Tiere : Wellness-Wald für Bären

Dushi läuft auf drei Pfoten. Wo sie sich die vierte verletzt hat, wissen die Tierpfleger nicht.
Dushi läuft auf drei Pfoten. Wo sie sich die vierte verletzt hat, wissen die Tierpfleger nicht.

Eine Zuflucht für gestresste Tiere ist der Bärenwald Müritz. Seine Bewohner hatten es oft nicht leicht, bevor sie hierher kamen.

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22. Juli 2020, 18:46 Uhr

Stuer | Der Pfad am Zaun entlang ist ganz ausgetreten. Dushi läuft dort hin und her, immer wieder hin und her von ihrer Ruhehöhle bis in die Ecke des Geheges und zurück. Das ist anstrengend für die Braunbärin, denn sie läuft nur auf drei Beinen. Wie sie ihre Vorderpfote verloren hat, weiß niemand.

Aber die Tierpflegerinnen wissen, dass die Bärin jahrelang in einem zu kleinen Käfig in einem Safari-Park in Albanien gelebt und dort sehr gelitten hat. Dushi ist noch immer gestresst davon. Sie tut einem leid, denn eigentlich ist dies der Ort, wo sie endlich zur Ruhe kommen könnte, der Bärenwald Müritz bei Stuer in Mecklenburg-Vorpommern. Dushi sollte sich an diesem warmen Sommertag lieber im Wasserbecken abkühlen, aber sie läuft weiter hin und her.

Sicherheit geht vor

Mitarbeiter der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ haben Dushi im letzten Jahr aus der Gefangenschaft befreit und hierhergebracht. Für den Transport in einer großen Kiste wurde sie natürlich betäubt, denn Bären sind Wildtiere und beim Umgang mit den Tieren geht die Sicherheit vor. Die Tierpflegerinnen haben keinen direkten Kontakt mit den Bären. Wenn sie Futter verstecken oder das Gehege reinigen, sind die Bären abgetrennt in einem Vorgehege.

Im Bärenwald können die Tiere entscheiden, ob sie sich den Menschen zeigen oder sich lieber im Wald verkriechen.
BÄRENWALD Müritz/Thomas Oppermann
Im Bärenwald können die Tiere entscheiden, ob sie sich den Menschen zeigen oder sich lieber im Wald verkriechen.
 

Neben Dushi wohnt Luna. Sie liegt etwas versteckt hinter Büschen im Halbschatten und wirkt überhaupt nicht wild oder gefährlich, sondern eher wie ein riesiger Teddybär. Ihr hellbraunes, dickes Fell sieht kuschelweich aus, am liebsten würde man sie streicheln. Luna ist die jüngste Bärin im Bärenwald. Sie war nur wenige Monate alt, als sie von ihrer Mutter getrennt wurde. Bei Stress saugt sie deshalb noch immer an ihren Pfoten. Als Bärenjunges lebte Luna in einem albanischen Vergnügungspark und war dort ständig Besuchern und Lärm ausgesetzt.

Wie fühlt sich Bärenstress an?

Wie sich das anfühlt, können Besucher des Bärenwalds in einer Art Tunnel nachempfinden. Eine Augenbinde verdunkelt alles. Einzige Orientierung bietet ein Handlauf. Daran muss man sich vortasten, stößt an Gitterstäbe und hört Geräusche, die man nicht einordnen kann. So erleben Bären die Gefangenschaft. Das ist beängstigend. Plötzlich ruft eine laute, helle Kinderstimme: „Guck mal ein Bär!“ Das erschreckt die Bären genauso wie Menschen.

Balou ist der größte

Zurzeit leben fünfzehn Braunbären im Bärenwald Müritz. Sie alle wurden früher sehr schlecht behandelt. Jetzt können sie sich erholen, bekommen Futter und wenn nötig Medikamente.

Balou ist der größte Bär im Bärenwald. Wie sein Namensvetter aus dem Dschungelbuch badet der große Bär gern im Teich..
Bärenwald Müritz/Maria Andresen
Balou ist der größte Bär im Bärenwald. Wie sein Namensvetter aus dem Dschungelbuch badet der große Bär gern im Teich..
 

Balou hat ein Gehege für sich allein. Er ist einer der größten Bären, die hier beschützt werden. Seine Retter haben ihn vor acht Jahren zusammen mit seinem Vater Siggi aus einem Wildgehege in Hellenthal herausgeholt. Dort gab es keine Grünflächen, und er konnte sich nirgendwo verstecken.

Mensch oder Bär – Wer ist hinter dem Zaun?

Man muss schon genau schauen, um den großen Bären jetzt in seinem Gehege zu entdecken. Er liegt versteckt in einer Mulde, hebt ab und zu seinen riesigen Kopf und guckt neugierig, wer da am Zaun steht. Es kommt einem so vor, als wenn hier die Menschen hinter den Zäunen sind und nicht die Bären. Die können in ihren weitläufigen Gehegen tun und lassen, was sie wollen.

Pavle ist heute faul und kuschelt sich in den Waldboden.
BÄRENWALD Müritz/Thomas Oppermann
Pavle ist heute faul und kuschelt sich in den Waldboden.
 

Der Rundgang durch den Bärenwald führt an der Schaufutterküche, an Spiel- und Picknick-Plätzen vorbei, man kann sich im Labyrinth verlaufen, Bären-Memory spielen und ganz viel über Bären erfahren. In Deutschland gibt es schon lange keine wildlebenden Braunbären mehr. Sie werden aber noch als Zoo- und Zirkusattraktionen oder eben als Haustiere gehalten. Das ist auch in Deutschland sogar noch erlaubt, doch es gibt Vorschriften, wie Bären in Zoos und privat zu halten sind. Bären sind Einzelgänger und brauchen Rückzugsmöglichkeiten.

Tapsi hat eine Möhre gefunden. Im Bärenwald gibt es keine Schau-Fütterungen, sondern die Tiere suchen sich das Futter, das die Pfleger für sie verstecken.
Bärenwald Müritz/Maria Andresen
Tapsi hat eine Möhre gefunden. Im Bärenwald gibt es keine Schau-Fütterungen, sondern die Tiere suchen sich das Futter, das die Pfleger für sie verstecken.
 

Das hügelige Gelände des Bärenwalds ist etwa so groß wie 16 Fußballfelder, in den Gehegen sind Badebecken oder Teiche angelegt. Die Bären haben genug Platz, um im Wald zu verschwinden. Mit Geduld und etwas Glück kann man die Wildtiere aber beim Baden, Klettern oder Sonnen beobachten – streicheln geht natürlich nicht.

> Informationen über den Bärenwald Müritz findest du unter www.baerenwald-mueritz.de.


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