Abkühlung im Hafenbereich : Zusätzliche Badestellen für Kiellinie?

Zutritt verboten: Die Stege der Kiellinie gehören den Wassersportclubs.
Zutritt verboten: Die Stege der Kiellinie gehören den Wassersportclubs.

Badefreudige nutzen aktuell die Vereinsstege zum Sprung ins Wasser: Was heute noch illegal, ist 2019 vielleicht schon erlaubt.

shz.de von
20. August 2018, 06:00 Uhr

„Es geht um den kleinen Finger und die ganze Hand“, bewertet ein Mitglied der Kieler Landespolizei die Lage an Kiels Fördestegen und Anlegern. Denn auf diesen tummeln sich in diesem Rekordsommer Sonnenanbeter und all jene, die im Fördewasser baden. Doch für all jene sind die Stege und Anleger eigentlich tabu. Denn das Abkühlen im Hafengewässer ist gemäß Hafenbenutzungsordnung der Landeshauptstadt Kiel ausschließlich an ausgewiesenen Badestellen wie dem Seebad Düsternbrook gestattet (wir berichteten). „Wer von der Wasserschutzpolizei dabei erwischt wird“, erklärte jüngst Arne Ivers von der Pressestelle der Stadt, „muss mit einem Ordnungswidrigkeitenverfahren rechnen“. Und tatsächlich, ein Landespolizist bestätigte jetzt auf Nachfrage: „Jeder, der sich nicht benehmen kann, bekommt eine Anzeige.“ Dabei setzte die Exekutive das Verbot in den vergangenen Wochen nicht so streng durch, wie sie gedurft hätte: „Solange das mit dem Baden vernünftig gehandhabt wird, ist es ja okay.“


„Die Leute schwimmen kreuz und quer durch die Segelkurse“

Bisweilen zeigte die Polizei sogar Verständnis für die schwitzenden Kieler: „Wenn man sich nur mal abkühlen will, sagt ja keiner was.“ Aber wie so oft gibt es dann doch den einen oder anderen, der die Grenzen des Spielraums überschreitet. „Wir haben Anrufe bekommen, dass Leute von den Fähranlegern in Laboe oder Falckenstein ins Wasser springen“, berichtet der Vollzugsbeamte. Und damit nicht genug: „Häufig sind es Heranwachsende, die warten, bis die Fähre ablegt, um dann von den Pollern ins Heckwasser der Schiffe zu springen.“ Die Gefahr, die im Strudel der Schraube lauert, werde völlig ignoriert. „Wir haben bereits Personaldaten aufgenommen“, erklärt der Polizeibeamte. Zunächst erwartet die jungen Männer nur ein Verwarngeld, „sollten uns die Namen aber noch mal begegnen, zieht das eine Anzeige nach sich.“

Auch Kiel-Marketing-Pressesprecherin Eva Zeiske plädiert für ein „gesundes Miteinander“ beim Springen von den Stegen der Kiellinie. „Das Baden an sich ist eine großartige Sache, grundsätzlich ist es doch das Flair von Kiel, aber bitte mit einem respektvollen Umgang“. Auch das Camp24/7 nutzt die Stege für die Kinder-Segelkurse. Doch gerade an besonders warmen Tagen nehme die Belagerung der Bootsstege Überhand. Die Trainer müssten dann zunächst die Sonnengäste um ein bisschen Platz bitten. „Die Leute schwimmen aber teilweise kreuz und quer durch die Segelkurse und die kleinen Mäuse in den Booten haben da genug mit sich zu tun.“ Die Konsequenz: „Morgens sind die Stege seitens des Camp 24/7 geschlossen, wenn Kurse beginnen und laufen“, so Eva Zeiske. „Gut wäre eine organsierte und strukturierte Lösung, die für alle praktikabel ist“, so die Pressesprecherin von Kiel-Marketing.

Auch an Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist die Debatte um die zu Badestellen umfunktionierten Kanu- und Ruderclubstege nicht vorbeigegangen. Für die kommende Saison plant die Stadt Kiel darum eine Alternative zum gesetzeswidrigen Baden in der Förde. „Wir möchten für 2019 eine unbürokratische Lösung, mit der wir das Baden legalisieren.“ Der erste Schritt müsse die Änderung der Hafennutzungsordnung sein. „Wir haben uns schon beim Hafenamt rückversichert und auch Wasserproben gezogen. Gesundheitlich ist das Baden in der Förde offenkundig kein Problem“, erklärte Kämpfer. Im zweiten Schritt müssten Badestellen gefunden und entsprechend eingerichtet werden. „Es müssen auf jeden Fall Bojen und zusätzliche Leitern an den Spundwänden installiert werden.“ Aber auch ein Schwimmsteg oder ein Ponton seien im Bedarfsfall als Lösung denkbar. Wo genau die künftigen legalen Badeplätze an der Kiellinie dann sein werden, darüber sei noch nicht gesprochen worden. „Es gibt dort eine ganze Menge Vereine“, so der OB, „es war unrealistisch, noch in der Saison 2018 alle an einen Tisch zu bekommen“.


„So unbürokratisch wie möglich und kostenlos“

Wichtig ist Kämpfer: „Es soll so unbürokratisch wie möglich sein und auf jeden Fall kostenlos.“ Auch die Wasserschutzpolizei habe schon grünes Licht zur Planung der Stadt gegeben. Ob die von Stadtseite legitimierten Badeplätze im kommenden Jahr auf den bestehenden Stegen der Kanu- und Rudervereine stattfinden oder an eigens dafür installierten Flächen, wird erst in den kommenden Monaten von den Beteiligten eruiert werden. Für die letzten warmen Tage dieses Sommers müssen sich die Badenden wohl weiterhin bewusst machen, dass sie im Revier von Fährschifffahrt, Kanuten, Ruderern, Seglern und Segellehrlingen lediglich im Rahmen von gegenseitiger Rücksichtnahme geduldet sind. „Aber ab nächstem Jahr kann man dann mit gutem Gewissen und unbürokratisch in die Förde springen“, lautet das Versprechen des Oberbürgermeisters.

Am Donnerstag berät die Ratsversammlung zum Thema Stadtstrand oder zusätzlicher Badeanstalt in Kiel.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen