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Flughafen Lübeck-Blankensee : Abgetauchter Investor - ein Firmen-Bestatter?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit seinem Wirbel um Verkauf, unbezahlte Rechnungen, Insolvenz und dem Interesse der Staatsanwaltschaft ist der Flughafen Lübeck inzwischen zu internationalem Ruhm gelangt. Vom Eigentümer fehlt weiter jede Spur.

Lübeck | Der Ex-Investor: abgetaucht; der Geschäftsführer: unauffindbar; der Prokurist: unbekannt. Gerade nahm sich das ARD-Magazin Panorama des Falls mit einer deutsch-polnischen Recherche an. So wenig dem Airport ein Flug in die schwarzen Zahlen gelungen ist, so rätselhaft sind die Männer und ihre Geschichten im Hintergrund.

Der Blick von außen legt das absurde Theater an der Trave bloß. In der Lübecker Verwaltung hatte man sich schon daran gewöhnt, dass der private Flughafen-Betreiber quasi von Anfang an in Sachen Pacht und Miete ein säumiger Kunde war, dass er schon nach einem Jahr den für einen symbolischen Euro von Lübeck erworbenen Airport weiter verkaufte, dass er ebenso wie der neue Besitzer, ein gewisser Adam Wagner, für niemanden aus Lübeck zu greifen war, dass Post nicht zugestellt werden konnte, Rufnummern sich als falsch herausstellten. Neugierig hatte sich das Panorama-Team auf den Weg gemacht und folgte der Spur des letzten eingetragenen Airport-Eigentümers Adam Wagner über Berlin-Lichtenberg nach Polen, wo man zwar von ihm wusste, aber keine Telefonnummer nennen konnte. Auch der anonym befragte Prokurist zeigte sich ahnungslos. Längst liegt der Verdacht nahe, dass in Lübeck eine sogenannte illegale Firmenbestattung angegangen werden sollte – mit einem guten Ende für die Bestatter und einem bösen für das Unternehmen. Die eingeleitete Insolvenz hat das bislang verhindert.

Engagierte Befürworter hatte der Flughafen genug, dies zeigte sich insbesondere im Bürgerentscheid von 2010, bei dem 67,4 Prozent von 54.636 Wählenden „ja“ zum Airport sagten. Einer der Initiatoren war Thomas Schalies. Bereut er sein Engagement? „Nein“, sagt er. „Die Stadt steht nach allem, was öffentlich bekannt ist, trotz des bislang enttäuschenden Verlaufs der Privatisierung besser da als vor dem Bürgerentscheid, denn es drohen auch im Falle einer Einstellung des Flugbetriebes wesentlich geringere finanzielle Lasten als vorher.“

Bürgermeister Bernd Saxe, in dieser Sache von nahezu allen Seiten unter Beschuss, hat für Schalies einen guten Job gemacht: „Er hat alles vermieden, was den sogenannten Investor hätte veranlassen können, seine bis zum 31. Dezember 2013 bestehende Rücktrittsoption auszuüben.“ Wie lächerlich hat sich Lübeck mit dem Rady Amar-Deal gemacht? Schalies: „Scheinbar sprach aus damaliger Sicht auch nach den Bonitätsprüfungen alles für diesen Investor. Ich sehe deshalb nicht, dass sich Bürgerschaft oder Verwaltung mit dem Deal sonderlich blamiert hätten.“

Ob der Flughafen Lübeck überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat, vermag Schalies heute nicht mehr mit einem klaren Ja zu beantworten. „Ganz offenbar haben sich die Rahmenbedingungen für Regionalflughäfen seit dem Bürgerentscheid spürbar verschlechtert, wie man auch an der Entwicklung der Fluggastzahlen in Lübeck (2009 rund 698.000; 2013 rund 367.000, d. Red.) sieht. Andererseits wären hoch subventionierte Regionalairports wie Rostock froh, wenn sie ähnliche Zahlen hätten. Eine Chance und zugleich Existenzberechtigung kann der Lübecker Flughafen nur dann haben, wenn sich ein privater Investor mit branchenspezifischen Kenntnissen und Verbindungen findet. Darüber, dass die hoch verschuldete Hansestadt Lübeck den Flughafen nicht selbst betreiben kann, bestand von Anfang an innerhalb der Stadt Einigkeit.“

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