ständig“, sagt Marc Langentepe. Ein „Kampf gegen Windmühlen“ sei es, so der Sprecher der Hansestadt weiter. Es gebe zwar immer wieder Beschwerden über die Visitenkarten-Werbung an Fahrzeugen, aber diese Form der Handzettel – in diese Kategorie der Werbung zählt Lübeck die Kärtchen- „gehöre zur Vielfalt einer Großstadt dazu“, sagt Langentepe. Dennoch er sich der rechtlichen Grauzone aber bewusst. „Streng genommen verstößt die Verteilung gegen die Werbenutzung der Stadt.“

Der Verwaltungsaufwand, die Werber zur Strecke zu bringen, stehe in keinem Verhältnis zum Erfolg, so Langentepe. So oder so, diese Händler haben ein miserables Image.

Expertenmeinung: „Ein und dieselbe Firma“

Eine Umfrage des Automobilclubs ADAC von 2010 hat ergeben, dass knapp 75 Prozent der Befragten unzufrieden mit Kaufangeboten per Visitenkarte waren. Bei vielen Autohändlern, die „wild“ werben, ist Vorsicht geboten. „Die Händler werden versuchen, hart zu feilschen“, weiß Christian Schäfer vom ADAC Hanse in Hamburg. Er kennt die Tricks. „Sehr häufig stecken hinter verschiedenen Karten ein und dieselbe Firma“, so der Leiter des Bereichs Technik und Verkehr. Ulrich Köster, Pressesprecher des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, empfiehlt, beim Gebrauchtwagengeschäft auf die Autohändler und Werkstätten der Kfz-Innungen zu setzen.



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