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Achmat-Kadyrow-Foundation : Zwielichtige Spendenaktion: Kiel weist Zusammenhänge zurück

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Aus der Onlineredaktion

PR-Aktion eines Diktators: Für mehrere Hundert Flüchtlinge wird in Kiel ein Festmahl ausgerichtet. Die Stadtverwaltung gibt sich überrascht und dementiert jegliche Verbindung zum tschetschenischen Präsidenten.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2015 | 17:09 Uhr

Kiel | Es ist für viele Flüchtlinge das höchste Fest in ihrer Religion: das islamische Opferfest. Es wird von den Gläubigen zum Höhepunkt des Haddsch gefeiert, der Wallfahrt nach Mekka und fällt in diesem Jahr auf die Zeit vom 24. bis 27. September. In Kiel wurden am Donnerstag und am Freitagabend jeweils mehrere Hundert Flüchtlinge aus verschiedenen Unterkünften ins Gaardener Eventcenter Arcadia zu einem Essen eingeladen. Die Tische im Saal waren stilvoll mit weißen Hussen hergerichtet, das mehrgängige Festdinner dauerte gut drei Stunden – die Eingeladenen waren voll des Dankes. Organisiert haben das Opferfest-Essen die beiden Kieler Mario Lemke und Timur Dugazaev. Finanziert wurde die Aktion allerdings von einer Stiftung aus Tschetschenien und das sorgt nun für gewaltig Ärger in der Landeshauptstadt.

Die Achmat-Kadyrow-Foundation ist nach dem Vater des seit 2007 amtierenden Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Achmatowitsch Kadyrow, benannt. Dieser gilt als Moskau getreuer Statthalter Putins, der die muslimisch geprägte Kaukasus-Republik mit harter Hand befriedet hat. Menschenrechtler werfen ihm vor, in Folter und Morde verwickelt zu sein: Die Jamadajew-Brüder etwa, politische Konkurrenten, starben in Moskau und Dubai durch Kugeln von Attentätern. Auch im Fall der 2006 getöteten Reporterin Anna Politkowskaja führen viele Spuren nach Tschetschenien. Russlands Opposition beschuldigt Kadyrow, den Mord an dem im Februar erschossenen Oppositionsführer Boris Nemzow in Auftrag gegeben zu haben.

Privat gibt sich der Politiker, der um sich und seine Familie einen regelrechten Personenkult errichtet hat, wie sein großes Vorbild Wladimir Putin als Vorzeigesportler und Boxer. Und hier schließt sich der Kreis zu der in Schleswig-Holstein ansässigen Sportmarketingfirma „Terek Box Event“. Manager Timur Dugazaev und Sportrechtverwalter Mario Lemke haben auf ihrem Firmenschild den Zusatz „Kiel-Hamburg-Grozny“ – sollten schon WM-Profikämpfe in die tschetschenische Hauptstadt holen.   

In Kiel holte sich Dugazaev bei seinem Gespräch über das Spendenangebot der Achmat-Kadyrow-Foundation (die PR-Aktion in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt war den tschetschenischen Präsidenten angeblich über 100.000 Dollar wert) eine Abfuhr. Nach Worten von Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska habe Stadtrat Gerwin Stöcken eine Zusammenarbeit klar abgelehnt und darauf verwiesen, dass die Spende rein privat organisiert werden müsse. Dass der tschetschenische Präsident nun in sozialen Netzwerken verlauten lasse, die Landeshauptstadt Kiel unterstütze die Einladung und habe sich an der Organisation des Abends beteiligt, sei erfunden. Gerwin Stöcken gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag: „Ich bin empört darüber, dass hier die Notlage von Menschen für politische Selbstzwecke schamlos ausgenutzt wird.“ Und betonte, dass weitere, während des kurzen Gesprächs angekündigte, Spendenangebote von der Landeshauptstadt daher ohne nähere Prüfung ebenfalls abgelehnt werden.

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