Meere schützen : Forschen gegen Plastikmüll in den Ozeanen

Gwanyoung und Sally Dengg sehen nach den Plastikproben an der Geomar-Brücke.

Gwanyoung und Sally Dengg sehen nach den Plastikproben an der Geomar-Brücke.

Können Bakterien Kunststoffe auffressen? Das wollen Schüler im Kieler Geomar-Institut rausfinden.

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26. Juli 2020, 17:18 Uhr

Kiel | Plastik in den Meeren ist ein Problem für alle Lebewesen, die darin leben. Deshalb forschen Wissenschaftler daran, wie man verhindern kann, dass noch mehr davon in den Ozeanen landet.

Anissa und die Meeresbiologin Sally Dengg holen die Proben aus dem Wasser der Kieler Förde.
Michael Ruff
Anissa und die Meeresbiologin Sally Dengg holen die Proben aus dem Wasser der Kieler Förde.
 

Anissa und Gwanyoung helfen ihnen dabei. Die beiden 15-Jährigen gehören zum Freitagsforscherclub des Meeresforschungsinsituts Geomar in Kiel. In Corona-Zeiten forscht der Club nur in Zweierteams. Aber Anissa und Gwanyoung kannten sich schon, bevor sie im Februar zum Forscherclub kamen, verstehen sich prima und sind begeisterte Meeresforscher. „Schließlich leben wir zwischen Nord- und Ostsee, da ist es doch klar, dass wir uns dafür interessieren“, meint Anissa.

Die Probenröhrchen.
Michael Ruff
Im Labor werden die Proben in Röhrchen gesammelt und dann untersucht.
 

Gwanyoung möchte gern an Jugend forscht teilnehmen. „Und zu Hause hat man ja nicht so eine Ausrüstung wie hier im Institut“, erklärt er seine Beweggründe. Außerdem stehen den jungen Forschern hier Wissenschaftler wie die Meeresbiologin Sally Soria-Dengg und der Meeresphysiker Joachim Dengg zur Seite.

Der Mikrobiologe Erik Borchert arbeitet mit an dem Projekt Plastisea. Er testet die DNA der Proben, die Anissa und Gwanyoung entnehmen.
Michael Ruff
Der Mikrobiologe Erik Borchert arbeitet mit an dem Projekt Plastisea. Er testet die DNA der Proben, die Anissa und Gwanyoung entnehmen.
 

Etwas für die Umwelt zu tun, motiviert die beiden zusätzlich. Und genau dafür ist das Forschungsprojekt „Plastisea“ da. Drei Jahre lang erforschen Wissenschaftler in Kiel, Hamburg, Aachen und Düsseldorf gemeinsam in dem Projekt. Der Mikrobiologe Erik Borchert arbeitet im Geomar daran und freut sich über die Hilfe der Jugendlichen.

Unter dem Mikroskop schaut Anissa, wie sich die Proben verändert haben.
Michael Ruff
Unter dem Mikroskop schaut Anissa, wie sich die Proben verändert haben.
 

Anissa und Gwanyoung haben zunächst sechs Gitter aus verschiedenen Plastiksorten hergestellt. Zuerst haben sie die Oberflächenspannung an den Kunststoffstücken untersucht.

Nach einer Woche werden die ersten Proben auseinandergeschnitten.
Michael Ruff

Nach einer Woche werden die ersten Proben auseinandergeschnitten.

 

Auf jedes Stück gaben sie einen Tropfen Wasser und fotografierten ihn dann von der Seite. Je kugelförmiger der Tropfen bleibt, desto wasserabweisender (hydrophob in der Sprache der Wissenschaftler) ist er.

Gwanyoung untersucht sie im Labor.
Michael Ruff
Gwanyoung untersucht die Proben im Labor.
 

Dann hängten sie alle Probengitter an der Forschungsbrücke des Geomar ins Wasser. Jeden Freitag holen sie nun ein Gitter ins Labor und schauen, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Sie wollen herausfinden, ob Bakterien die Plastikflächen angreifen. Denn die Wissenschaft weiß bisher noch wenig darüber, ob Bakterien Plastik zersetzen können. Wenn das gelingt, wäre es möglich, sie in Kläranlagen einzusetzen und so dafür zu sorgen, dass weniger Mikroplastik in die Umwelt gerät.

Anissa und Gwanyoung messen die Oberflächenspannung, testen den Sauerstoffverbrauch und geben einige Proben in Röhrchen, damit Erik Borchert uns seine Kollegen vom Plastisea-Projekt in Hochsicherheits-Laboren die DNA untersuchen können. Ob sie damit am Ende des Projekts zur Lösung des Plastikproblems beitragen können, weiß noch niemand, so ist das in der Forschung. Aber vielleicht ist gerade dieses Projekt ein wichtiger Schritt.

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