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Kiel

16. August 2017 | 15:52 Uhr

Zwischen Wasserturm und Bunker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tag des offenen Denkmals in Kiel: Interessierte konnten zwischen zehn Einrichtungen wählen

Dass auch Gebäude mit unbequemen Funktionen eine Ausstrahlung haben können, stellte Anke Spoorendonk anlässlich der Zentralveranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ gestern in der Seefestung Friedrichsort fest. „Darum gefällt mir das diesjährige Motto sehr, das da lautet: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale“, so die Kieler Kultur-Ministerin. Bundesweit öffneten 7500 Denkmale ihre Türen, in Kiel waren es zehn.

Wie passt aber der alte Wasserturm am Ravensberg im wilhelminischen Baustil mit seiner beeindruckenden Ziegelfassade zum Motto? Thomas Hamann von der „Wasserturm Ravensberg Verwaltungs GmbH“ begründet dies mit dem Hin und Her der letzten Jahre. „Stadt und Land wollten das Denkmal nicht erhalten. Der Lichtplaner Johannes Dünnebier kaufte den Turm im Jahr 2000, um ihn zu erhalten und zu einer Begegnungsstätte auszubauen“, so Hamann. Es gab Theateraufführungen, Ausstellungen und Konzerte, die Pläne Dünnebiers wurden aber laut Hamann, der den Turm seit zwölf Jahren verwaltet, politisch torpediert.

2012 erwarb der Bauingenieur Peter Drieske den Turm, beauftragte das Architekturbüro Schnittger & Partner mit einem Sanierungskonzept für barrierefreie Wohnungen. Dieses Konzept sowie einen Einblick in die Geschichte des Turms stellten Hamann und Kollegen vom Architekturbüro den gut 80 Interessierten am Morgen vor. Unter ihnen das Rentnerehepaar Heinke und Karl-Heinz Karstens aus Kiel. „Wir waren vor zehn Jahren schon einmal im Turm und wollen uns jetzt hauptsächlich über den Umbau informieren, den wir einfach faszinierend finden“, so beide. Einen Wermutstropfen gab es allerdings: Eine Besichtigung des Inneren war aufgrund der Bauarbeiten nicht möglich. „Aber“, so Hamann, „sobald es die Arbeiten erlauben, kann die Öffentlichkeit auch das Innere in Augenschein nehmen“.

Andächtig still war es im Flandernbunker, einem Denkmal, bei dem sich das Motto des Tages sofort erschloss. Meist stumm wurden Bilder vom zerstörten Kiel, Fotos aus voll besetzten Bunkern sowie Zitate von Zeitzeugen betrachtet und gelesen. „Sehr beklemmend“ fand Horst Witte die Ausstellung. „Nach der Postkartenausstellung im Warleberger Hof mit ihren schönen Bildern vom Kiel vor 100 Jahren wollte ich mir nun die Bilder von Kiel im Krieg ansehen“, so der 73-Jährige.

Unbequeme Denkmale eben. „Aber auch diese Denkmäler gehören zu unserer Geschichte“, wie Anke Spoorendonk feststellte.


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erstellt am 09.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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