Erste deutsche Ministerpräsidentin : Zum Doppeljubiläum höchste SPD-Auszeichnung für Heide Simonis

<p>SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner überreicht die Medaille. Anlässe waren der 75. Geburtstag von Heide Simonis (li.) am 4. Juli und ihre Wahl zur Ministerpräsidentin vor 25 Jahren. </p>

SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner überreicht die Medaille. Anlässe waren der 75. Geburtstag von Heide Simonis (li.) am 4. Juli und ihre Wahl zur Ministerpräsidentin vor 25 Jahren.

„Eine große Ehre“: Ralf Stegner überreicht der an Parkinson erkrankten ehemaligen Ministerpräsidentin die Willy-Brandt-Medaille.

shz.de von
15. Juli 2018, 13:37 Uhr

Kiel | Die SPD hat die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis mit ihrer höchsten Auszeichnung geehrt. Der Bundesparteivize und Landesvorsitzende Ralf Stegner überreichte ihr die Willy-Brandt-Medaille am Sonntag in Kiel. Anlässe waren der 75. Geburtstag von Simonis am 4. Juli und ihre Wahl zur ersten deutschen Ministerpräsidentin am 19. Mai vor 25 Jahren. Zu einer nachträglichen kleinen privaten Feier kamen am Sonntag Freunde, Weggefährten sowie ihre Schwestern Doro und Barbara in ihre Kieler Wohnung.

Stegner würdigte die Leistungen von Simonis, die von 1993 bis 2005 Regierungschefin in Kiel war. Das Land, die SPD und er persönlich hätten ihr viel zu verdanken. „Diese Auszeichnung ist mir eine sehr große Ehre“, sagte Simonis. Die 75-Jährige empfing ihre Gäste zu Hause im Rollstuhl. Sie leidet seit Jahren an der Parkinson-Krankheit. „Es geht ihr passabel gut“, sagte Ehemann Udo Simonis. Auch wenn man hart daran arbeiten müsse, die Krankheit zu managen. Eine Krankenschwester und eine Pflegerin helfen dabei. Demnächst wolle er mit seiner Frau mal wieder auf beider Lieblingsinsel Amrum, erzählte Udo Simonis.

„In ganz Vielem die Erste“

Seine Frau hörte sich die Lobeshymnen auf sie an und sang eines ihrer Lieblingslieder leise mit: „Drum will ich auf immer den Sorgen entsagen...Man kann ja im Herzen stets lachen und scherzen und denken dabei: Die Gedanken sind frei!“, heißt die letzte Strophe.

„Heide Simonis war in ganz Vielem die Erste“, sagte Stegner. „Die Erste zu sein, erfordert immer viel Mut.“ Simonis war 1976 jüngste Bundestagsabgeordnete und erste Frau im Haushaltsausschuss, bevor sie Ministerpräsidentin wurde und das Land auf einen Modernisierungskurs brachte.

Vielfältiges Engagement

Und: „Bei Heide wusste man immer, woran man ist“, sagte Stegner. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt habe sie anders als Andere nicht versucht, das große Geld zu verdienen, sondern sie habe sich um Kinder gekümmert. Simonis war 2005 gut ein halbes Jahr nach ihrer gescheiterten Wiederwahl zur Ministerpräsidentin ehrenamtliche Vorsitzende von Unicef Deutschland geworden. Nach einer Spendenaffäre um das Kinderhilfswerk trat sie Anfang 2008 von diesem Posten zurück.

Auch danach engagierte sie sich lange auf vielfältige Weise, zum Beispiel als Ombudsfrau für Patienten und für Sterbende. Vor vier Jahren verlieh ihr der damalige Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) als erster Frau die Ehrenbürgerwürde des Landes.

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