Leute : Lily Allen singt gegen Hassattacken

Lily Allen setzt klare Regeln für ihre Töchter – weil sie als Kind zu viele Freiheiten hatte.
Lily Allen setzt klare Regeln für ihre Töchter – weil sie als Kind zu viele Freiheiten hatte.

Lieber miteinander reden, als in sozialen Medien schimpfen – das fordert die Sängerin im Kina-Interview.

shz.de von
08. Juni 2018, 01:06 Uhr

Mit einem strahlenden Lächeln betritt die Sängerin Lily Allen den Konferenzraum ihrer Berliner Plattenfirma. Sie ist ganz in Schwarz gekleidet. Ihre Haare sind rosa getönt. Im Gespräch ist die 33-Jährige entwaffnend ehrlich. Auch auf ihrer CD „No Shame“, die Pop mit Reggae verwebt, macht sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Ihre Songs zu hören – das ist, als würde man in ihrem Tagebuch lesen. Die Britin erzählt vom Scheitern ihrer Ehe oder von ihren Kindern.

Lily, in den sozialen Medien wirst du manchmal angegriffen. Haben diese Hassattacken das Lied „Come on“ inspiriert?
Ja. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn jemand meine Musik oder meine politischen Ideen kritisiert. Aber keiner hat das Recht, mich auf persönlicher Ebene zu beleidigen.

Fühlst du dich bei Twitter oder Instagram oft missverstanden?
Durchaus. Teilweise verstehe ich auch etwas falsch, was andere posten. Was Internetkommunikation so schwierig macht: Wir können keinen Gesichtsausdruck sehen. Ich denke, wir sollten häufiger persönlich miteinander reden.

Wie machst du das deinen beiden Töchtern klar?
Sie dürfen ihre Tablets nur im Auto oder abends benutzen. Ebenso ist Fernsehen gucken tagsüber tabu.

Haben dir deine Eltern auch klare Regeln gesetzt?
Nein. Meine Eltern waren meistens nicht da, weil sie hart gearbeitet haben. Ich war mir also selbst überlassen.

Wie war das für dich?
Auf der einen Seite hatte ich enorme Freiheiten, auf der anderen Seite war ich total undiszipliniert und habe mit 15 die Schule geschmissen.

Um Musikerin zu werden?
Ich wusste überhaupt nicht, was ich beruflich machen wollte. In der Schule habe ich gesungen und bekam dafür viel Lob. Also begann ich, meine Songs bei MySpace einzustellen. So hat sich meine Musikkarriere ganz natürlich entwickelt.

Heute machen Teenager bei Casting-Shows wie „The Voice“ mit, um berühmt zu werden. Was hältst du davon?
Ich kann es verstehen. Allerdings glaube ich nicht, dass der Ruhm für die Jugendlichen an erster Stelle steht. Sie wollen reich werden. Wenn sie begreifen würden, dass ein Arzt wahrscheinlich mehr verdient als ein Sänger, würde es wohl den Großteil der Kids gar nicht in die Musikbranche ziehen.

 

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