Workshop-Woche & Konzerte : Freunde finden mit Musik

Martins spricht Lettisch und Englisch – am liebsten bringt er aber das Marimbaphon zum Klingen.
Mārtiņš spricht Lettisch und Englisch – am liebsten bringt er aber das Marimbaphon zum Klingen.

Mārtiņš aus Lettland musiziert auf dem Jugendhof Scheersberg im Kreis Schleswig-Flensburg mit Menschen aus ganz Europa.

Kina-Reporterin Nike von
17. April 2019, 19:35 Uhr

Steinbergkirche | Die Trommeln klingen, das Becken schlägt und vom Nebenzimmer ertönt der zarte Ton einer Klarinette. Die Teilnehmer der Deutsch-Skandinavischen Musikwoche, kurz DSM, haben sich schon daran gewöhnt. Der jüngste unter ihnen ist der 13-jährige Percussionist Mārtiņš Starostnieks aus Lettland. Percussions oder Schlagwerke nennt man die Instrumente, die Mārtiņš spielen kann – Pauken und Trommeln, aber auch melodische Schlagwerke vom Glockenspiel bis zum Marimbaphon.

Gemeinsam mit seinen Lehrern Pauls und Normunds aus Lettland und mit Maximilian (25) aus Münster und Ivar (19) aus Stockholm studiert Mārtiņš Stücke für die Konzerte ein. Dabei kombinieren sie auch mal klassische Stücke mit moderner Musik – zum Beispiel von Star-DJ Avicii, der wie Ivar aus Schweden stammt.

Mārtiņš hat in seinem Heimatland schon mehrere Preise gewonnen und damit die Chance bekommen, seine Ferien auf dem Scheersberg zu verbringen. Aber warte mal: Lettland gehört doch gar nicht zu Skandinavien? „Was vor 57 Jahren als Deutsch-Skandinavische Musikwoche begann, hat sich inzwischen zu einem europäischen Projekt entwickelt“, sagt Jonas Siewertsen, Leiter der DSM. Das bedeutet, dass inzwischen jede Nation aus Europa willkommen ist und dass den 13-Jährigen nur noch sein Alter von der Teilnahme abhalten könnte. Doch obwohl die DSM eigentlich erst ab 16 Jahren ist, ist keine Magie im Spiel, sondern Percussions-Dozent Pauls Andersons. Der möchte Mārtiņš’ großes Talent fördern – und weil er seit über 20 Jahren an der DSM teilnimmt, weiß er, dass man hier eine Menge lernen kann – und dabei viel Spaß hat.

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Ina Reinhart

Mārtiņš’ Tage auf dem Scheersberg sind sehr voll. Deshalb steht er schon um 7.30 Uhr auf, um vor dem anstrengenden Tag noch ein paar Yogaübungen zu machen, bevor es dann um 8 Uhr Frühstück gibt. Die erste Probe beginnt um 9.30 Uhr und dauert ganze drei Stunden lang. Danach ist Mittagessen. Am Nachmittag ist dann noch die Hauptprobe, bevor es um 18 Uhr Abendessen gibt. Wer denkt, dass dann endlich Ruhe einkehrt, hat sich geschnitten, denn ab da wird nochmal geprobt. Manchmal sogar bis Mitternacht.

Nach so einem anstrengenden Tag ist das frühe Aufstehen Mārtiņš' persönlicher Flop. „Aber die Proben für die Schlagwerker sind das auf jeden Fall wert“, sagt der Junge aus Lettland. Und die Konzerte sind natürlich Highlights. Beim ersten Hauskonzert am Dienstagabend spielte Mārtiņš schon ein Solo – eines seiner Lieblingsstücke, den „Dance of the Witches“ von Eckhard Kopetzki. Wir durften schon bei der Probe dabei sein:

Nach der Aufführung gab es riesigen Applaus. Donnerstagabend ist das nächste Hauskonzert um 20 Uhr auf dem Scheersberg. Für die großen Konzerte, am Ostersonntag um 17 Uhr in der Christkirche in Rendsburg und Ostermontag um 19 Uhr auf dem Scheersberg proben die Percussionisten aber auch Stücke mit den anderen Musikern. Von der Violine bis zum Kontrabass, von der Querflöte bis zur Trompete, von der Harfe bis zum Klavier sind hier alle klassischen Instrumente vertreten, dazu kommen noch rund 40 Sänger unter den 125 Teilnehmern.

Und auch wenn alle verschiedene Sprachen sprechen, findet Mārtiņš unter ihnen viele neue Freunde, weil sie alle die Sprache der Musik sprechen.

Infos zu den Konzerten und zum Kartenvorverkauf gibt es hier.

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