Tiere : Geheimnisvolle Pferdchen

Seepferdchen sind eigentlich Fische, aber sie schwimmen aufgerichtet.
Seepferdchen sind eigentlich Fische, aber sie schwimmen aufgerichtet.

Seepferdchen erscheinen wie Wesen aus einer anderen Welt. Warum ist das so?

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07. Januar 2020, 14:37 Uhr

Berlin | Der Kopf und der Nacken ähneln dem eines Pferdes. Doch statt eines Mauls haben sie einen Rüssel. Der Rumpf sieht aus wie bei einer Echse, bei einem Wurm oder gar einem Drachen. Die Rede ist von Seepferdchen! Seepferdchen leben in vielen Meeren der Welt.

Man findet sie oft dort, wo es etwas wärmer ist, etwa vor der Küste von Südamerika oder Australien. Aber auch bei uns in der Nordsee schwimmen einige umher – wie Fische. „Kein Wunder, Seepferdchen sind ja auch Fische“, stellt Marco Hasselmann klar. Er ist Chef eines großen Aquariums in Berlin.

Seepferdchen können sich mit ihren Schwänzen festhalten.
Philipp Brandstädter/dpa
Seepferdchen können sich mit ihren Schwänzen festhalten.
 

Die Tiere gehören zur Familie der Seenadeln, das sind kleine, schlanke Fische. Nur schwimmen Seepferdchen im Gegensatz zu anderen Seenadeln aufrecht.

Forscher vermuten: Vor vielen Millionen Jahren passten sie sich so an ihre Umwelt an. Damals veränderte sich das Meer nämlich in einer großen Region. „Der Meeresboden hob sich“, erklärt Marco Hasselmann. „Dadurch kam mehr Sonnenlicht auf den Grund, so dass dort Pflanzen wuchsen.“ Wiesen von Seegras entstanden.

Gut geschützt im Seegras

Die Seepferdchen nutzten das Seegras als Tarnung. Dort waren sie vor Raubtieren geschützt und konnten auch selber besser jagen, ohne gesehen zu werden. Da das Seegras aufrecht wächst, waren die aufrecht schwimmenden Fische besonders gut getarnt, erklärt der Fachmann. Um dabei nicht immer nur nach oben zu schauen, wurde es ein Vorteil, den Kopf abzuknicken. Zudem verwandelte sich die Schwanzflosse in einen Greifschwanz. So konnten sich die Tiere sich am Seegras festhalten.

Auf der Lauer

Bis heute warten sie oft im Gras auf ihre Beute. „Seepferdchen sind sogenannte Lauerjäger“, sagt Herr Hasselmann. „Sie warten reglos zwischen den Pflanzen versteckt, bis ihnen ein Beutetier vor das Maul schwimmt.“ Kommt etwa eine kleine Garnele in ihre Nähe, öffnen sie blitzschnell ihre röhrenförmige Schnauze und saugen sie ein.

Mit ihrer Schwanzflosse klammern sich Seepferdchen an Pflanzen fest und warten darauf, dass Futter vorbeischwimmt.
Philipp Brandstädter/dpa
Mit ihrer Schwanzflosse klammern sich Seepferdchen an Pflanzen fest und warten darauf, dass Futter vorbeischwimmt.
 

Heute gibt es mehrere Arten von Seepferdchen. Manche von ihnen sind nur wenige Millimeter klein. So bieten ihnen Korallen ein prima Versteck. Andere Arten werden an die 30 Zentimeter groß. Das ist etwa so lang wie ein großes Lineal.

Gelb, grün, braun, gepunktet und gekrönt

So wie Seegras in vielen Farben wächst, schweben Seepferdchen etwa in Gelb, Grün, Braun und Schwarz durchs Wasser. Viele haben Punkte und andere tolle Muster, einige tragen zur Tarnung sogenannte Kronen auf dem Kopf. Andere Seepferdchen haben stachelige Dornen und Hornplatten ausgebildet. Die machen sie für Raubtiere fast ungenießbar. Seepferdchen können also sehr unterschiedlich aussehen. „Trotzdem gehören manchmal gelbe Seepferdchen zur selben Art wie braune“, sagt der Experte. Auch das macht es für Forscher schwierig, die Lebensweise der faszinierenden Fische zu verstehen.

Im Multimar Wattforum in Tönning kannst du Seepferdchen aus der Nähe sehen – dort haben sie ein eigenes Aquarium.

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