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Gaarden : Zweifacher Kindesmissbrauch in Kiel: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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Der Fall machte im Februar Schlagzeilen: Ein 31-jähriger Familienvater soll zwei Mädchen missbraucht haben – und hätte aufgehalten werden können.

Kiel | Im Fall der beiden im Januar im Kieler Stadtteil Gaarden sexuell missbrauchten Mädchen (5 und 7) hat die Staatsanwaltschaft Kiel jetzt Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. „Wegen zweifachen schweren sexuellen Missbrauchs“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler, Sprecher der Behörde.

Die Taten sorgten im Februar für Aufsehen. Besonders schlimm: Nach der ersten Tat wurde bekannt, dass der zweite Missbrauch verhindert hätte werden können.

Der Tatverdächtige Nasib G. (31) ist derzeit in der psychiatrischen Ameos-Klinik in Neustadt (Kreis Ostholstein) untergebracht. Ein Gutachten über seine Schuldfähigkeit steht noch aus. Sollte es ergeben, dass Nasib G. bei seinen Taten jeweils schuldunfähig war, würde keine Anklage erhoben, sondern in einem Sicherungsverfahren über eine dauerhafte Unterbringung in einer Fachklinik entschieden.

Die Taten hatten für massive Vorwürfe gegen die Ermittler gesorgt. Am 6. Januar hatte Familienvater Nasib G. eine Fünfjährige im Kindergarten seiner Söhne missbraucht. Er hatte sie auf die Toilette gelockt. Bei der Abholung offenbarte sich das Mädchen seinen Eltern, doch die Staatsanwaltschaft sah keine Gründe für einen Haftbefehl. Und so konnte Nasib G. am 31. Januar eine Siebenjährige, die ihn flüchtig kannte, mit einer Puppe in seine Wohnung locken. Er verging sich an ihr – so schwer, dass das Mädchen unter Vollnarkose operiert werden musste.

Erst danach klickten die Handschellen. Während die Ermittlungsbehörden von einem Erfolg sprachen, sah Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken wegen der psychischen Erkrankung von Nasib G. eine „verpasste Ausfahrt“, durch die das zweite Verbrechen hätte verhindert werden können: Wenn es denn schon keine Haftgründe gab, wäre möglicherweise eine Einweisung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz möglich gewesen.

Nach den Missbrauchsfällen haben die Behörden das „Kieler Konzept“ ins Leben gerufen. Vertreter von Staatsanwaltschaft, Polizei und Gesundheitsamt wollen auffällige Sexualstraftäter auf den Radarschirm nehmen, kurze Wege schaffen und dafür sorgen, dass alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

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erstellt am 01.Jun.2016 | 13:13 Uhr

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