Bundespolizei in Lübeck : 24-jähriger Zeuge landet fast selbst in der Zelle

Ein junger Mann ist als Zeuge eines Raubes geladen und macht eine Aussage. Dabei stellen die Beamten jedoch etwas fest.

shz.de von
21. Mai 2015, 14:56 Uhr

Lübeck | Ein Mann war am Dienstag zu einer Zeugenbefragung in einem Strafverfahren in die Räume der Bundespolizei in Hamburg geladen worden. Am Ende wäre er jedoch fast selbst in einer Zelle gelandet. Was war passiert?

Der in Hamburg wohnende 24-Jährige konnte und wollte durch seine Aussage als Zeuge zur Aufklärung eines Raubes beitragen. Während der Befragung erwähnte der junge Mann gegenüber den Ermittlern der Bundespolizei immer wieder, wie wichtig es für ihn sei, die Polizei in Deutschland bei ihrer Arbeit zu unterstützen, da er doch selber auch ein gesetzestreuer Bürger sei. Die Ermittler notierten die Aussagen des 24-Jährigen, füllten die entsprechenden Formulare aus, die der junge Rumäne dann auch unterschrieb.

Dann allerdings legten ihm die Bundespolizisten ein weiteres Schriftstück vor, das den jungen Mann dann erst einmal „die Sprache verlieren“ ließ: Einen Vollstreckungshaftbefehl. Er war wegen „Erschleichens von Leistungen“ – also wegen Schwarzfahrens – in insgesamt 31 Fällen zur Zahlung einer Geldstrafe von 808 Euro verurteilt worden. Da der 24-Jährige die Strafe bisher nicht bezahlt hatte, wurde vor einer Woche ein Haftbefehl zur Strafvollstreckung erlassen. Der Mann hatte nun zwei Alternativen. Hier und jetzt zu bezahlen oder ersatzweise einen 90-tägigen Gefängnisaufenthalt zu genießen.

Der 24-Jährige sprach kurz mit einem Bekannten, der ihn begleitet hatte. Dieser kam kurze Zeit später mit den erforderlichen 808 Euro zurück.

Der Hamburger, dessen positive Stimmung sich nur kurzfristig verändert hatte, gelobte Besserung und verabschiedete sich aus der Dienststelle der Bundespolizei mit den Worten „...bis zum nächsten Mal.“ Ob er damit die nächste Zeugenbefragung oder den nächsten Vollstreckungshaftbefehl meinte, bleibt offen.

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