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Lustige Deutschstunde : Zwei „Ananässer“ zum „Bissnesslantsch“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kultautor Bastian Sick erteilte rund 800 Schülern im RBZ Wirtschaft Kiel gestern eine unterhaltsame Doppelstunde Deutsch.

Die Liste an fehlerhaften Beispielen ist lang – aber nie langweilig. Besonders dann, wenn Bastian Sick Fotos von Verkaufsschildern mit klaren sprachlichen Mängeln zeigt, prusten Schüler und Lehrer los. Vielleicht lernen sie dabei auch besseres Deutsch. Zumindest lernen sie aber, wie man es besser nicht macht: Die Beispiele reichen vom „Boss-Kopf“ (für die Apfelsorte Boskoop) über die „Celebraichen“-Flasche (für die Marke einer bestimmten Mischung schokoladiger Bonbons) bis zur „Haut-Strafenden“ Körperlotion (selbsterklärend). Zum Schreien komisch ist es, wenn der Markthändler dann eine Ananas, aber zwei „Ananässer“ anbietet – am besten zum „Bissnesslantsch“ (für den englischen Begriff des beruflichen Mittagessens, Business-Lunch).

Der Kultautor Sick, bekannt geworden durch eine Kolumne bei Spiegel online und als „Retter des Genitivs“, hielt gestern im Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) Wirtschaft eine unterhaltsame Doppelstunde Deutsch. Eingeladen hatte ihn die Schule selbst, finanziert durch das eigene Programm „Kultureuro“ – die Schüler geben Anfang des Jahres einen Euro, dafür kommen sie in den Genuss besonderer Auftritte von Persönlichkeiten, die den Horizont der Schüler erweitern und „den klassischen Rahmen des Unterrichts aufbrechen sollen“. So erklärt es Deutsch-Lehrerin Raika Wiethe, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit am RBZ.

Die Mensa ist denn auch bis auf den letzten Platz besetzt. Zwar kennen viele Schüler den Journalisten und Entertainer Bastian Sick gar nicht – einige zucken die Schultern, andere haben über ihn im Unterreicht gesprochen oder zumindest mal den Namen gegoogelt – doch sie lassen sich von der Präsenz des Mannes einnehmen. Mit Headset steht er auf der Bühne, mit erhobener Stimme, manchmal mit erhobenem Zeigefinger, ganz selten auch mal spitzfindig, aber immer mit Wortwitz und einem (selbst-)ironischen Unterton. „Sind Sie alle freiwilig hier?“, versucht er die jungen Erwachsenen für sich zu gewinnen – und ihnen später den Zugang zur deutschen Sprache zu erleichtern. Zum Imperativ etwa, zum Genitiv – und zum erfundenen Fall, dem „Vonitiv“. Damit meint der Genitiv-Verfechter Sick missverständliche Schlagzeilen wie die folgende: „Mutter von vier Kindern erschlagen“. Sein trockener Kommentar dazu: „Der richtige Gebrauch des 2. Falles kann Schlimmeres verhindern.“ Damit hat er die Schüler schnell auf seiner Seite.

Merle jedenfalls klingt hinterher begeistert: „Ich fand es superlustig, hab’ die ganze Zeit gelacht.“ Auch Ann-Christin fand Sick „witzig“. Sie will in Zukunft öfter auf Angebotsschilder im Supermarkt achten. Diese fehlerhaften Schilder waren es auch, die Anes aus Albanien und Gholam aus Afghanistan, die eine internationale Klasse besuchen, besonders amüsiert haben. „Ich dachte, das waren nicht Deutsche, die das geschrieben haben“, erzählt Gholam lachend. Für Mitschüler Enes hingegen hat der Humor des Autors nicht immer ganz seinem eigenen Humor entsprochen. Gelernt hat er dennoch etwas: „Dass der Plural von Lady auf Deutsch „Ladys“ heißt und nicht wie im Englischen „Ladies“.

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erstellt am 26.Nov.2015 | 17:24 Uhr

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