Unterkunft am Campus : Anwohner planen Klage gegen Flüchtlings-Einrichtung in Lübeck

Kiel, Lübeck und Flensburg sollen in Campusnähe Flüchtlingsheime einrichten. Doch in Lübeck regt sich Protest.
Kiel, Lübeck und Flensburg sollen in Campusnähe Flüchtlingsheime einrichten. Doch in Lübeck regt sich Protest.

Flüchtlinge mitten in einer gepflegten Wohnsiedlung? Da hält sich die Begeisterung der Lübecker in Grenzen.

shz.de von
05. Mai 2015, 13:34 Uhr

Lübeck | Gegen die geplante Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Lübeck regt sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative „Neue Heimat Bornkamp“ wirft dem Land und der Stadt mangelnde Informationen vor. Einige Mitglieder planen eine Klage gegen das Projekt, wie die „Lübecker Nachrichten“ in ihrer Dienstagsausgabe berichten. „Das ist aber nicht die Linie der Bürgerinitiative. Wir setzen weiter auf Gespräche mit dem Land und der Stadt Lübeck“, sagte Björn Runge, einer der Initiatoren der Bürgerinitiative.

In sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen werden die in SH angekommenen Flüchtlinge zunächst für etwa sechs Wochen untergebracht. Sie bekommen dort zunächst eine medizinische Untersuchung und erhalten Hilfe bei den Asylanträgen. Ziel ist es aber, die Menschen so bald wie möglich in Wohnungen auf das Land zu verteilen. Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Landes befindet sich in ehemaligen Kasernen in Neumünster und Boostedt. Schleswig-Holstein braucht etwa 3000 neue Erstaufnahme-Plätze, da die Kapazitäten in den bestehenden Einrichtungen nicht ausreichen.

Das Land plant in der Siedlung in der Nähe der Lübecker Universität eine Aufnahmeeinrichtung für 600 Flüchtlinge. „Wir können uns vorstellen, hier 50 bis 100 Flüchtlinge, vorzugsweise Familien, dauerhaft zu integrieren. Aber eine Massenunterkunft mit 600 Flüchtlingen, die alle paar Woche wechseln, lehnen wir ab“, sagte Runge.

In dem Neubaugebiet mit Reihen- und Einfamilienhäusern leben rund 1700 Menschen. Die Anwohner kritisieren unter anderem, dass die Stadt Lübeck nur rund um die Uni nach möglichen Standorten gesucht habe, um die Flüchtlingsunterkünfte später als Studentenwohnungen nutzen zu können. Das Argument hielten viele für nicht stichhaltig, sagte Runge. Für Mittwoch ist nach Runges Angaben ein erstes Gespräch zwischen Vertretern des Innenministeriums, der Hansestadt Lübeck und der Initiative geplant. Eine öffentliche Informationsveranstaltung soll voraussichtlich noch im Mai folgen.

Auch in Flensburg und Kiel sollen ähnliche Wohnheime in Uni-Nähe gebaut werden. Ende nächsten Jahres sollen in Kiel, Flensburg und Lübeck in Nähe der Hochschulen neue Erstaufnahmeheime für jeweils 600 Flüchtlinge bezugsfertig sein. Die Gesamtzahl der Plätze werde so auf 3200 steigen, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) am Donnerstag.

Für die Erstaufnahme in Flensburg sollen Wohnhäuser am Rande des gemeinsamen Hochschulcampus von Uni und FH errichtet werden. Sollten die Gebäude später nicht mehr für Asylbewerber benötigt werden, können dort Studenten wohnen. Bürgermeister Brüggemann wertete die Vereinbarung als klares Signal, dass die Stadt ihrer humanitären Aufgabe nachkomme.

Auch die Studenten der Kieler Universität unterstützen die Errichtung der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge auf dem Campus der Hochschule. „Wir stellen uns gemeinsam mit dem Präsidium und dem Innenministerium der gesellschaftlichen Aufgabe, die Geflüchteten bestmöglich unterzubringen, zu unterstützen und zu versorgen“, sagte die AStA-Vorsitzende Paulina Spiess. An der Uni studieren viele, die unterschiedliche Sprachen sprechen und mit verschiedenen Kulturen vertraut sind. Sie könnten auch Deutsch als Zweitsprache unterrichten.

(dpa)

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