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Lübeck

12. Dezember 2017 | 06:08 Uhr

70 Prozent mehr Kirchenaustritte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg will dem Negativtrend mit Aufklärung in Sachen Steuern entgegen wirken

Im ersten Halbjahr sind in Lübeck 664 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Das sind 68,53 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Grund ist eine angebliche neue Steuer“, mutmaßt Pröpstin Petra Kallies und setzt jetzt auf Aufklärung: „Die Steuer wird nicht erhöht und es gibt auch keine neue Abgabe.“

Eigentlich ist es nichts Neues: Auf Kapitalerträge müssen seit vielen Jahren Steuern gezahlt werden, auch die Kirchensteuer. Neun Prozent sind es, die Kirchenmitglieder abführen müssen. Neu ist seit Beginn des Jahres der Weg, auf dem die Steuer entrichtet wird. Die Banken führen sie jetzt zusammen mit der Kapitalertragssteuer direkt an das Finanzamt ab. „Viele Menschen nehmen diese Änderung aber zum Anlass, der Kirche den Rücken zu kehren. Auch im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg sind seit Beginn des Jahres deutlich mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten als im vorangegangenen Zeitraum“, so Pröpstin Kallies. Im ersten Halbjahr 2014 waren es in der Propstei Lübeck knapp 70 Prozent mehr.

„Ich hatte Besuch von einem alten Herrn. Er ist mit nun 78 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Dabei war er sein ganzes Leben lang eng mit ihr verbunden. Das neue Verfahren fand er unmöglich. Zusammen mit dem Rat seines Steuerberaters, auszutreten, hat er den Entschluss umgesetzt“, nennt Petra Kallies ein Beispiel für die Menschen, die der Kirche den Rücken kehren.

Bei vielen sei es vielleicht auch das Gefühl, die Kirchen im Allgemeinen scheinen nicht genug zu bekommen. Dabei sei die innere Verbundenheit laut der aktuellen EKD-Mitgliederstudie hoch. Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung sowie die diakonische Arbeit erfahren weiterhin hohe Akzeptanz und regen Zuspruch.

„Wir wollen nicht dabei zusehen, wie uns die Menschen den Rücken kehren“, sagt Pröpstin Petra Kallies und wirbt dafür, Kirche auch wieder jenseits der Steuer zu sehen. „Unsere Gesellschaft braucht eine verbindliche Glaubensgemeinschaft, die im Krisenfall Halt gibt, die Werte vermittelt und Hoffnung weiterträgt, die über dieses Leben hinausgeht. Das kann man sich nicht allein zusprechen“, so Kallies.

Kindertagesstätten, Altenpflege, Seelsorge, Kultur, Baudenkmäler: Das alles seien nur ein paar Beispiele für die kirchliche Arbeit, die über die Kirchensteuer finanziert werden.

Rund 80 Prozent der Kirchensteuer-Beträge verbleiben im Kirchenkreis. 2014 sind das im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg rund 22 Millionen Euro. Sie teilen sich in zwei große Blöcke auf: 70 Prozent, also mehr als zwei Drittel, gehen in die Kirchengemeinden, knapp die Hälfte davon entfällt auf die Pfarrbesoldung. 34 Prozent sind für die Gemeindearbeit vor Ort, 8,5 Prozent für Sonderbaumaßnahmen in den Gemeinden und 6,5 Prozent für die Arbeit in den Kindertagesstätten.

Der zweite Block umfasst knapp ein Drittel des gesamten Kirchenkreisanteils: 30 Prozent kommen den Kirchenmitgliedern durch das übergemeindliche Tun zu
gute. Davon bleibt gut die Hälfte in der Verwaltung: Dazu gehören die Bereiche Finanz-, Personal- und Bauverwaltung für die Kirchengemeinden, aber auch die juristische Beratung und Sachbearbeitung bei Verträgen aller Art.

Ein Drittel entfällt auf die Dienste und Werke, dazu gehören im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg auch die Gemeindediakonie Lübeck und das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg. 15 Prozent sind für die Leitung des Kirchenkreises vorgesehen. Damit sind die Aufgaben und Arbeitsfelder der geistlichen Leitung gemeint, die in Lübeck-Lauenburg durch zwei Pröpstinnen vertreten wird. Auch die Kosten der Verwaltungsleitung werden aus diesem Topf beglichen.

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