Reportage : Ganz schön verdrahtet

Nach der Operation fiel das Lachen noch schwer – jetzt aber nicht mehr!
Nach der Operation fiel das Lachen noch schwer – jetzt aber nicht mehr!

Nike hat eine Zahnspange bekommen und berichtet vom Röntgen bis zur Anpassung, wie sie das Ganze erlebt hat.

shz.de von
20. August 2018, 17:43 Uhr

Stellt euch vor, ihr geht zu einer Kontrolle zum Zahnarzt und werdet dann zum Kieferorthopäden geschickt...

Vor der Operation
Nach dem Röntgen erklärte mir mein Kieferorthopäde, dass mir bei einer Vollnarkose sechs Zähne gezogen werden müssten. Die Lücken müssten danach mit einer Zahnspange geschlossen werden. Das konnte ich nachvollziehen, gefallen hat es mir aber trotzdem nicht.
Die Vorstellung einer Zahnspange fand ich eigentlich cool – für mich war es ein modisches Accessoire. Dann aber begann die Uhr zu ticken: In einigen Tagen sollte die Operation bereits sein!


Am Tag der Operation
Ich war sehr aufgeregt. Im Wartezimmer schmierte man mir eine betäubende Salbe auf den Handrücken und in die Armbeuge. Dort sollte ein kleiner Schlauch eingeführt werden, durch den dann später die eigentliche Betäubung gespritzt wurde.
Danach bekam ich eine Tablette, durch die mir alles egal und leicht schwindelig wurde. In einem Bett wurde ich in den Vorraum des Operationssaales geschoben. Dort zog ich einen grünen Kittel an.
Ab da waren meine Erinnerungen weg. Ich weiß nur noch, dass mein Blutdruck gemessen wurde, jemand mir Sensoren auf den Brustkorb klebte und der Schlauch in meine Hand eingeführt wurde. Ich kann mich leider auch nicht daran erinnern, wie ich aufwachte. Aber mir wurde erzählt, dass ich mich zwei Stunden lang in Narkose befunden hatte. Wie in einer Endlosschleife, hatte ich immer wieder gefragt, wann es denn endlich losgehen würde.
Meine Erinnerung setzte erst wieder ein, als ich in einem Raum lag und sich gefühlt drei Liter Blut in meinem Mund befanden. Ziemlich eklig! Ich erinnere mich, dass ich noch eine weitere Stunde überwacht wurde, bevor ich nach Hause gehen durfte.

Die Ärzte und Schwestern waren die ganze Zeit super nett.

Nach der Operation
Nach dem Eingriff fühlte ich mich wie ein in Watte gebetteter Hamster. Ein Blick in den Spiegel bestätigte dies. Meine Wangen waren nicht nur dick, sondern auch blau. Glücklicherweise musste ich keine Menschen treffen! Reden konnte ich sofort. Mit Lachen oder Lächeln hatte ich größere Probleme! Mein Essen beschränkte sich vorerst auf Wassereis, Babybrei, rote Grütze und Schmerzmittel. Brot musste ich in ganz kleine Stücke schneiden. Zum Glück wurde das jeden Tag besser, so dass auch meine Wangen abschwollen.

Jetzt musste ich „nur“ noch den Klammeranpassungstermin eine Woche später überleben.
Ich hoffte sehnlichst, dass mein Zombiegesicht sich bis dahin wieder der Normalität anpassen würde. Je schneller dahin, desto schneller davon. Ich wollte nämlich bis zum Beginn der Schule genug Zeit haben, neu sprechen zu lernen.

Die Klammeranpassung
Plötzlich war der Tag gekommen. Ich bekam zwei weiße Teile in den Mund, die ihn aufhielten, damit meine Lippen nicht zu nah aneinander kommen konnten. Zusätzlich bekam ich auch noch eine ,,Zungengarage“, damit meine Zunge nicht im Weg war. Nach zwei Stunden war ich endlich durch. Ich bekam noch zwei spezielle Zahnbürsten, die ich für die Zahnpflege brauchte.

Ich habe mir die Anpassung immer schmerzhafter vorgestellt. Viele meiner Freunde hatten mir gesagt, dass es schmerzhaft werden würde. Es war zwar unangenehm, aber wirklich weh tat es nicht!

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