Forschung auf dem Friedhof : Zurückholen in die Gegenwart

Gemeinsam mit ihrer Dozentin Caroline Elisabeth Weber erzählen Geschichtsstudenten der Christian-Albrechts-Universität die Biografien, die sich hinter den Grabsteinen verbergen.
Gemeinsam mit ihrer Dozentin Caroline Elisabeth Weber erzählen Geschichtsstudenten der Christian-Albrechts-Universität die Biografien, die sich hinter den Grabsteinen verbergen.

Am Eichhof machen Studenten das Leben und die Grabsteine ehemals prominenter Professoren wieder zugänglich. Eigene Tafeln erklären den Besuchern jetzt, welche Leistungen ihnen zu verdanken sind.

shz.de von
31. August 2018, 18:22 Uhr

„Es ist cool, sich mit einer fremden Person so intensiv zu beschäftigen“, sagt die Studentin Anja Heberlein. Zusammen mit elf weiteren angehenden Historikern an der Christian-Albrechts-Universität (CAU)hat sie das Leben ehemaliger Kieler Professoren durchleuchtet. Im 18. und 19. Jahrhundert weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, erinnern bislang nur Straßennamen an die Gelehrten. Das aber soll sich ändern: Ab sofort können sich die Besucher des Parkfriedhofes am Eichhof Einblick in ihre Biografien verschaffen.

Die zwölf jungen Leute haben mit ihrer Dozentin Caroline Elisabeth Weber zwei Infotafeln und ein wetterfestes, 28-seitiges Outdoorbuch erarbeitet und gestern in der Nähe der Friedhofskapelle aufgestellt. So sind Jens Baggesen und Karl Leonard Reinhold zusammen in einem Doppelgrab bestattet worden, in den 1820er-Jahren, wie Arne Suttkus herausgefunden hat. Zu Lebzeiten eng befreundet, haben sie ihre Karrieren gegenseitig befördert. „Baggesen hat dafür gesorgt, dass sein Freund und Philosoph Reinhold einen Ruf an die Kieler Uni erhalten hat“, weiß Suttkus, der Briefe und Manuskripte ausgewertet hat. Baggesen gilt in Dänemark als Klassiker. Er wird an den Schulen gelesen wie hierzulande Goethe oder Schiller. Mit seiner Professur wollte man damals die Zusammengehörigkeit des deutsch-dänischen Gesamtstaates stärken.

Die ehrwürdigen Grabsteine gehören zu den letzten Überbleibseln des Friedhofes St. Jürgen. Er befand sich am Sophienblatt in der Nähe des Kieler Hauptbahnhofes, wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und im Jahr 1955 schließlich dem Erdboden gleich gemacht. Der Parkfriedhof Eichhof ist einer der Nachfolger. Er wurde im Jahr 1900 eingeweiht und gehört heute zum Kirchenkreis Altholstein.

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