Insel Föhr : Die Ferienspaß-Uni

Die Nase in den Wind drehen: So lernen die Kinder im SUP-Kurs, worauf sie beim Wassersport achten müssen.
Die Nase in den Wind drehen: So lernen die Kinder im SUP-Kurs, worauf sie beim Wassersport achten müssen.

Weltnaturerbe Wattenmeer, Inselleben und Kultur – das alles können Kinder auf Föhr in den Sommerwochen studieren.

shz.de von
11. Juli 2019, 17:39 Uhr

Wyk | Lernen im Inselsommer-Urlaub – wer will denn so etwas? Auf Föhr wollen das ganz viele Kinder. Fast 2000 melden sich jedes Jahr für die Kinder-Uni-Angebote auf der Insel an. Ihr Ziel ist aber nicht, Schulstoff nachzuholen oder ihre Noten zu verbessern. Sie lockt ein Angebot, das Spaß und Wissen miteinander verbindet.

Im Gegensatz zu anderen Kinder-Unis in Deutschland ist die auf Föhr nicht an eine Hochschule angebunden, sondern wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen, um den jungen Besuchern das damals gerade neu ernannte Weltnaturerbe Wattenmeer näherzubringen. Inmitten faszinierender Natur sollte so die Neugier der nachwachsenden Generation geweckt werden – und damit auch die Wertschätzung für diese einzigartige Landschaft.

Wattenmeer-Experten, die hervorragend als Dozenten geeignet sind, gibt es reichlich vor Ort, dazu wurden Wissenschaftler wie der Kieler Klimaforscher Mojib Latif, der das Projekt von Beginn an unterstützt, gewonnen. „Die Kinder-Uni hat von Anfang an großen Zuspruch erhalten“, sagt Projektleiterin Gila Rotermund. Sowohl die Expeditionen als auch die Vorlesungen sind gut besucht. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich das Angebot auf weitere Themengebiete ausgeweitet.

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Zu den Expeditionen Landschaft, Natur und Tiere gehören in diesem Jahr zum Beispiel die SUP-Kids. Dort bekommen zwölf Kinder ab acht Jahren eine Einführung ins Stand Up Paddling, also den Trendsport, bei dem sie auf dem Brett stehend über die Wellen paddeln. Doch zwischen dem Einsteigen in die Neoprenanzüge, ersten Bewegungen auf dem Brett und aufrechten Paddelzügen am Schluss vermittelt SUP-Ausbilder Flo Kirstein den jungen Studierenden in kleinen Einheiten Grundlagenwissen. „Woher kommt der Wind?“, fragt er.

Die   Kinder-Uni   bietet von Ende Juni bis  Anfang September Angebote für  verschiedene Altersgruppen zwischen 6 und 14 Jahren an. Das komplette Programm mit den jeweiligen Anmelde-Informationen gibt es bei der Tourist Info Föhr und  online unter: kinderuni-foehr.de 

 Die Kinder müssen die Augen schließen und sich drehen, bis ihnen der Wind ins Gesicht weht. Er kommt von Land und könnte die Kinder heute aufs Meer hinaustreiben. Ebbe und Flut und die damit einhergehenden Strömungen sind Thema der Expedition, ebenso wie der Aufbau des Boards, das Aufwärmen vor dem Sport und das Verhalten auf dem Wasser. Am Ende der zweistündigen Veranstaltung fasst der Kinder-Uni-Dozent noch an der Flipchart zusammen, wie hier Spaß, Sport und Gesundheit verbunden werden.

Natürlich ist das auch eine gute Werbung für seinen Shop SUP-Island, wo die Kinder weitere Kurse buchen können, die nicht so günstig sind wie das Uni-Angebot. Doch gerade der Austausch zwischen den neugierigen jungen Besuchern und den Insulanern macht das Kinder-Uni-Angebot so lebendig und vielfältig. „Es ist toll, wie die Föhrer sich für die Kinder-Uni einsetzen“, sagt Levke Sönksen von der Föhr Touristik.

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So entstehen auch Angebote, die es wirklich nirgendwo anders geben kann, wie „Wi snaake Fering“, der Einsteigerkurs ins Föhrer Friesisch. „Ik het Anita. Hü hetst dü?“, fragt Dozentin Anita Filter, die mit der Sprache der Insel aufgewachsen ist. Die Kinder verstehen schnell. „Ik het Malin“, sagt ein Kind. „Ik het Fredrik“, ein anderes. Nach einer Stunde kennen alle einige friesische Wörter, die Zahlen bis 20 und die Farben der friesischen Flagge – güül, ruad und blä, also gelb, rot und blau. Am liebsten würden sie noch mehr lernen, doch einen Fortgeschrittenenkurs gibt es bei der Kinder-Uni bisher nicht.

Im Austausch zwischen den Kinder-Uni-Organisatoren und den Inselgemeinden entstehen aber jedes Jahr neue Angebote. „Um den Qualitätsstandard zu sichern, sprechen wir lange mit den Anbietern über Gruppengrößen, Altersgrenzen, Abläufe und ob Erwachsene teilnehmen dürfen oder müssen“, erklärt Gila Rotermund.

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Neu ist in diesem Jahr unter anderem „Brot backen mit Romina“. Auch diese Veranstaltung fördert sicher nicht nur das Wissen um die Gärfähigkeit von Sauerteig und Hefe, sondern auch das Ansehen des Handwerks in der Bäckerei Hansen. Die Auszubildende Romina Göth zeigt den Uni-Kindern in der Backstube, wie sie aus Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Sauerteig ihr eigenes Brot backen. Am Ende bekommen alle zwölf Teilnehmer ihr Brot, das Rezept und eine Portion Anstellgut fürs nächste Sauerteigbrot. Die Kinder sind stolz, schlauer und sie können ihren Familien erzählen, wie es hinter den Kulissen der Bäckerei aussieht und eine Kostprobe geben.

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Ina Reinhart
 
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