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Video von 1996 : Anschlag auf Flüchtlingsheim in Lübeck: Was vor 20 Jahren passierte

vom

Zehn Flüchtlinge starben durch Brandstiftung. Die Hintergründe sind bis heute juristisch nicht geklärt. Ein Video zeigt die Szenen von damals.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 13:27 Uhr

 

In den Nachthimmel lodernde Flammen, verzweifelte Menschen, die in Todesangst aus Fenstern springen: Der 18. Januar 1996 ist als einer der schrecklichsten Tage der Geschichte in die Annalen der Hansestadt Lübeck eingegangen. Damals starben bei einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in der Hafenstraße zehn Menschen, darunter sechs Kinder. 38 Hausbewohner wurden zum Teil schwer verletzt. Mit einer Gedenkveranstaltung wollen die Hansestadt und Flüchtlingsorganisationen am Montag an den 20. Jahrestag der größten Brandkatastrophe in Lübeck seit 1945 erinnern.

Heute erinnert vieles wieder an die Situation und Stimmung der 1990er Jahre: Wieder gibt es Anschläge auf Asylunterkünfte, wieder wird deutlich, dass Rassismus noch immer tief in der Gesellschaft verankert ist.

Die genauen Hintergründe des verheerenden Brandes sind bis heute unklar. Fest steht nur, dass das Feuer im ersten Stock des Hauses gelegt wurde. Doch wer die Brandstifter waren - Hausbewohner, wie die Staatsanwaltschaft vermutete oder Täter mit ausländerfeindlichem Hintergrund, wie vor allem linke Gruppen und Flüchtlingsorganisationen glauben - ist juristisch nie geklärt worden.

Zwei Tage nach dem Brand wurde ein Hausbewohner unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er wurde wegen besonders schwerer Brandstiftung angeklagt, später jedoch von zwei Gerichten - dem Landgericht Lübeck im Juni 1997 und dem Landgericht Kiel im November 1999 - freigesprochen. Der junge Libanese war in Verdacht geraten, weil er zu einem Sanitäter, der in der Brandnacht seine Verletzungen behandelte, gesagt haben soll: „Wir waren's.“ Im Prozess sagte er dagegen aus, er habe mit den Worten „Die waren's“ ausländerfeindliche Täter gemeint.

Tatsächlich hatte die Polizei noch in der Brandnacht vier der rechten Szene zugerechnete junge Männer aus Mecklenburg-Vorpommern festgenommen, die am Brandort aufgefallen waren. Sie wurden einen Tag später wieder laufen gelassen. Trotz versengter Haarspitzen und Augenbrauen habe es keinen Anfangsverdacht gegen sie gegeben, hieß es damals. In den folgenden Monaten sorgten die Männer noch mehrmals für Aufsehen, weil sie Geständnisse ablegten, diese dann aber wieder zurückzogen.

Die Prozesse waren von Anfang an auch ein Politikum. Vor allem linke Gruppen warfen der Justiz vor, einseitig ermittelt und Beweise für einen ausländerfeindlichen Anschlag unterdrückt zu haben. Tatsächlich gab es eine Reihe von Ermittlungspannen. So wurden Beweisstücke nicht gesichert und wenig plausibel erscheinende Aussagen der Männer aus Mecklenburg-Vorpommern kaum hinterfragt. Andere Prozessbeobachter äußerten die Vermutung, die Hausbewohner hätten durch ihre Aussagen den Verdacht von der Hausgemeinschaft ablenken wollen.

Bei der Gedenkveranstaltung am Montagabend am Mahnmal für die Opfer des Brandes soll Innensenator Bernd Möller (Grüne) für die Hansestadt Lübeck einen Kranz niederlegen. Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Bürgermeister Bernd Saxe (beide SPD) seien aus Termingründen verhindert, teilte die Stadt mit.

 

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