Sommerferien : Linas Fahrt durchs Wattenmeer

So hoch waren die Sturmfluten: Die Ringe zeigen, dass Lina hier einen Rettungsring gebraucht hätte.
So hoch waren die Sturmfluten: Die Ringe zeigen, dass Lina hier einen Rettungsring gebraucht hätte.

Eine Kina-Reporterin entdeckt die Landschaft, in der Menschen auf Warften leben und Seehunde sich nicht stören lassen.

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23. Juli 2019, 16:02 Uhr

Wyk/Hooge | ,Da ist ein Seehund!", ruft ein Kind, und kurz darauf stürzen sämtliche Passagiere der Hauke Haien an die Reling. Trotz des kühlen Wetters ist der Ausflugsdampfer gut besucht.

Mit der „Hauke Haien“ fahren Lina und ihre Familie übers Wattenmeer.
Lina Florescu
Mit der „Hauke Haien“ fahren Lina und ihre Familie übers Wattenmeer.
 

Seehund-Sandbank kommt in Sicht

Ferngläser und Fotoapparate werden gezückt, und alle Augen richten sich auf den schwarz-grauen Kopf des jungen Seehunds, der durch die Wellen taucht. Nun können die Seehundsbänke nicht mehr weit sein. Fast sieht es so aus, als führe der Seehund uns zu seinen Kameraden, doch kurz vorher taucht er in die Tiefen der Nordsee ab. Das ist aber weiter nicht schlimm, denn schon bald können wir in der Ferne eine helle Sandbank erkennen, die sich vom dunklen Wasser abhebt.

Kapitän Bernd Diedrichsen stellt den Motor runter und bittet alle, leise zu sein. So schippern wir langsam an den Seehunden vorbei. Dicht beisammen liegen 40 Jung- und Alttiere träge auf der Sandbank. Dass sie dabei von uns beobachtet werden, stört die Seehunde ganz und gar nicht. Sie schauen nur mit ihren großen, dunklen Augen zu uns herüber. Noch ein zweites Mal fahren wir an der Sandbank vorbei, und nehmen wieder Kurs auf die Halligen.

Auf der Brücke des Schiffs „Hauke Haien“ reden Lina und ihr Bruder Leon (10) mit Kapitän Bernd Diedrichsen übers Halligleben.
Lina Florescu
Auf der Brücke des Schiffs „Hauke Haien“ reden Lina und ihr Bruder Leon (10) mit Kapitän Bernd Diedrichsen übers Halligleben.
 

107 Menschen und rund 500 Tiere

Bald schon geraten die Seehunde fast in Vergessenheit, als der hundert Jahre alte Leuchtturm von Langeneß in Sicht kommt. Insgesamt gibt es zehn Halligen in der Nordsee. Langeneß ist mit 956 Hektar die größte, dicht gefolgt von Hallig Hooge, unserem Ziel. Auf Hooge leben 107 Menschen und etwa 500 Tiere. Überall ist es angenehm ruhig, doch wenn der Ausflugsdampfer anlegt, kommt für kurze Zeit reges Leben auf die Hallig.

 Fotos: Lina Florescu
Fotos: Lina Florescu
 

Hallig Hooge ist auch die Heimat unseres Kapitäns Bernd Diedrichsen, der seinen Beruf schon seit 31 Jahren ausübt. Er erzählt mir, dass er die innerliche Freiheit braucht, die er spürt, wenn er aus seinem Küchenfenster auf die Weiten des Watts schaut. Schon von Kindheit an sei er mit der Schifffahrt aufgewachsen. ,,Entweder wird man hier Landwirt oder Fischer!", lacht er. Er wurde Kapitän. Er hat auch schon die schlimme Sturmflut von 1976 miterlebt. Hallig Hooge werde jedes Jahr sechs bis acht Mal überschwemmt. ,,Bei jeder Sturmflut wird mir klar, wie klein der Mensch eigentlich ist“, sagt Bernd Diedrichsen. Zum Glück sind Sturmfluten im Sommer sehr selten.#

Im Sturmflutenkino

Trotzdem will ich wissen, wie die Hallig bei Landunter aussieht, und besuche das Sturmflutkino auf der Hauptwarft. Dort kann ich wirklich gut die Gewalten des Meeres nachempfinden. Beeindruckend ist für mich, wie aus dem im Moment friedlichen Ort, an dem ich gerade stehe, eine einsame Insel umgeben von tosenden Wellen werden kann. Wenn es zu einer Sturmflut kommt, ragen nur noch die Warften, die Hügel, auf denen die Häuser gebaut sind, aus dem Wasser. Bis dahin müssen Menschen, Vieh und Autos in Sicherheit gebracht werden. Deshalb wurden schon vor einigen Jahren neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Bernd Diedrichsen ist sich aber sicher, dass die Häuser auch ohne die neuen Ringdeiche sicher seien, da selbst die höchste Sturmflut vor einigen Jahren nicht die Häuser weggespült hat.

Mit dem Pferdefuhrwerk fahren wir über die Hallig.
Lina Florescu
Mit dem Pferdefuhrwerk fahren wir über die Hallig.
 

Auf Hallig Hooge gibt es kaum Autos. Am besten kommen wir hier in einem kleinen, gemütlichen Pferdefuhrwerk voran. Eine Sehenswürdigkeit ist die im 17. Jahrhundert erbaute Kirche. Sie wurde mit Materialien gebaut, die von anderen Kirchen stammten, die 1634 von einer großen Sturmflut zerstört wurden. Selbst der Altar wurde vom Meer angespült. Unter den Bänken sind nur Sand und Muscheln, damit das Wasser bei einer Sturmflut schneller ablaufen kann.

Spät abends fahren wir mit der Hauke Haien dann wieder in unseren Heimathafen Wyk auf Föhr zurück.

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