zur Navigation springen

Nach Skandal 2014 : ADAC entscheidet in Lübeck über seine Zukunft

vom

Mit gefälschten Abstimmungen hat der ADAC Ansehen verspielt. In Lübeck steht ein Reformkurs zur Abstimmung. Doch es gibt Gegenwind.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2016 | 10:52 Uhr

Lübeck | 2014 war ein schwarzes Jahr für den größten Autoclub Deutschlands. Der ADAC geriet in die tiefste Krise seiner Geschichte. Der Skandal um die Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ erschütterten den ganzen Verein und seine Unternehmen. Zwei Jahre danach steht am Samstag auf der Hauptversammlung die Neuausrichtung des Autofahrerclubs auf der Tagesordnung der rund 190 Delegierten.

 

ADAC-Präsident August Markl will Deutschlands größten Verein transparenter aufstellen und den Vereins strikt von den wirtschaftlichen Aktivitäten trennen, um den Vereinsstatus des ADAC zu erhalten. Der von Markls Vorgänger Peter Meyer geleitete ADAC Nordrhein will dagegen die alte Struktur erhalten. Die Abstimmung ist für den Nachmittag geplant.

Fragen und Antworten zum Thema:

Was hat sich seit dem Skandal 2014 geändert?

Der damalige ADAC-Präsident Peter Meyer, der Schatzmeister, der Geschäftsführer, der Chefjurist und der Chefredakteur der ADAC-Zeitschrift "Motorwelt" nahmen ihren Hut. Markl brachte zusammen mit einem unabhängigen Beirat eine Reform auf den Weg, der die Hauptversammlung Ende 2014 einstimmig zustimmte.

Danach beschränkt sich der Verein künftig auf Pannenhilfe, technische und touristische Beratung für die 19 Millionen Mitglieder und den Motorsport. Zu verkehrspolitischen Fragen wie Maut oder Tempolimit meldet sich der ADAC nur noch zu Wort, wenn er zuvor die Meinung der Mitglieder erkundet hat.

Die 18 Regionalvereine und der Dachverband ADAC e.V. in München haben sich Compliance-Regeln verpasst. Verbraucherschutz und Kommerz wurden getrennt, das gleichzeitige Testen und Verkaufen von Kindersitzen oder Schneeketten wurde abgestellt.

Was soll mit dem ADAC-Konzern passieren?

ADAC-Firmen verkaufen Versicherungen, Fährtickets, Autobatterien und Kreditkarten, vermieten Autos und verlegen Zeitschriften. Diese Unternehmen sind in einer GmbH zusammengefasst, die 2014 gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 104 Millionen Euro Gewinn erzielt hat.

Bei der GmbH haben ehrenamtliche ADAC-Funktionäre aus der Zentrale und den Regionalvereinen das Sagen. Jetzt soll die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, mit einem weisungsunabhängigen Vorstand, der von einem unabhängigen, nicht ADAC-dominierten Aufsichtsrat kontrolliert wird.

Außerdem soll der ADAC e.V. 25,1 Prozent der Aktienanteile an eine neue, gemeinnützige Stiftung abtreten, die sich um Luftrettung, Verkehrsopfer und Unfallforschung kümmert und von einem ebenfalls unabhängigen Stiftungsrat kontrolliert wird.

Wie begründet die neue ADAC-Führung die Aufspaltung?

Markl sagt, die transparente Struktur und klare Aufteilung helfe, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Und der ADAC werde rechtssicher aufgestellt. Denn das Registergericht München prüft, ob der ADAC seinen Vereinsstatus mit Steuervorteilen noch zu Recht hat.

Was sagen die Gegner des Reformplans?

Meyer ist weiterhin Präsident des größten Regionalclubs, des ADAC Nordrhein. Dieser kritisiert, mit der Aufteilung würde der Verein "jeglichen Einfluss auf die ADAC-Stiftung und die wirtschaftlichen Aktivitäten verlieren". Weil "es Zweifel gibt, ob dieses Modell mit allen Konsequenzen durchdacht ist", holte er zwei Gutachten ein. ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm kritisiere, die Aufteilung entziehe den ADAC-Mitgliedern Vereinsvermögen.

Was sagen die Befürworter?

Der Beirat, dem unter anderem der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier angehörte, lobte den Reformkurs. Er sei "gewissenhaft, konsequent und nachhaltig vorangetrieben" worden. Die "Trennung des eingetragenen Vereins von den wirtschaftlichen Aktivitäten ist nötig, um den Vereinsstatus zu bewahren."

Wie stehen die Chancen?

Markl sagt, es gebe keine Alternative. Die neue ADAC-Spitze besuchte die Regionalvereine und warb für die Reform. Große Regionalclubs wie Niedersachsen/Sachsen-Anhalt oder Hessen-Thüringen oder sprechen sich klar dafür aus. Inzwischen rechnet man nicht nur in der Zentrale mit einer klaren Zustimmung in Lübeck. Der ADAC Nordrhein erklärte, sollte dort "ein gültiger Beschluss gefasst werden, wäre dieser hinzunehmen und umzusetzen".

Wie geht es bei einem positiven Votum weiter?

Wenn die Hauptversammlung zustimmt, wechseln in Kürze rund 1000 Mitarbeiter vom Verein zur Aktiengesellschaft oder umgekehrt. Spätestens zum Jahresende soll der Umbau abgeschlossen sein.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen