Kina-Reporter : Familientag auf Schloss Gottorf: Janne und Jojo auf Zeitreise

Was wurde wohl in diesem Topf gekocht? Janne und Jojo auf Entdeckungstour im Schloss.
Was wurde wohl in diesem Topf gekocht? Janne und Jojo auf Entdeckungstour im Schloss.

Viel zu entdecken: Am 23. Februar ist auf Schloss Gottorf Familientag. Zwei Kina-Reporterinnen haben sich schon mal umgeschaut.

Josefine.JPG von
13. Februar 2020, 15:53 Uhr

Schleswig | Anfangs war Schloss Gottorf eine kleine Burg, geschützt von einem Wassergraben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Burg zu einem prächtigen Schloss.

Unsere Reise durch die Zeit beginnt etwa um 1500 in der Gotischen Halle. Schloss Gottorf war zu diesem Zeitpunkt im Besitz von Friedrich I., Herzog von Schleswig und König von Dänemark. 1544 wurde sein jüngster Sohn Adolf der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf.

Die Gotische Halle ist eine der ältesten und bedeutsamsten Räume im Schloss, erklärt uns die Expertin Uta Kuhl. Um das Jahr 1500 herum war sie die Burgstube. Als Burgfräulein hätten wir hier  an einer langen Tafel, die extra zum Essen aufgebaut wurde, gegessen – vorwiegend Fleisch – und getrunken hätten wir leichtes Bier, Wein und Met. Ja, auch uns wären alkoholische Getränke serviert worden, denn das Wasser war damals zu verschmutzt und nicht trinkbar. Das änderte sich auch nicht bis in die Zeit, in deren Kleidern wir gerade durchs Schloss laufen, Mitte des 17. Jahrhundert.

Jojo trägt ein Kleid aus der Zeit des Barock. Um das Jahr 1700 hätte sie solche Kleider als Hofdame im Schloss jeden Tag angezogen - allerdings hätte sie damals dabei auch ein Korsett und viele Unterröcke zusätzlich anlegen müssen.
Anna Zabell

Jojo trägt ein Kleid aus der Zeit des Barock. Um das Jahr 1700 hätte sie solche Kleider als Hofdame im Schloss jeden Tag angezogen - allerdings hätte sie damals dabei auch ein Korsett und viele Unterröcke zusätzlich anlegen müssen.

 

Zu dieser Zeit kamen beim Herzog 18 Gänge auf den Tisch, davon waren 14 Gänge Fisch und Fleisch. Die Speisen kamen ab 1590 aus der nördlich im Schloss gelegenen Küche. Sie bestand aus mehreren Räumen, hatte einen riesigen Kamin mit mehreren Herdstellen und einen Schlachtturm. 1597 lebten 433 Personen auf Schloss Gottorf, die herzogliche Familie, Bäcker, Apotheker, Knechte, Mägde und so weiter. Sie alle wurden aus der Küche versorgt. Das war der Lohn für die Menschen, die auf der Burg arbeiteten und wohnten. Essen war in dieser Zeit sehr teuer.

Die Burgstube  wird zur Bibliothek

Ab 1616 entwickelte Herzog Friedrich III., der Enkel von Herzog Adolf, Schloss Gottorf zu einem kulturellen Mittelpunkt in Nordeuropa. Er machte aus der Gotischen Halle eine Bibliothek. Diese Bibliothek war zu der Zeit etwas sehr Besonderes. Sie beinhaltete 10 000 Bände, so viele Bücher hatte sonst kaum jemand.

Beim Familientag auf Schloss Gottorf am 23. Februar haben Kinder freien Eintritt, Eltern zahlen nur 1 Euro pro Person. Es gibt viele tolle Aktionen und jede Menge zu sehen. Infos: www.schloss-gottorf.de

Über der Halle hätten wir um 1500 noch tanzen können, denn dort lag der Tanzsaal. Doch als das Schloss um 1700 umgebaut wurde, blieb im Südflügel nur die Gotische Halle mit der Bibliothek stehen. Danach tanzte man im „Hirschsaal“, ein prächtig verzierter Saal mit einem Hirschkopf über dem Kamin.

Alltag im Schloss:  Kalt und dunkel

Das Leben auf Schloss Gottorf war keineswegs so kuschelig, wie man es aus Büchern kennt. Es gab zwar Kamine, aber die Kälte zog trotzdem durch die Gänge. Die Zimmer im Schloss wurden nicht durch herkömmliche Türen getrennt, sondern es gab offene Durchgänge, die niedrig gehalten wurden, um die Wärme nicht allzu schnell zu verlieren.

Glas war sehr teuer, weshalb es nur wenige Fenster gab, die die Räume erhellten. Hochrangige Persönlichkeiten hatten oft Privaträume, die recht hell und warm waren. Das sieht man sehr schön in einem halbrunden Zimmer des Herzogs, das auf den Hof hinausgeht.

In der über 400 Jahre alten Kapelle hätten Jojo und Janne damals täglich zweimal gebetet.
Anna Zabell

In der über 400 Jahre alten Kapelle hätten Jojo und Janne damals täglich zweimal gebetet.

 

In der Hofkapelle von Schloss Gottorf hätten wir uns als Hofdamen damals zweimal pro Tag in der Kapelle versammelt, um gemeinsam zu singen und zu beten. Der Herzog hatte einen eigenen Raum über dem Saal, in dem er die Zeremonie mit seiner Familie verbrachte.

Schloss Gottorf ist nun schon lange nicht mehr der Hof eines Herzogs. 1749 wurden Möbel, Kunststücke und die Bibliothek nach Kopenhagen gebracht, wo der dänische König lebte, dem nun das Herzogtum gehörte. Später zogen Soldaten ein, das Schloss wurde eine Kaserne, wodurch das meiste der Innenausstattung endgültig verloren ging.

Heute ist das Schloss Sitz der Landesmuseen in Schleswig Holstein – mit vielen Ausstellungsstücken, darunter auch die berühmten Moorleichen. Aber wer weiß schon, was noch passieren wird, in den alten Gemäuern von Schloss Gottorf.

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