Ausbildung bei der Bahn : Zukünftig mehr Lokführer in Schleswig-Holstein

Der Auszubildende Christopher Strahl fährt im Rahmen seiner Ausbildung einen Triebwagen.

Der Auszubildende Christopher Strahl fährt im Rahmen seiner Ausbildung einen Triebwagen.

Der Bahn fehlen im Norden Lokführer: Vor allem im Osten Schleswig-Holsteins fielen deshalb über Wochen Züge aus.

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22. Oktober 2018, 15:24 Uhr

Kiel | Den Hebel kurz nach vorne gedrückt. Schon nimmt der Triebwagen Fahrt auf und rattert mit Tempo 50 los. Hannes Guhl sitzt aber nicht im Führerhaus eines Triebwagens, sondern auf einem Stuhl vor einem Simulator der Deutschen Bahn in Kiel. „Es ist fast wie in echt“, sagt der 19-Jährige.

Der Auszubildende Hannes Guhl sitzt im Rahmen seiner Ausbildung an einem Fahrsimulator.
Carsten Rehder/dpa

Der Auszubildende Hannes Guhl sitzt im Rahmen seiner Ausbildung an einem Fahrsimulator.

 

Er macht bei der DB Region eine Ausbildung zum Lokführer. „Das ist mein Kindheitstraum, den ich dadurch verwirklicht habe.“ Mangel an Lokführern hat der Bahn in der Vergangenheit im Norden immer wieder Probleme bereitet und zu Ärger bei Pendlern geführt. Auf der wichtigen Sylt-Strecke fielen wegen Personalausfalls Züge aus, im Osten Schleswig-Holsteins nahm die Bahn erst in dieser Woche im Regionalverkehr einige Verbindungen wieder auf, die seit Anfang September aus Mangel an Lokführern gestrichen waren.

Lübeck war von Streichungen besonders betroffen

Das betraf besonders Früh- und Abendzüge zwischen Lübeck und Puttgarden, Lübeck und Lüneburg sowie Lübeck und Neustadt. „Wir haben gerade in der gesamten Branche einen Fachkräftemangel bei den Lokführern, das ist nicht nur bahnspezifisch“, sagt Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis. Deshalb setze die DB Regio stark auf die Ausbildung in zwei Schienen: einer klassischen Ausbildung über drei Jahre und einer elfmonatigen Ausbildung für Quereinsteiger, die bereits einen anderen Beruf erlernt haben. Alle zwei Monate begännen derzeit zehn neue Quereinsteiger, hinzu kämen 28 klassische Azubis.

Für viele Bewerber sei es „immer noch ein Kindertraum, eine Ausbildung zum Lokführer zu machen“, sagt Meyer-Lovis. Trotzdem sei die Situation auf dem Markt schwierig. „Quereinsteiger haben wir früher beispielsweise gar nicht genommen.“ Das Modell sei aber sehr erfolgreich. Für die kommenden Jahre stocke das Unternehmen die Zahl der regulären Ausbildungsplätze zudem auf zwölf pro Lehrjahr auf.

Alle Azubis werden übernommen

„Alle, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, werden übernommen.“ Als die Azubis aus dem ersten Lehrjahr vor kurzem das erste Mal auf der Lokomotive waren, habe sie bei den Jungs „strahlende Kinderaugen“ gesehen, sagt Trainerin Katja Doose. Als gelernte Lokführerin gehört sie zur weiblichen Minderheit unter den rund 480 Lokführern in Schleswig-Holstein. „Wir sind deutlich in der Unterzahl, das ist immer noch ein Männerberuf.“ Doose hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Um ihren Führerschein zu behalten, muss sie als Trainerin 100 Stunden pro Jahr als Lokführerin im Einsatz sein. „Man muss für diesen Beruf leben“, sagt sie. Wer den Beruf ausüben wolle, der müsse auch voll dahinter stehen.

Denn negative Kommentare zu Bahnproblemen hört die 29-Jährige oft. „Aber in jedem Unternehmen läuft es doch mal nicht.“ Azubi Guhl hat mit seinem Triebwagen derweil ohne Verspätung den Zielbahnhof erreicht. Sein Ausbilder Olaf Klodt hat ihm auf den Gleisen stehende Schafherden oder dichten Nebel verschont.

Viele unterschätzen den Beruf

Für beides könnte die Simulations-Software auf Knopfdruck sorgen. „Wir haben die Möglichkeit, Stress zu erzeugen“, sagt er. „Am wichtigsten ist es, keine Routine in den Beruf hineinkommen zu lassen“, sagt Anwärter Guhl. Lokführer müssten stets ein wachsames Auge haben. Er freut sich bereits darauf, nach Abschluss der Ausbildung alleine fahren zu dürfen. Der Fernverkehr sei dabei für ihn kein Ziel, sagt er.

„Hier bei der Regionalbahn habe ich den Vorteil, auf jeden Fall einmal am Tag zu Hause zu sein und einen Arbeitsweg von 15 Minuten zu haben.“ Sein Berufswunsch werde bisweilen belächelt, sagt Guhl. „Denn viele unterschätzen den Beruf. Züge fahren ist ja aber nur ein Bruchteil der Arbeit.“ Es gehöre viel mehr zu. Während andere Menschen schlafen, bereiteten seien künftigen Kollegen nachts die Züge des nächsten Tages vor. Voraussichtlich bald auch für ihn.

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