Coronakrise : Schule in zwei Schichten

Ludwig und Theodor gehen in Kopenhagen zur deutschen Schule.
Ludwig und Theodor gehen in Kopenhagen zur deutschen Schule.

In Dänemark hat der Unterricht schon wieder begonnen. Doch für Ludwig und Theodor in Kopenhagen hat sich viel verändert.

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17. April 2020, 19:27 Uhr

Kiel/Kopenhagen | In Schleswig-Holstein geht der Unterricht nächste Woche erstmal weiter wie vor den Ferien: Die Schüler bleiben zu Hause und warten auf Aufgaben von den Lehrern. Nur die Schüler, die jetzt einen Abschluss nach der neunten oder zehnten Klasse machen oder das Abitur, werden ihre Schule in dieser Woche wieder von innen sehen.

In Dänemark sieht es ganz anders aus. Dort sind es nicht die ältesten, sondern die jüngsten, die seit Mittwoch schon wieder Unterricht haben: Kindergärten und Grundschulen von Klasse 1 bis 5 dürfen wieder öffnen.

Bei unseren Nachbarn im Norden ist der Coronavirus natürlich aber auch ein Problem. Deshalb ist jetzt vieles anders als zuvor.

Theodor (11) und Ludwig (9) gehen seit Januar auf die deutsche Schule in Kopenhagen. Sie sind aus Hamburg in die dänischen Hauptstadt gezogen, weil ihre Eltern dort arbeiten. Die Stadt gefällt ihnen gut. Theodor mag besonders die schönen Häuser. „Die Dänen haben so eine tolle Architektur, auch die Schulen sind so toll gebaut“, findet er.

Als ihre Schule wegen Corona geschlossen wurde, fanden die beiden Jungen das sowohl gut als auch schlecht. „Wir hatten mehr Zeit zum Ausschlafen und zum Spielen“, sagt Ludwig. Aber sie haben auch ihre Freunde vermisst, die sie ja gerade erst gefunden hatten. Theodor versteht sich gut mit Leo. „Der ist ziemlich nett und hilft mir oft, wenn ich etwas auf Dänisch nicht verstehe“, erzählt er.

Smørrebrød heißt das Butterbrot in Dänemark. Die sind etwas Besonderes, richtige kleine Kunstwerke.
AdobeStock / Kristina Rütten

Smørrebrød heißt das Butterbrot in Dänemark. Die sind etwas Besonderes, richtige kleine Kunstwerke.

 

Die Sprache können sie bisher nämlich nur ein bisschen. Ludwig hat aber schon ein dänisches Lieblingswort: Smørrebrød. Das sind Butterbrote, die aber wie richtige Kunstwerke aussehen. Zum Essen mag er aber lieber Æbleskiver, das sind runde Pfannkuchen.

Æbleskiver sind leckere, runde Pfannkuchen.
AdobeStock

Æbleskiver sind leckere, runde Pfannkuchen.

 

Ludwigs Freunde heißen Bob und Thor. Zwischendurch haben sie telefoniert, doch es ist schöner, sich jetzt in der Schule wieder zu sehen.

Auch das Lernen ist in der Schule besser, findet Theodor. Von einem normalen Schulalltag sind aber auch die Schüler in Dänemark noch weit entfernt. Damit sie sich nicht gegenseitig mit Viren anstecken, mussten die Schulen umbauen. Die Tische stehen jetzt zwei Meter voneinander entfernt.

Damit genug Platz ist, wurden die Klassen zweigeteilt. Sie haben jetzt in zwei Schichten Unterricht. Ludwig hat morgens vier Stunden. Theodor startet um 12.05 Uhr. „Das ist cool, da kann ich ausschlafen und ganz entspannt zur Schule gehen“, sagt der Elfjährige. Blöd findet er aber, dass es keinen Sportunterricht gibt. Wegen der kürzeren Schulzeit haben sie nur Kernfächer wie Deutsch, Englisch, Mathe und Bio.

In der ersten Schulwoche lernten sie vor allem, wie sie in der Schule Abstand halten, und wie sie sich jetzt immer die Hände waschen sollen. Es gibt mehr Pausen als sonst, denn die Schulen werden wegen der Ansteckungsgefahr zwischendurch geputzt. „Wir sind jetzt viel mehr draußen“, freut sich Ludwig. Aber ein bisschen mulmig ist ihm trotzdem, denn schließlich ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, ja immer noch nicht vorbei.

Auch in der U-Bahn, die hier Metro genannt wird, ist es nicht möglich, immer zwei Meter Abstand zu halten. Deshalb fahren sie jetzt öfter mit dem Auto zur Schule. Dabei ist die Kopenhagener Metro so cool. „Die fährt unter der Stadt und sogar unter dem Meer hindurch“, erzählt Theo. Und weil die Metro führerlos fährt, kann man ganz vorne sitzen.

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