Beruf : Buskind wird Busfahrerin

Hintergrundgespräch mit Kamera: Julian und Janne inteviewen die Busfahrerin.  Fotos: Luxuan
Hintergrundgespräch mit Kamera: Julian und Janne inteviewen die Busfahrerin.

Kina-Reporter Janne, Julian und Luxuan blicken hinter die Kulissen: Was steckt hinter den Streiks im öffentlichen Nahverkehr?

Janne_IMG_2573.jpg von
14. Oktober 2020, 19:05 Uhr

Flensburg | In ganz Deutschland streiken Busfahrer für einen Manteltarifvertrag, der für bessere Arbeitsbedingungen wichtig ist. Was ihnen fehlt, ist unter anderem Wendezeit, also dass sie genügend Zeit zwischen den Fahrten haben.

 

Jedoch wird ihnen kaum Verständnis entgegengebracht. „Wenn gestreikt wird, dann ist das halt aus gutem Grund und das machen wir nicht, weil wir irgendwie Langeweile haben oder nicht so gerne arbeiten, sondern weil wir eben unseren Job lieben und den auch so lange wie möglich durchhalten wollen“, so Sophie Metzner, eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Denn Sophie liebt ihren Beruf, obwohl sie für Frühschichten auch um 3 Uhr aufstehen muss.

Wenn sie so früh anfängt, kann sie auch früher aufhören und hat genug Zeit für Sport, Freunde und Familie. Aufgrund solcher schlechten Arbeitsbedingungen leidet der Busverkehr sehr unter Mangel an Mitarbeitern. Sophie erzählt uns, was alles toll an ihrem Beruf ist und wie das Busfahren funktioniert.

Sophia Metzner sitzt gern hinter dem Steuer.
Luxuan
Sophia Metzner sitzt gern hinter dem Steuer.
 

Schon früher war Sophie ein Buskind. Aber anstatt sich um die hintere Reihe zu streiten, saß sie gerne direkt hinter dem Fahrer. Dort konnte sie mit ihm reden und vor allem konnte sie beobachten, wie er den Bus lenkt. Nun lernt sie ihren Traumjob bei AktivBus in Flensburg. Seit ein bis zwei Monaten ist sie im Fahrdienst. Nachdem sie am Vortag eingeteilt wurde, bekommt sie morgens einen Bus zugeteilt und bereitet sich auf die Fahrt vor. Die Busse von AktivBus fahren täglich von 4.54 Uhr bis 0.19 Uhr, das sind ungefähr drei bis fünf Fahrer pro Bus.

Sophie erzählt, dass der Job zwar stressig ist, jedoch findet sie es toll, zu einem funktionierenden Stadtverkehr beizutragen. Zwischen den Kollegen gibt es kein Gegeneinander, sondern nur Miteinander, was Sophie sehr schätzt und die Fahrgäste freuen sich darüber, wenn sie sehen, dass auch mal eine Frau am Steuer sitzt. Doch am allerschönsten findet Sophie die Morgenstunden, an denen sie den Sonnenaufgang beobachten kann.

Für die einen ein Verkehrsmittel – für andere ein Lieblings-Arbeitsplatz: der Gelenkbus.
Für die einen ein Verkehrsmittel – für andere ein Lieblings-Arbeitsplatz: der Gelenkbus.
 

Um Bus zu fahren braucht man einen Pkw-Führerschein, den Busführerschein kann man dann in der Ausbildung machen. Der größte Unterschied zu Autos ist die Länge der Busse, durch welche sie schwerer zu lenken sind. Um sie besser überblicken zu können, haben die BusfahrerInnen jede Menge Spiegel installiert. Doch diese leben gefährlich, denn Sophie hat schon einige abgefahren. „Das passiert halt“ meint sie dazu.

Mit nörgelnden Gästen weiß sie auch umzugehen, denn sie weiß, dass diese es nicht persönlich meinen. So lächelt sie dann einfach und bleibt freundlich. „Und trotzdem bestimmt bleiben, weil sonst denken sie auch, glaube ich, gerade bei jungen Leuten wie mir, dass sie halt alles machen können. Und das ist ja auch irgendwo nicht richtig.“

Auch wenn Sophie ihren Job liebt, möchte sie bessere Arbeitsbedingungen und würde sich freuen, wenn mehr Leute Bus fahren möchten. Auch die Frauenquote darf sich ihrer Meinung nach gerne steigern.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen