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Amtsgericht Kiel : Zwölf Monate Haft für gefälschte Konten bei Ebay, Amazon und Co.

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wegen der „Fälschung beweiserheblicher Daten“ in vier Fällen sowie einer Urkundenfälschung erhielt gestern ein 33-Jähriger vor dem Amtsgericht Kiel eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt auf Bewährung für zwei Jahre. Der Angeklagte hatte sich bei Online-Plattformen wie Ebay, Amazon und Paypal Konten mit falschen Personalien angelegt. Über diese Accounts hatte er im Zeitraum März bis April 2013 etwa ein Smartphone und eine Festplatte verkauft. Zur gleichen Zeit war der gebürtige Preetzer mit einem gefälschten Ausweis in einem Blumengeschäft aufgeflogen.

Vermittels seines Verteidigers zeigte sich der Beschuldigte in allen Anklagepunkten geständig. Die Vorwürfe stünden jedoch auch, erklärte der Anwalt, im zeitlichen Zusammenhang mit einer schweren Hirnerkrankung seines Mandanten. Die „lebensbedrohliche und persönlichkeitsverändernde Erkrankung“ befand sich demnach „auf ihrem Höhepunkt“, als der Angeklagte die Taten beging. Teilweise habe sich der IT-Systemkaufmann zum Tatzeitpunkt noch in stationärer Behandlung befunden. Aktuell bemühe sich der Angeklagte um eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Denn ob und unter welchen Bedingungen er künftig seiner Arbeit nachgehen könne, sei fraglich, erklärte der Verteidiger.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung zeigten Einigkeit hinsichtlich des Strafrahmens von einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Insgesamt fünf Fälschungsfälle mit gewerbsmäßigem Nutzen seien keine Kleinigkeit mehr, betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Zudem gereiche dem Angeklagten zum Nachteil, dass er sein berufliches Wissen nicht zum Nutzen, sondern im Gegenteil zu Lasten der Gesellschaft verwendet habe. Positiv ausgelegt werden könne dem Beschuldigten, so der Staatsanwalt, dass er aus seinen Taten keinen Vermögensvorteil gezogen habe. Der Verteidiger pflichtete seinem Vorredner bei und ergänzte, die Einrichtung von Internetkonten mit fiktiven Personalien betreffe sehr viele Menschen: „Und nur die wenigsten wissen: Wo ist die Grenze, und wo darf ich das nicht mehr machen?“

Insgesamt vier Mal habe sich der Kieler mit falscher Identität angemeldet und über diese Accounts Waren verkauft. Er führe aber ein vergleichsweise normales Leben, erklärte die Richterin in der Urteilsverkündung. Strafrechtlich sei er bisher nicht in Erscheinung getreten. Zudem liegen die Taten weit zurück. „Für den Empfänger ist aber wichtig zu wissen: Wer ist mein Verkäufer. Und für die Firmen Ebay und Amazon ist wichtig: Wer macht da die Geschäfte“, appellierte die Richterin abschließend an das Gewissen des Verurteilten.

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erstellt am 08.Aug.2017 | 16:38 Uhr

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