Wissen : Ein schlaues Gewächshaus

Der Biologe Werner Kloas züchtet Tomaten und Fische in einem Gewächshaus.
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Der Biologe Werner Kloas züchtet Tomaten und Fische in einem Gewächshaus.

Eine Wohngemeinschaft für Tomaten und Fische.

shz.de von
20. Juni 2014, 01:04 Uhr

Tomatenfisch? Was soll denn das bitte sein? Viele denken dabei wohl erst mal an Dosenfisch in Tomatensoße. Oder an einen Fisch, der so rot ist wie Tomaten.

Beim Tomatenfisch geht es aber um etwas ganz anderes: In der Stadt Berlin arbeiten Forscher daran, Tomaten und Fische zusammen in einem Gewächshaus zu züchten. Warum? Die Fische und die Pflanzen sollen das Wasser, das sie zum Leben brauchen, gemeinsam nutzen. Und zwar nacheinander, in einem Kreislauf. Weil das schwierig zu erklären ist, nennen die Forscher ihr Verfahren einfach Tomatenfisch.

Es funktioniert so: Die Fische leben in dem warmen Gewächshaus in großen runden Becken. In die sprudelt frisches Wasser. Die Fische sind Buntbarsche, auch Tilapia genannt. Sie werden mit gepressten Futterkörnern aus Pflanzenmehl und Fliegenlarvenmehl gefüttert. Wenn die Fische diese Larven verdaut haben, landen die Ausscheidungen der Fische im Wasser. Darunter sind auch giftige Stoffe. Das schmutzige Wasser wird deshalb ein paar Meter weiter in Kläranlagen geleitet. Dort werden zuerst größere Klümpchen herausgesiebt.

Die winzigen Giftstoffe sind aber immer noch im Wasser. Sie kommen in einen Bio-Filter: Das ist eine weitere Kläranlage. In der leben winzige Bakterien auf Plastik-Spulen, die wie klitzekleine Lockenwickler aussehen. Die Bakterien futtern den giftigen Stoff Ammonium. Daraus machen sie einen anderen Stoff. Der heißt Nitrat. Er ist ein guter Pflanzen-Dünger.

Das Wasser mit dem Dünger wird nun weitergeleitet an die Tomaten. Die wachsen in langen Reihen in einer Art Rinne gleich neben den Fischbottichen. Die Tomaten nehmen das Wasser mit dem Dünger auf. Von dem Dünger leben sie.

Das Wasser schwitzen die Tomaten über ihre Blätter dann wieder aus: als blitzsauberen Wasserdampf. Der steigt hoch und wird in großen Rohren aufgefangen. In den Rohren ist es kühl. Deshalb verwandelt der Wasserdampf sich wieder in flüssiges Wasser. Doch wohin mit dem Wasser? Wieder zu den Buntbarschen. Und damit geht der Kreislauf von vorn los.

Aber was ist an der ganzen Sache jetzt so toll? Das erklärt einer der Tomatenfisch-Erfinder, der Biologe Werner Kloas. Beim Tomatenfisch-Projekt wird Nahrung für Menschen mit wenig Wasser produziert. Denn die Fische und die Tomaten nutzen ja dasselbe Wasser. Würde man die Tomaten allein in einem Gewächshaus züchten, und die Fische an einem anderen Ort, würde man viel mehr Wasser verbrauchen.

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