Buchtipp : Geheime Weltsprache

Wiebke Colmorgen zeigt an der Karte in der Niederdeutschen Bibliothek: Plattdeutsch war mal eine Weltsprache. Heute ist sie eher eine Geheimsprache – aber eine, die viele Menschen lieben.
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Wiebke Colmorgen zeigt an der Karte in der Niederdeutschen Bibliothek: Plattdeutsch war mal eine Weltsprache. Heute ist sie eher eine Geheimsprache – aber eine, die viele Menschen lieben.

Ein Buch zum Singen und Plattdeutsch lernen

shz.de von
04. November 2018, 18:56 Uhr

 
Ina Reinhart
 
Es gab eine Zeit, da konnte man in Schleswig-Holstein aufs Schiff steigen, nach Norwegen, England, Schweden oder Estland segeln, und dort mit anderen Menschen auf Plattdeutsch handeln. „Im Ostseeraum war Plattdeutsch so etwas wie eine Weltsprache“, sagt Ulrike Möller. Doch heute gibt es nur noch wenige Menschen, die Platt reden. Doch Ulrike Möller gehört zu den Menschen, die sich für die Sprache einsetzen. Sie ist Leiterin der niederdeutschen Bibliothek in Hamburg. Hier macht es Spaß, zu stöbern, denn die Räume sind hell und freundlich gestaltet – und im Keller gibt es Regale voller Bücher, einige schon alt und verstaubt, andere brandneu und ganz aktuell.

Auch viele schöne Kinderbücher sind hier zu finden. Das neueste in der Sammlung kommt auch aus Hamburg – und es ist nicht nur ein Buch. Für „Plattkinner“ hat Wiebke Colmorgen Liedertexte auf Platt geschrieben und deshalb ist auch eine CD mit dabei. Warum schreibt die Hamburgerin gerade Lieder in einer alten Sprache? „Ich bin zweisprachig aufgewachsen – wie viele Kinder heute auch“, erzählt Wiebke Colmorgen. Zu Hause, auf dem Bauernhof der Eltern, sprach sie meistens Platt, in der Schule Hochdeutsch. „Das war für mich ganz normal.“

Wiebke Colmorgen, Hardy Kayser: „Plattkinner: Neue plattdeutsche Songs für Hamburg und den Norden“. 48 Seiten. 19,90 Euro. Verlag: Junius Junior.

Wiebke Colmorgen, Hardy Kayser: „Plattkinner: Neue plattdeutsche Songs für Hamburg und den Norden“. 48 Seiten. 19,90 Euro. Verlag: Junius Junior.

Jetzt arbeitet die Musikerin, Autorin und Sprachförderkraft im Kindergarten auch mit vielen Kindern, die mehrsprachig aufwachsen – mit Türkisch, Russisch, Englisch oder anderen Sprachen. „Da tauschen wir uns viel aus. Ich lerne Wörter aus anderen Sprachen. Und von mir lernen die Kinder manchmal auch plattdeutsche Wörter.“ Das ist für sie so etwas wie eine gemeinsame Geheimsprache, hört sich so schön gemütlich an, nicht so ernst. Wiebke Colmorgen möchte diese freundliche Sprache weitergeben – und dabei hilft ihr Buch. Die Texte sind zum Mit- und Nachsingen mit Noten abgedruckt. Dazu gibt es zu jedem Lied eine Übersetzung ins Hochdeutsche. Und dann noch viele Worterklärungen mit Bildern – eine Art Bilder-Wörterbuch.

Die Musik hat Hardy Kayser komponiert, den Wiebke Colmorgen schon seit ihrer Kindheit kennt. Gemeinsam haben sie die CD aufgenommen – mit modernen Melodien, auch mal ein bisschen rockig.

Das Buch ist so gut gelungen, dass es am Wochenende einen Preis bekommen hat: „Plattkinner“ wurde als das „Plattdeutsche Buch des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

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