zur Navigation springen
Lübeck

24. September 2017 | 01:47 Uhr

Airport meldet Insolvenz an

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Ende des Wirbels um den Flughafen: Das Amtsgericht hat gestern die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 11:03 Uhr

Paukenschlag in Lübeck: Der Flughafen Blankensee hat Insolvenz angemeldet. Die Lage am Airport bleibt somit auch gut eine Woche nach dem überraschenden Eigentümerwechsel unübersichtlich, denn: „Trotz verschiedener Versuche von verschiedener Seite – Stadt, Land, Mitarbeiter – gibt es weder zum ausgeschiedenen Alt-Eigentümer noch zu den neuen Eigentümern irgend einen Kontakt“, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) gestern. Sogar Briefe seien als „unzustellbar“ vom neuen Airport-Eigner Adam Wagner zurückgekommen.

Es sei jetzt ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden, sagte gestern eine Sprecherin des Amtsgerichts Lübeck. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Hamburger Anwalt Professor Klaus Pannen bestellt worden. Beantragt hat die Insolvenz Siegmar Weegen (49, Foto), der am Dienstag zum Notgeschäftsführer berufen worden war. Weegen war seit Oktober 2013 Flughafen-Chef und Ende März aus gesundheitlichen Gründen von diesem Posten zurückgetreten. In den kommenden Wochen muss nun der vorläufige Insolvenzverwalter prüfen, ob und wie der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Saxe glaube, dass in einem Insolvenzverfahren auch ein Stück Hoffnung sein könne. Mit Weegen habe jetzt wieder jemand die Führung übernommen, der das Unternehmen kenne und wisse, was zu tun ist. „Das beendet die Krise nicht, aber gibt Handlungsfähigkeit zurück.“

Unterdessen wird die Kritik am Bürgermeister immer lauter. Denn gestern wurde bekannt, dass der Investor des Flughafens der Stadt weiteres Geld schuldet. Dabei handelt es sich um eine Vorschusszahlung auf die Baugenehmigungsgebühr für ein geplantes Glasfaserwerk in Höhe von rund 45 000 Euro. Seit sechs Monaten steht außerdem Pacht aus – etwa 189 000 Euro. Gegenüber den Fraktionsvorsitzenden hatte Saxe in der vergangenen Woche noch von zwei ausstehenden Monatseinnahmen gesprochen. Andreas Zander, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, spricht von einer „bewussten Täuschung der politischen Gremien“, von einem „unverantwortlichen Verhalten des Bürgermeisters“ und von „seiner alleinigen Schuld an der Misere des Flughafens“. Durch das Ausbleiben der Pachtraten hätten sich nach sechs Monaten Sonderkündigungsrechte der Hansestadt gegenüber dem Investor ergeben, so Zander. „Ob diese wahrgenommen werden, könne und dürfe der Bürgermeister nicht alleine entscheiden.“

Ausbleibende Zahlungen bezeichnete auch Grünen-Chef Thorsten Fürter als „Alarmsignal“, die Linke wirft Saxe ebenfalls vor, dass er „die Anzeichen für Amars unlauteres Geschäftsgebaren“ längst hätte erkennen müssen.

Die weiterhin im Raum stehende Forderung eines Rücktritts – CDU-Chef Zander hatte ihm dieses in der vergangenen Woche nahegelegt – lehnt Saxe indes weiterhin ab.

In der vergangenen Woche hatten sich die Ereignisse rund um einen der ältesten Flugplätze Deutschlands überschlagen: Der bisherige Eigentümer, der ägyptische Investor Mohamad Rady Amar, hatte seine Anteile an der 3-Y-Logistic und Projektbetreuung GmbH verkauft – der Muttergesellschaft der „Yasmina Flughafenmanagement GmbH“, die den Lübecker Flughafen seit 1. Januar 2013 betreibt. Neuer Inhaber und gleichzeitig Geschäftsführer der „Yasmina“ ist der Berliner Geschäftsmann Adam Wagner. Beide waren zuletzt nicht mehr zu erreichen gewesen.

Der Flughafenbetrieb laufe zurzeit normal, die Mitarbeiter kämen zur Arbeit, sagte gestern Airport-Sprecherin Jana Bahrenhop. Die Stimmung sei aber „ein bisschen gedrückt“. Die Mitarbeiter bekommen durch die Eröffnung des Verfahrens Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.

Dass Lübeck den Flughafen wieder in Eigenregie führt, hält Saxe für unwahrscheinlich. Und auch das Land würde nicht helfen, das hatte bereits Wirtschaftsminister Reinhard Meyer in der vergangenen Woche in Lübeck angekündigt. Es gebe keine rechtliche Verpflichtung, den Betrieb zu übernehmen, sagte gestern ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Er verwies zudem auf den Koalitionsvertrag. Dort heißt es: „Der Verkehrsflughafen für Schleswig-Holstein ist Hamburg.“

Eine Sondersitzung des Hauptausschusses zum Thema Flughafen ist am kommenden Dienstag eingeplant. Ob jetzt einer der beim Flughafenverkauf Ende 2012 unterlegenen Bieter zum Zuge kommen könnte, ist ungewiss.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen