Die Natur ist stärker als der Mensch

So sah es nach dem Tsunami vor zehn Jahren in vielen Orten aus.  Fotos: dpa
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So sah es nach dem Tsunami vor zehn Jahren in vielen Orten aus. Fotos: dpa

Kinder sprechen über die Riesenwellen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag vor zehn Jahren in Asien vielen Menschen das Leben kosteten.

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21. Dezember 2014, 16:44 Uhr

  Der zweite Weihnachtsfeiertag ist für Kaliyamurthy und seine Freunde ein besonderer Tag. Der Junge lebt in dem Dorf Chinnamedu, direkt am Meer. Es liegt in dem großen Land Indien in Asien. Nächsten Freitag gehen viele Leute aus dem Dorf an den Strand. Dort steht ein Pfahl, der an ein schweres Unglück vor genau zehn Jahren erinnert. Damals wurde Chinnamedu von Riesenwellen überflutet. Solche großen Wellen heißen Tsunamis. Sie zerstörten nicht nur das Dorf von Kaliyamurthy, sondern auch Städte in vielen anderen Ländern Asiens. „Wir respektieren die Natur und sorgen uns sehr um die Umwelt“, sagt Kaliyamurthy heute. „Der Tsunami hat uns aber gezeigt, dass die Natur immer stärker ist als der Mensch.“ Deshalb macht er bei einem Kinderrat mit, der sich für die Umwelt einsetzt. Als der Tsunami das Dorf überschwemmte, war Kaliyamurthy vier Jahre alt. An alles kann sich der 14-Jährige also nicht mehr erinnern. So geht es auch den anderen Kindern im Kinderrat. Deshalb sprechen sie oft mit anderen Jugendlichen, die damals schon älter waren. Sie sitzen dann zusammen auf dem Boden und erzählen. So lernen die jüngeren Kinder, was damals passiert ist. „Es war an einem Sonntagmorgen“, erzählt ein 17-jähriges Mädchen. „Unsere Familie hat gerade gefrühstückt. Da hörten wir andere Dorfbewohner auf einmal schreien. Sie riefen: Rennt um euer Leben!“ Als die Menschen damals aus ihren Häusern am Meer kamen, sahen sie die meterhohen Wellen. Sie schwappten über den Strand und über die ersten Häuser. Zum Glück konnten einige Menschen mit Autos flüchten. Als die Leute ein paar Tage später zurückkehrten, war das ganze Dorf zerstört. „Boote wurden von den Wellen weit ins Land gespült“, erzählt die 17-Jährige. An manchen Orten blieben sogar Schiffe auf den Mauern von Häusern stecken. Heute ist in dem Dorf Chinnamedu alles wieder aufgebaut. Der Kinderrat trifft sich zweimal im Monat. Und er darf im Dorf bei verschiedenen Entscheidungen mitreden: mehr Mülltrennung, keine Plastik-Tüten, neue Schulbücher. Auch auf neue Riesenwellen hat sich das Dorf vorbereitet. Der Kinderrat hat zum Beispiel mitgeholfen, Bäume an der Küste zu pflanzen. So werden die Wellen gebrochen. „Wir haben viele Kampagnen durchgeführt, um alles grüner zu machen“, sagt Kaliyamurthy. Zusammen mit anderen ging er von Haus zu Haus, um Geld zu sammeln. Am zweiten Weihnachtsfeiertag werden die Dorfbewohner zusammen beten. Danach waten sie ins Wasser und werfen viele Dinge hinein: Süßigkeiten, Blumen, Reis, Kleidungsstücke. So soll das Meer besänftigt werden, damit kein Tsunami mehr kommt.

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